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Die Liste der Mythen, die sich um die gesetzliche Rente ranken, ist ebenso lang wie widersprüchlich: Die Verantwortung für das sinkende Rentenniveau, so heißt es, trage die Babyboomer-Generation. Die Deutschen würden zu wenig arbeiten, meint dagegen Bundeskanzler Friedrich Merz. CDU-Politiker Jens Spahn behauptet, wir würden zu lange leben, deshalb sei es alternativlos, den Renteneintritt noch weiter nach hinten zu verschieben. Die Kosten für die Rente würden explodieren, warnen unternehmerfreundliche Wirtschaftsinstitute. Gleichzeitig sagt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ängste vor Altersarmut seien unbegründet. Die von der Regierung eingesetzte Rentenkommission legte umfangreiche Kürzungsvorschläge für die Rente vor, und die Bundesarbeitsministerin behauptet, wenn man diese umsetze, würde es allen besser gehen. Die vorgeschlagene Kapitalrente bringe Traumrenditen, mit denen man quasi im Schlaf zu Vermögen käme, so Wirtschaftsexpert*innen.
Das vorliegende Heft setzt dieser Märchenstunde ein Ende. Die Analyse zeigt, dass die gesetzliche Rente seit Jahrzehnten nach einem genialen System funktioniert: Die eingezahlten Beiträge werden direkt an die Rentner*innen weitergegeben – ohne den Umweg über eine Bank. Allen Unkenrufen zum Trotz sind die Beitragssätze und der Bundeszuschuss zur Rente stabil. Das Problem ist nicht die Demografie, sondern die ungerechte Finanzierung der Renten.
Zu den tatsächlichen Problemen der Rente gehört, dass hierzulande mehr gearbeitet wird als je zuvor und die Kaufkraft der Renten trotzdem sinkt. Die steigende Altersarmut gehört zu den Herausforderungen, die angegangen werden müssen.
Es gibt viele gute Vorschläge, wie eine auskömmliche Rente für alle nachhaltig gesichert werden kann: durch die Beteiligung auch höherer Einkommen an der gesetzlichen Rentenversicherung, durch eine stärkere Besteuerung sehr hoher Einkommen und Ver-mögen sowie durch eine Solidarische Mindestrente.
Hinter der tagtäglichen Angstmache, die gesetzliche Rente sei am Ende, steckt keine Sorge um die Rentner*innen, sondern die Lobby der Arbeitgeberverbände, die die Sozialversicherungsbeiträge drücken wollen, und der Finanzbranche, die an der staatlich geförderten privaten Vorsorge kräftig verdient.
Inhalt
- „Die Kosten der gesetzlichen Rente explodieren“
- „Das Rentensystem wird immer stärker aus dem Bundeshaushalt subventioniert“
- „Die Jungen zahlen nur noch für die Alten“
- „Rentner*innen sind heute so reich wie nie“
- „Die Vorschläge der Rentenkommission der Regierung sind sozial ausgewogen“
- „Wir müssen alle mehr und länger arbeiten“
- „Die Kapitalrente kann das System retten“
- „Gutes Leben im Alter geht nur mit privater Vorsorge“

