Publikation International / Transnational - Afrika - Ungleichheit / Soziale Kämpfe - Arbeit / Gewerkschaften «Ein Aufbruch der ArbeiterInnen»

Der Arabische Frühling in Tunesien und Ägypten. Von Michael Fütterer.

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Erschienen

Februar 2013

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Erschienen in der Reihe «Ränkeschmiede». Texte zur Internationalen ArbeiterInnenbewegung. Herausgegeben von tie - Internationales Bildungswerk e.V.

Unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt, dem Solidarfonds der StipendiatInnen der Hans-Böckler-Stiftung und Brot für die Welt.

Vorbemerkung

Der Arabische Frühling hat das in den Ländern des ›Westens‹ vorherrschende Bild von den Staaten in Nordafrika und Nahost irritiert. Es waren Bilder zu sehen, die den fest verwurzelten Vorstellungen von der angeblichen arabischen und muslimischen Unfähigkeit zu progressivem Denken und Handeln widersprachen. Besonderes Aufsehen erregten die Revolutionen in Tunesien und Ägypten.
Zwar herrschte viel Sympathie für die Aufstände, doch gleichzeitig schwangen dabei antiislamische Ressentiments mit, die unterstellten, die Revolutionen müssten zwangsläufig in islamistischen Regimen enden. Genauso fragwürdig ist die Darstellung, die Proteste seien von einer ›westlich‹ orientierten Generation getragen gewesen und hätten nur dank Internet und sozialer Netzwerke eine so durchschlagende Wirkung entwickeln können.

Um die Proteste wirklich zu verstehen, muss man die Entwicklungen in Tunesien und Ägypten ein Stück weit zurückverfolgen. Dabei wird man feststellen, dass Protestbewegungen, insbesondere von ArbeiterInnen, bei aller staatlich verordneten Grabesruhe in beiden Ländern auf eine lange Geschichte zurückblicken, auch wenn das hier kaum bekannt ist. Die Revolutionen in Tunesien und Ägypten wären ohne die Militanz der ArbeiterInnen nicht denkbar gewesen. Darauf wollen wir mit der vorliegenden Broschüre den Blick lenken.
Eine Prognose über den weiteren Verlauf der Entwicklungen in Tunesien und Ägypten ist nicht möglich. Genauso wenig bietet die Broschüre eine detaillierte Analyse aller gesellschaftlichen Gruppierungen und AkteurInnen der Revolutionen. Der Schwerpunkt liegt bewusst auf den Aktionen der ArbeiterInnen, deren Rolle für die sozialen Revolutionen des Arabischen Frühlings bislang noch nicht genügend ausbuchstabiert ist.

Die Broschüre gliedert sich in einzelne Kapitel, an deren Ende sich jeweils Literaturhinweise zum Thema finden. Ergänzt werden die Kapitel durch Interviews und Erfahrungsberichte zu aktuellen Fragen der Proteste, zu Hintergründen und konkreten Konflikten.
Ein besonderer Dank geht an den französischen Gewerkschaftsverband Solidaires und das britische Mena Solidarity Network, die Texte, Bilder und Interviews zur Verfügung gestellt haben. Ein Dank geht auch an die Redaktionen der Zeitschrift Sozialismus und des Labournet Germany für die Genehmigung, zwei dort veröffentlichte Interviews in dieser Broschüre zu dokumentieren.

Inhalt

Einleitung
Länderübersichten Ägypten und Tunesien
Interview mit dem Historiker Joel Beinin
Ägypten und Tunesien: zwischen Antikolonialismus und Unterordnung im globalen Kapitalismus
Interview mit der ägyptischen Aktivistin Fatma Ramadan
Von Tunis bis Kairo: Sozialproteste als Auslöser der Revolutionen
Interview mit dem tunesischen Aktivisten Adnan Birbaoun
ArbeiterInnenbewegung und die Revolutionen in Tunesien und Ägypten
Bericht der ägyptischen Gewerkschafterin Fatma Zahra’a Abd-al-Hamid
ArbeiterInnenbewegung und die Revolutionen in Tunesien und Ägypten, Fortsetzung
Interview mit der ägyptischen Gewerkschafterin Nagat Ragab
Frauen als Avantgarde der Revolution
Interview mit dem tunesischen Gewerkschafter Sghaier Saihi
(K)ein Ausblick