Publikation International / Transnational - Afrika - Krieg / Frieden Mali: Vom «Hoffnungsträger» zum «Krisenstaat»

Auf der Suche nach Lösungen jenseits von militärischem Interventionismus. Standpunkte International 06/2013 von Claus-Dieter König.

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Reihe

Standpunkte international

Autor

Claus-Dieter König,

Erschienen

Mai 2013

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Neben den nationalen Hintergründen für die Krise in Mali sind es vor allem internationale Faktoren, die den Ausbruch des Konflikts in seiner gesamten Tragweite verursacht haben. Die Bevölkerung Malis ist Spielball von Interessen, die nichts mit ihr zu tun haben. Daran wird sich nichts ändern, solange es zu keiner starken, von der Bevölkerung getragenen Bewegung kommt, die um die Wiedererlangung der politischen und ökonomischen Souveränität des Landes und eine andere Entwicklungsperspektive kämpft.

Viele der Umstände, die dazu geführt haben, dass sich Mali binnen weniger Wochen von einem «Hoffnungsträger» in einen «Krisenstaat» oder sogar einen «gescheiterten Staat» verwandelt hat, existieren auch in anderen Ländern Afrikas und der Welt, insbesondere in den Ländern, in denen ähnliche Konflikte bereits latent vorhanden sind. Eine Analyse der Umstände und Ursachen der Krise in Mali hat deshalb exemplarischen Charakter und öffnet den Blick auf andere Möglichkeiten der internationalen Krisenintervention jenseits von militärischem Eingreifen.

Wirtsch aft und Staat in Mali

Die Art und Weise, in der Mali oder besser: malische Ressourcen weltwirtschaftlich in Wert gesetzt werden, ist eine der zentralen Krisenursachen. Es handelt sich um eine predatorische Form der Inwertsetzung. Wo die Natur Nützliches für die kapitalistische Verwertung hinterlassen hat, dort werden diese Rohstoffe ausgebuddelt – ohne dass es weitere Verarbeitungsstufen und Wertschöpfung im Lande gibt. Mali ist nach der Republik Südafrika und Ghana der drittgrößte Goldexporteur Afrikas. Im Jahr 2012 wurden 50,3 Tonnen Gold gefördert. Baumwolle ist das wichtigste landwirtschaftliche Exportprodukt. Früher gab es eine weiterverarbeitende Textilindustrie im Baumwollgebiet. Heute wird die malische Baumwolle unter Wert verkauft, weil die subventionierte Baumwolle aus den USA den Weltmarktpreis drückt. Dieser lag 1995 noch bei einem US-Dollar für das Pfund, nahm auf bis zu 50 Cent ab. Auf diesem Niveau verblieb er bis 2009. Nach einer kurzen Hausse im Jahr 2011 liegt er jetzt bei 83 Cent. Die Bevölkerung, die in den fruchtbaren und bewässerten Gebieten unter der Hoheit des Office du Niger Landwirtschaft betreibt, wird enteignet. Ihre Felder werden an internationale Investoren verkauft (Landgrabbing), die sie unter anderem für die Produktion von Agrotreibstoffen und zu Spekulationszwecken verwenden, nicht aber, um die malische Bevölkerung zu ernähren und den Menschen eine sinnvolle Arbeit zu geben. Das Oakland Institute liefert eine detaillierte Auflistung großflächiger Landkäufe mit einem Gesamtvolumen von rund 550.000 Hektar, das entspricht zweimal der Fläche des Saarlands.

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