Publikation Kultur / Medien - Ungleichheit / Soziale Kämpfe - Soziale Bewegungen / Organisierung - Amerika Im Schatten der Spiele

Fußball, Vertreibung und Widerstand in Brasilien. Lateinamerika Nachrichten-Dossier.

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Oktober 2013

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Fußballweltmeiterschaft der Männer 2014 in Brasilien! Mehrere hundert Millionen Zuschauer_innen weltweit werden das Spektakel verfolgen, wenn 32 Teams um den Titel spielen. Die Fans werden sich die Spiele in den Stadien oder auf Fanmeilen, in Bars oder Biergärten, bei Freund_ innen oder daheim auf der Couch anschauen. In Brasilien aber werden nicht alle die Spiele von zu Hause aus sehen können, selbst wenn sie das wollten. Denn im Land der Fußball-WM 2014 droht Tausenden Menschen die Zwangsräumung: für die Bauvorhaben, die mit der Weltmeiterschaft oder den Olympischen Sommerspielen, die 2016 in Rio de Janeiro stattfinden werden, im Zusammenhang stehen.

Die lokalen Basiskomitees, die sich in Brasilien zur WM gegründet haben und die die sozialen Folgen der Groß-Events kritisieren, haben erschreckende Zahlen ermittelt. Allein in den zwölf Ausrichterstädten der WM (einschliesslich Rio als Austragungsort der Olympischen Spiele) wurden demnach bereits über 250.000 Menschen aus ihren Häusern geräumt oder sind von Räumung bedroht. Stadion- und Straßenbauten, Schnellbuslinien und Trams, Parkhäuser und Hotels, UBahnen und Autobahnzubringer – die vorgebrachten Gründe für Räumung und Vertreibung sind vielfältig.

Weiter im Editorial.

Am 28.10. findet in Berlin die Veranstaltung "Im Schatten der Spiele" statt.
Mit Cláudia Fávaro, Architektin/Stadtplanerin, Mitglied des lokalen Basiskomitees Comité Popular da Copa aus Porto Alegre; Thomas Fatheuer, KoBra-Netzwerk und FDCL Berlin; Moderation: Susanne Schultz, Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Inhalt

Im Schatten der Spiele
Fußball, Vertreibung und Widerstand in Brasilien

Proteste auf Fifa-Niveau
Unbehagen und Empörung treiben in Brasilien die Menschen auf die Straße

„Das Recht funktioniert nur für die Reichen“
Sieben Testimonios über Räumungen und Rechtsbrüche, Reiche und Revolte

„Welle an Zwangsräumungen“
Interview mit Professor Carlos Vainer über die sportlichen Groß-Events und die Folgen in Rio de Janeiro

Als der Papst schlief
Tränengas und Taser, Pfefferspray und Prügel auf den Demonstrationen in Rio de Janeiro

Vier Wummen gegen Rio
Brasilien trainiert für Olympia – mit Drohnen, Luftabwehrpanzern, Kleinkalibern und Wasserwerfern, auch aus Deutschland und Österreich

Die Stadt als Beute des Kapitals
Interview mit Professorin Ermínia Maricato über Stadtumstrukturierungen im Schatten der Mega-Events und die neue Generation der Protestierenden

„50 Jahre Wachstum in nur 4 Jahren“
Eine Reportage aus Cuiabá – ein Jahr vor dem Anpfiff

„Wo sollen wir hin,wenn sie uns hier vertreiben?“
Sexarbeiter_innen sollen an den WM-Austragungsorten aus dem öffentlichen Raum verschwinden

Blatter und die Strolche
Brasiliens Fußballfunktionäre sind tief in Korruptionsaffären verstrickt

Ein anderer Fußball ist möglich
Vor dreißig Jahren führte mitten in der brasilianischen Militärdiktur der Fußballklub Corinthians Basisdemokratie ein: die Democracia Corinthiana

Die Rosa Luxemburg Stiftung führt nicht nur eigene Veranstaltungen in São Paulo und Deutschland durch, die die sportlichen Großereignisse der WM 2014 und Olympischen Sommerspiele 2016 in Brasilien kritischbegleiten. Sie unterstützt auch ganz konkret die Arbeit von zum Teil langjährigen ProjektpartnerInnen, die vor Ort Kampagnen im Rahmen der mega-eventos unterstützen, die von Vertreibung betroffene oder bedrohte Bevölkerung begleitet und auf die vielseitigen, leider überwiegend negativen Folgen für die Menschen vor Ort aufmerksam machen. Zu diesen PartnerInnen gehören CAMTRA (Casa da Mulher Trabalhadora), NPC (Núcleo Piratininga de Comunicação), PACS (Políticas Alternativaspara el Cono Sur) und FASE (Federação dos Órgãos para Assistência Social eEducacional). FASE ist sowohl in Recife als auch in Rio Mitglied der Comitês Populares deCOPA; seit Jahren setzen sie sich für das Recht auf Stadt als verbrieftes Menschenrecht ein und fungierendabei als wichtiger Vermittler zwischen Stadtregierung und Zivilgesellschaft.

Die Publikation wurde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert. Die gedruckte Ausgabe ist über die Lateinamerika Nachrichten zu beziehen:

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