Publikation Globalisierung - Ungleichheit / Soziale Kämpfe - Arbeit / Gewerkschaften - Kämpfe um Arbeit Grenzüberschreitende Solidarität unter ArbeiterInnen

Eine Bestandsaufnahme anhand von vier Fallstudien

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Reihe

Studien

Erschienen

Juni 2016

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Vor einigen Jahren weckten einige AutorInnen der Global Labour Studies die Erwartung, dass die Globalisierung des Kapitals und die neuen Möglichkeiten der elektronischen Kommunikation bald zur Hegemonie der Arbeiterklasse führen könnten. Dafür übersahen sie großzügig die politischen Hindernisse, veränderte technische und ökonomische Bedingungen wurden als hinreichend angesehen. Diese optimistische Sicht provozierte den harschen Widerspruch von Michael Burawoy, der statt einer heraufziehenden Hegemonie des Proletariats nur vereinzelte partikulare Widerstände sah, was eine erbitterte Debatte zwischen beiden Seiten hervorrief.

Der Optimismus im Hinblick auf international koordinierten Arbeiterwiderstand angesichts der fortlaufenden Internationalisierung des Kapitals und die ihm folgende Ernüchterung angesichts der Schwierigkeiten einer effektiven transnationalen Vernetzung bilden einen Zyklus im Diskurs, der sich regelmäßig wiederholt. Bereits in den 1970er Jahren gab es eine ähnliche Debatte aus Anlass der Einrichtung der ersten weltweiten Betriebsratsstrukturen in einigen multinationalen Konzernen.

Neben den offiziellen weltweiten Strukturen der Branchenföderationen und der verschiedenen globalen Gewerkschaftsverbände entstanden in den letzten Jahrzenhnten zahlreiche Formen der Kooperation von Arbeitenden über Kontinente hinweg. In dieser Studie werden anhand von vier Beispielen die Organisierungsformen von Arbeiter/innen in Deutschland mit Arbeiter/innen in anderen Ländern vorgestellt. Dies kann keine repräsentative Darstellung sein, da es weniger noch als in anderen Bereichen keine einheitlichen Modelle der transnationalen Organisierung von Arbeiter/innen gibt.

Die Auswahl repräsentiert nichtsdestotrotz «typische» Modelle: Als solche sind die Organisierung innerhalb eines Weltkonzerns (Bayer, Coca-Cola) und die Organisierung in Bezug auf das Produkt (Textilien, Eisenbahn) anzusehen. Bei der konzernbezogenen Organisierung wurde sowohl eine durch oppositionelle Betriebsratslisten (Bayer) als auch eine über einen globalen Gewerkschaftsverband (Coca-Cola) ausgewählt. Die Organisierung bei H&M, Zara und Esprit geht über die Grenzen der traditionellen Branchengewerkschaften hinaus (Textilindustrie und Einzelhandel), orientiert sich aber an den Lieferketten der Konzerne, die die Textilien verkaufen. Der Zusammenschluss von Bahngewerkschaften orientiert sich dagegen an der Bereitstellung derselben Dienstleistung in verschiedenen Ländern: Transport durch Schienenverkehr.

In der Studie werden die mit den jeweils entstandenen  Modellen der Organisierung verbundenen Widersprüche herausgearbeitet, die oft auch in der Branchenstruktur begründet liegen. Anhand der Beispiele wird die Diskussion um einen social movement unionism und um die Organisierung von Arbeiter/innen entlang von Lieferketten sowie um die widersprüchliche Position von Gewerkschaften aufgegriffen und weiter entwickelt