Publikation Politische Weiterbildung Bildungsprozesse

Drittes Heft in der Reihe «Bildungsmaterialien»

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Reihe

Bildungsmaterialien

Herausgeber/ innen

Claudia de Coster, Ronald Höhner,

Erschienen

Juni 2016

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Dieses Bildungsheft widmet sich der Gestaltung von Lernprozessen in der politischen Bildung. Es geht dabei um die Planung einer Abfolge von Schritten und Interventionen, die für Teamende und Teilnehmende von Bildungsveranstaltungen gutes Lernen planbar machen, gleichzeitig aber nicht zu viel festschreiben. Dafür stehen unterschiedliche Interventionsarten zur Verfügung: Je nach dem Zweck der Bildungsveranstaltung und den Vorüberlegungen zu Rahmen und Zielgruppe können sie verschieden eingesetzt und variiert werden – zum Beispiel in ihrer Reihenfolge, Intensität und Ausgestaltung. Das ist es, was Gestaltung von Bildungsprozessen unserem Verständnis nach meint.

Wir fügen mit diesem Bildungsheft der verbreiteten Planungsweise der ZIM-Logik (Ziel → Inhalt → Methode) eine Metaebene hinzu. Diese besteht in der Klärung des politischen Zwecks der jeweiligen Bildungsveranstaltung. Klar sollte politische Bildung zum Beispiel das Thema Flüchtlingspolitik aufgreifen. Doch wozu eigentlich? Geht es um Vernetzung handelnder Akteure oder soll Begegnung, unter anderem mit Geflüchteten, stattfinden? Ist das Anliegen die Fundierung von Wissen oder geht es um Erfahrungsaustausch? Sollen politische Praxen eingeübt werden oder ist die Entwicklung politischer Forderungen das Ziel? Sollen Menschen für die Mitarbeit gewonnen werden oder geht es um die Initiierung eigener Projekte? Je nach Zweck wird sich innerhalb der zeitlichen und räumlichen Rahmensetzung der politischen Bildung eine andere Abfolge von Prozessschritten als geeignet herausstellen.

Mit diesem Heft wollen wir eine Grundlage dafür schaffen, die empfundene Notwendigkeit politischer Bildung mit einer Ermutigung zum Tun zu flankieren. Es richtet sich gleichermaßen an Akteur_innen, die sich bestimmte Veranstaltungsformate nicht zutrauen, wie auch an jene, die auf der Suche nach neuen Inspirationen sind. Wir laden Kolleg_innen aus dem Feld der politischen Bildung dazu ein, sich den Herausforderungen politischer Bildung lustvoll zu stellen, ihre Zweifel zu hinterfragen und Neues auszuprobieren.

Vier zentralen Herausforderungen haben wir jeweils einen Text gewidmet. Als linke Bildner_innen fragen wir uns berechtigterweise danach, was ein linkes Verständnis von Bildung ausmacht und wie es sich von anderen Vorstellungen von politischer Bildung theoretisch und praktisch unterscheidet (Seite 6). Ein zweiter Text trägt die Bausteine zusammen, aus denen sich ein «guter» Bildungsprozess zusammensetzt (Seite 10). Der dritte Text nähert sich der Dialektik von Begriffspaaren wie Form und Inhalt oder Theorie und Praxis an und ergreift Partei für den Mut zur Unzulänglichkeit (Seite 14). Schließlich setzen wir uns in einem vierten Text mit der wachsenden Herausforderung auseinander, im Umgang mit heterogenen Zielgruppen in der Bildungsarbeit nicht nur kompetenter zu werden, sondern die Gestaltung von Heterogenität als gesellschaftliche Realität in politischer Bildung zu bearbeiten (Seite 18). Im zweiten Teil des Hefts spielen wir die Theorie gewissermaßen in der Praxis durch. Wir haben Kolleg_innen gebeten, ihre Erfahrungen in der Gestaltung von Lernprozessen zu typischen Lernzwecken aufzuschreiben.

Herausgekommen sind zehn exemplarische Prozessdesigns, die die einzelnen Bausteine in einer Art Best Practice arrangieren und  kommentieren. Wir wollen das als Ermutigung verstehen, als Aufforderung zum Ausprobieren, Ablehnen und Neuerfinden. Die zehn Prozessdesigns sind geronnenes Erfahrungswissen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger (Seiten 24 bis 53). Selbstverständlich erschöpft sich keine Veranstaltung in nur einem Zweck. Dafür sind jedem Prozessdesign eine längere und kürzere Variante einer konkreten Prozessplanung angehängt, mit der Idee, diese zu kombinieren.

Am Ende des Hefts haben wir Empfehlungen zum Weiterlesen zusammengetragen und kommentiert (Seite 54). Wer in diesem Heft aufgearbeitete Inhalte, standardisierte Methoden und fertige Rezepte erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Wer eine Anregung sucht, Inhalte in (Lern-)Prozesse zu übersetzen, wird fündig werden. Nicht zuletzt bringen wir mit diesem Heft unseren Wunsch zum Ausdruck, politische Bildung als den «Ort» zu verstehen, an dem sich Theorie, Praxis, Gesellschaft und Individuum treffen – und der zu Veränderungen ermutigt, die diese Welt und die Menschen in ihr brauchen.

Claudia de Coster, Ronald Höhner und Julia Lehnhof, Juni 2016