Publikation Gesellschaftliche Alternativen - Gesellschaftstheorie Segeln gegen den Wind

Moderner Sozialismus, radikale Realpolitik und Transformation

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Reihe

Buch/ Broschur

Autor

Michael Brie,

Erschienen

März 2014

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Aufsatzsammlung. Mit einer Einführung von Dieter Klein. Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung 2014, hrsg. von Dieter Klein, Cornelia Hildebrandt, Rainer Rilling, Mario Candeias, Michaela Klingberg.

Sozialistisches Eigentum als individuelles Eigentum auf solidarischen Produktionsgrundlagen – umfassende Demokratisierung – Persönlichkeitsentfaltung jeder und jedes einzelnen – individuelle Freiheit durch soziale Gleichheit der Teilhabe aller an den Grundgütern menschenwürdigen Lebens. Das sind Eckpfeiler des in den Arbeiten Michael Bries hervortretenden systemischen Denkgebäudes, dass seine Vorstellungen von einem demokratischen Sozialismus beschreibt.

Natürlich ist er sich dessen bewusst, dass sich die tatsächlichen Konturen eines sozialistischen Projekts erst in langen Lern- und Suchprozess abzeichnen werden. In seiner Schrift «Solidarische Gesellschaftsformation – Skizze über eine (noch) unmögliche Möglichkeit» problematisiert er ein Paradoxon emanzipatorischer Transformation: «Es muss etwas entstehen, was eigentlich nicht entstehen kann, weil jeder, der an einem System partizipiert, so handeln muss, dass er sich dabei im System erhält – es sei denn, er hätte eine Alternative. Da genau diese als Systemzusammenhang nicht greifbar ist, verbleiben alle innerhalb des gegebenen Systems oder sind gesellschaftlich bedeutungslos.» (Brie, 2010:15) Der gesellschaftlichen Linken fehlt also eine Erzählung von einem Gesellschaftsprojekt, die die einzelnen alternativen Teilprojekte zu einem Ganzen zusammenfasst und die Wünsche und Hoffnungen von Mehrheiten derart verdichtet, dass sie durch ein solches überzeugendes Gesellschaftsprojekt zur Selbstermächtigung mobilisiert werden. So dass im glücklichsten Fall bei Teilen der Öffentlichkeit eintritt, was Ernst Bloch – Thomas Carlyle zitierend – so formulierte: «Was der geistige Vorkämpfer sagt, waren alle Menschen schon nicht weit entfernt zu sagen, sehnten sich danach, es auszusprechen. Die Gedanken aller fahren wie aus einem schmerzlichen Zauberschlaf bei seinem Gedanken auf und erwidern ihn mit Zustimmung.»(Bloch, 1959:143)

Die in den hier zusammengeführten Arbeiten Michael Bries hervortretenden Eckpunkte oder Leitideen emanzipatorischer Transformation rechtfertigen nach Auffassung des Autors dieser Einführung die Ansicht, dass sich in diesen Publikationen – wie eben schon angedeutet – der logische Zusammenhang von Grundstrukturen eines emanzipatorischen Gesellschaftsprojekts abzeichnet. In den folgenden Passagen wird das noch schärfer hervortreten.

Den gerade beschriebenen Zusammenhang von individueller Freiheit, Solidarität und sozial gleicher Teilhabe an elementaren Lebensbedingungen, um dessen Realisierung es bei der Gestaltung der Eigentumsverhältnisse durch sozialistische Politik geht, hat Michael Brie auf den Begriff Freiheitsgüter gebracht. Diese umfassen Frieden und Gerechtigkeit, demokratische Partizipation, lebenswerte Umwelt, existenzsichernde und sinnvolle Arbeit, Bildung, Kultur und soziale Sicherheit. (Brie, 2003:120-129). Diese Begriffsbildung, in der eine starke systemische Denkleistung steckt, sollte entschieden mehr Würdigung und Wirkung durch Aufnahme in die linke Diskurs- und Sprachpolitik erfahren. Wenn beachtet wird, dass Entwicklung stets von Subjekten bewirkt wird, dass deren Handeln stark durch die Diskurse in der Gesellschaft und auch durch zentrale Begriffe in den Debatten bestimmt wird, kommt solchen Begriffen erhebliche Bedeutung in den Kämpfen um Hegemonie zu.