Publikation Staat / Demokratie - Parteien / Wahlanalysen - Demokratie kreuzweise Was treibt rechte Wahlerfolge?

«Globalisierungsangst oder Wertekonflikt?» Bemerkungen zur Bertelsmann-Studie

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Dezember 2016

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Ende November veröffentlichte die Bertelsmann-Stiftung die Studie »Globalisierungsangst oder Wertekonflikt? Wer in Europa populistische Parteien wählt und warum.« von Catherine de Vries und Isabell Hoffmann. Die Studie sollte untersuchen, »ob Ängste oder Werte die treibenden Kräfte« (S. 3) hinter dem Wandel der Parteienlandschaft in Europa und dem Aufstieg rechtspopulistischer Parteien seien. Die beiden in der öffentlichen wie wissenschaftlichen Debatte dominierenden Erklärungsmuster werden gegenübergestellt:

(a) der kulturelle Konflikt, Wertekonflikt, Kulturkampf, auch »culture wars« genannt, wonach der Aufstieg der Rechtspopulisten in Europa oder von Trump in den USA vor allem als ein »kulturellen Backlash« gegen die (vermeintliche) Dominanz linksliberaler, kosmopolitischer Werte zu erklären sei: »Im Traditionalismus – oder dem, was Politikpsychologen als Autoritarismus bezeichnen – findet der Wunsch der Menschen nach Ordnung und Stabilität angesichts Flexibilität und Wandel seinen Ausdruck.« (S. 8)

(b) der soziale Konflikt, der in diesem Zusammenhang als ein Verteilungskonflikt um Globalisierungsgewinne und –verluste verstanden wird, als Konflikt zwischen Gewinnern und Verlierern, zwischen Bedrohung und Chance: »Die Menschen haben das Gefühl, von der Globalisierung zurückgelassen worden zu sein und von politischen Eliten nicht mehr beachtet zu werden.« Die Globalisierung stelle »insofern ein Trilemma dar, als Gesellschaften nicht gleichzeitig global integriert, vollständig souverän und demokratisch sein können«, die »besonders gefährdeten Gruppen« würden »einen gerechten Anteil am Wohlstand und an Arbeitsplätzen verlangen«, es komme zu »Revolten der Zurückgelassenen«.

Das Ergebnis der Studie stehe »im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, für die in Studien ein starker Zusammenhang zwischen der traditionellen autoritären Weltanschauung und der Unterstützung der Tea Party oder den frisch gewählten republikanischen Präsidenten Donald Trump nachgewiesen werden konnte«. In Europa seien »Wertvorstellungen für das Verständnis, warum sich Menschen populistischen Parteien zuwenden, nicht von entscheidender Bedeutung« (S. 29). Die repräsentative Befragung in 28 EU-Staaten zeige, »dass es vor allem Globalisierungsängste sind, die manche dazu treiben, sich vom politischen Mainstream ab und populistischen Parteien zuzuwenden. Werte spielen dabei eine untergeordnete Rolle. (....) Je niedriger das Bildungsniveau, je geringer das Einkommen und je älter die Menschen sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie die Globalisierung als Bedrohung wahrnehmen. Außerdem werden diejenigen, die sich populistischen Parteien verbunden fühlen, in erster Linie von Globalisierungsängsten geleitet.« (S. 3) Darin stecke durchaus ein »Hoffnungsschimmer für die Politik, denn Angst lässt sich leichter auflösen als fest zementierte Werte«.

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