Aktuelle Nachrichten https://www.rosalux.de/ Hier finden Sie unsere aktuellen Nachrichten. de Copyright Mon, 19 Feb 2018 17:10:04 +0100 Mon, 19 Feb 2018 17:10:04 +0100 TYPO3 Aktuelle Nachrichten https://www.rosalux.de/fileadmin/sys/resources/images/dist/logos/logo_rss.jpg https://www.rosalux.de/ 144 109 Hier finden Sie unsere aktuellen Nachrichten. news-38370 Thu, 15 Mar 2018 14:03:00 +0100 Mit Marx den Rechtsruck verstehen https://www.rosalux.de/news/id/38370/ Karl Dietz Verlag und Rosa-Luxemburg-Stiftung auf der «Bühne» der linken Verlage in Leipzig Neue Bücher über den «Bonapartismus», Paul Levi und ein nagelneuer blauer Band der Marx-Engels-Werke

Der März steht in Leipzig im Zeichen des Lesens. Und wie jedes Jahr präsentieren linke Verlage ihre wichtigsten Neuerscheinungen auf der gemeinsamen Leseinsel «Die Bühne». Mit vier Vorstellungen auf der Bühne und einer im Sachbuchforum sind auch der Karl Dietz Verlag und die Rosa-Luxemburg-Stiftung wieder dabei: in Halle 5, Stand E 402. 

Am Donnerstag, den 15. März, 17.00 Uhr, stellt Torge Löding, Lateinamerika-Referent der Rosa-Luxemburg-Stiftung, einen von der Rosa-Luxemburg-Stiftung geförderten Fotoband «Ricardo Ramírez: Der Kreis. Aufzeichnungen der Migration» vor. Der Band zeigt zentralamerikanische Migranten auf ihrem Weg in die USA. Eindrückliche Schwarz-Weiß-Fotografien geben Zeugnis von dem Mut und der Verzweiflung dieser Schicksalsgemeinschaft, zeigen die Allgegenwärtigkeit von Armut und Gewalt.

Am Freitag, den 16. März, 11.30 Uhr, präsentiert Jörn Schütrumpf den neuen Band mit Schriften, Reden und Briefen von Paul Levi: «Geistig frei und niemandes Knecht». Levi, nach der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg an der Spitze der neu gegründeten KPD, versuchte revolutionäre Realpolitik durchzusetzen, geriet jedoch ständig in Konflikt mit jenen Kräften in der Partei, die durch radikale Phrasen den Mühen der Politik zu entgehen suchten.

Am Samstag, den 17. März, 11.30 Uhr, wird Frank Deppe den brandaktuellen Sammelband «Die neuen Bonapartisten» vorstellen. Nach dem Brexit, dem Sieg Trumps in den USA und den Wahlerfolgen rechter Parteien wird allerorten nach Erklärungen gesucht. Kann man den Rechtsruck auch mit Marx verstehen? Dieser Frage geht der emeritierte Marburger Politikwissenschaftler Frank Deppe nach.

Am Sonntag, den 18. März, 13.30 Uhr, stellt der Herausgeber Philippe Kellermann den Sammelband «Anarchismus und Russische Revolution» vor. Anarchisten übten früh Kritik am Kurs der Bolschewiki, waren von der Umwälzung ab 1917 aber zugleich auch fasziniert. Welche Rolle die anarchistische Bewegung während der russischen Revolution spielte, darüber wird Philippe Kellermann sprechen.

Das spricht blaue Bände!

Außerhalb des Bühne-Programms:

Am Freitag, den 16. März 2018,  13.30 Uhr, sprechen Dagmar Enkelmann, Mathias Greffrath, Ingo Stützle und Jörn Schütrumpf über die Marx-Engels-Werke (MEW), genauer: darüber, dass jetzt erst, nach fast drei Jahrzehnten, eine weitere Ausgabe der berühmtberüchtigten blauen Bände erschienen ist - die MEW 44. Wieso das so lange gedauert hat, welche Manuskripte darin abgedruckt sind und was wir dabei von Marx lernen können, das soll Thema dieser kurzen Diskussionsrunde auf der Buchmesse sein (Halle 5, Stand C200, im Sachbuchforum).

Am gleichen Abend vertiefen Rolf Hecker und Manfred Neuhaus, beide langjährige Experten der Marx-Engels-Editionen, diese Debatte in der Landesstiftung der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Harkortstraße 10, in 04107 Leipzig (18.30 Uhr).

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news-38437 Fri, 16 Feb 2018 14:51:20 +0100 Begrenzte Offensive, erhebliche Verluste https://www.rosalux.de/news/id/38437/ Militärische Aspekte des türkischen Angriffs auf Afrin Schon seit Jahren wurde über einen Großangriff der Türkei und verbündeter Kräfte gegen die kurdischen Selbstverwaltungsstrukturen in Nordsyrien spekuliert. Dafür sprachen die wiederholten Ankündigungen der türkischen Regierung, dagegen die Schwächung der Türkischen Streitkräfte durch die zurückliegenden Säuberungskampagnen. Diese Kampagnen laufen nicht erst seit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016, sondern schon weitaus länger und haben zur Entlassung oder Verhaftung eines Großteils des militärischen Fach- und Spitzenpersonals geführt. Die erheblichen Schwierigkeiten bei ihrer letzten Offensive gegen einen bereits geschlagenen IS in Syrien verstärkten diese Zweifel. Dennoch: Seit dem 14. Januar 2018 wird die kurdische Enklave Afrin von drei Seiten angegriffen.

Die Zahlen der eingesetzten Truppen variieren je nach Quelle zwischen 6.400 Soldaten der Türkischen Streitkräfte und etwa 10.000  Kämpfer*innen der Freien Syrien Armee (FSA). Anders als ihr Name nahelegt, ist die FSA ein Konglomerat verschiedener islamistischer und dschihadistischer Milizen, die direkt von Ankara bezahlt werden. Seitens der Türkei wurden neben Infanteristen, schwere Waffensysteme, wie Artillerie und Panzer sowie Flugzeuge und Kampfhubschrauber eingesetzt. Theoretisch kann bei einem Einsatz von Drohnenaufklärung jeder Punkt Afrins unter präzises Artilleriefeuer genommen werden. Die Zahl der kurdischen Verteidiger*innen ist schwierig zu bestimmen, dürfte jedoch höher als die vielfach angegebenen 8.000-10.000 Kämpfer*innen liegen, weil die Mobilisierung für den Verteidigungskrieg noch anläuft.

Beschränkte militärische Fähigkeiten der Türkei

Der Angriff auf Afrin erfolgt bislang an nur wenigen Punkten, die nicht nur vom Gelände sondern auch von den schwer passierbaren türkischen Grenzsicherungsanlagen vorgegeben werden, womit mit den Offensivaktionen an vielen Stellen das Überraschungsmoment fehlt. Angriffe mit gepanzerten Fahrzeugen konnten die kurdischen Verteidiger*innen auch dank panzerbrechender Waffen bislang effektiv abwehren. Fabrikate russischen Ursprungs sind scheinbar so reichlich verfügbar, dass sie gar gegen ungepanzerte Fahrzeuge eingesetzt werden. Dies deutet auf intakte Nachschubwege in das von der syrischen  Regierung dominierte Aleppo hin. So konnte die Koalition aus Türkischen Streitkräften und FSA bislang nur wenige grenznahe Dörfer und taktisch bedeutsame Hügel in verlustreichen Kämpfen erobern.

Kurdische und türkische Angaben über die Opfer des Krieges variieren deutlich. Die syrische Beobachtungstelle für Menschenrechte spricht mit Stand vom 12. Februar von 29 getöteten türkischen Soldaten und 173 toten FSA-Kämpfern. Auf Seiten der Verteidiger*innen sollen 159 Kämpfer*innen und 74 Zivilist*innen getötet worden sein – letzteres erscheint indessen als sehr niedrig angesetzt – das Informationsprojekt SyrianCivilWarMap nennt zum Beispiel 191 tote Zivilist*innen.

Die geringen Erfolge sowie die hohen Verluste, ohne auch nur den grenznahen Raum verlassen zu haben, bestätigt Zweifel an den realen Fähigkeiten der Türkei ihre großen Kapazitäten einzusetzen. Sie bliebt unter ihren technischen Möglichkeiten. Dies deutet auf erhebliche Koordinierungsdefizite im Militär hin. Und entgegen ihrer Ankündigung, stellt die Offensive keinen umfassenden Großangriff dar.

Offensive gegen zivile Ziele und lebensnotwenige Infrastruktur

Allerdings fällt die exhibitionistisch zur Schau gestellte Brutalität der Angreifer auf. Die Bilder reichen von Folterungen von Zivilisten bis zu Vergewaltigungen und Verstümmelungen gefangener Kämpferinnen sowie der gezielten Zerstörung von Kulturgütern. Bereits in den ersten Tagen der Offensive tauchten Berichte über Angriffe auf zivile Ziele und Infrastruktur auf. So sollen sich Staudämme in Folge von Luftangriffen in einem kritischen Zustand befinden. Ferner gibt es Angriffe auf medizinische Einrichtungen und einzelne Dörfer sollen durch Luftangriffe nicht nur beschädigt, sondern komplett vernichtet worden sein. Mangelnde Fähigkeiten am Boden konnte die Türkei zumindest teilweise durch eine brutal geführte Luftkampagne ausgleichen. Nach türkischen Angaben wurden in den ersten Tagen des Angriffs ein Viertel(!) aller türkischen Kampfflugzeuge eingesetzt. Hinzu kommen die deutlich ausgeweiteten Raketen- und Artillerieangriffe, die inzwischen auch das Zentrum von Afrin Stadt erreichen. Diese Angriffe haben das Potential, eine größere humanitäre Krise zu verursachen, die das Widerstandspotential der Verteidiger*innen mittelfristig erheblich schwächen und damit eine militärische Wende auf dem Boden herbeiführen könnte. Ein der türkischen Regierung zuarbeitender Think Tank (EDAM) nennt diese Option inzwischen ganz offen «Belagerungskrieg». Er sieht darin eine Alternative zu Häuserkämpfen, die für die Türkischen Streitkräfte verlustreich wären. Wider besseren Wissens, behauptet EDAM, dass diese Form der Kriegführung legal sei und sorgt sich zugleich um das mögliche internationale Medienecho. Allerdings motivieren gerade diese Brutalität und die berechtigte Sorge vor türkischen Massakern, die Bevölkerung zum Widerstand.

Sperrung des Luftraums über Afrin?

Die Türkischen Streitkräfte hatten ihre Offensive im Januar begonnen, nachdem sie wussten, dass der Luftraum über Afrin weder von der syrischen Regierung noch von Russland verteidigt werden würde. Doch der türkisch-russische Konflikt um die Provinz Idlib wirkt sich inzwischen erheblich auf die Afrin-Offensive aus: Während Russland und die syrischen Regierungstruppen versuchen, die westsyrische Provinz in einer brutalen Kampagne zurück zu erobern, unterstützt die Türkei dort dschihadistische Rebellengruppen, wie Hayʼat Tahrir al-Sham. Nach dem Abschuss eines russischen Jets am vierten Februar durch diese Gruppe, wurden bis zum achten Februar keine türkischen Luftangriffe auf Afrin mehr geflogen. Nach Konsultationen zwischen der türkischen und der russischen Regierung sind die Luftangriffe jedoch wieder aufgenommen worden. Vermutlich hatte die Türkei Russland ein Entgegenkommen in der Idlib-Frage zugesichert. Die vielfach vertretene These, dass die Aufhebung der Luftraumsperrung über Afrin in Zusammenhang mit einem US-Luftangriff auf Regime-nahe Kräfte am Euphrat südöstlich von Deir ez-Zor stehe, unterschlägt die Tatsache, dass sowohl Russland als auch die USA versuchen, den Vorfall herunter zu spielen. Beide Seiten haben Syrien de facto in Einflusszonen aufgeteilt. Östlich des Euphrat liegt die US-amerikanische-, westlich die russische Zone. Der türkische Angriff auf Afrin steht also in einem deutlichen  Zusammenhang zu den Ereignissen in Idlib. Im Falle erneuter Interessenskonflikte zwischen der Türkei und Russland ist wieder mit einer Sperrung des Luftraumes über Afrin zu rechnen.

 

Axel Gehring, Marburg, arbeitet zur Hegemonie, Staatstheorie, Politischen Ökonomie, Europäischen Integration, Geschichte und Gegenwart der Türkei sowie ihrer Regionalpolitik. Seine Dissertation «Wider den Staatsmythos – Europäisierte Regulation der Türkei» erscheint in 2018.

 

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news-38421 Tue, 13 Feb 2018 12:26:25 +0100 Kein Spaß: Deniz Yücel ist seit einem Jahr inhaftiert https://www.rosalux.de/news/id/38421/ Bis heute gibt es keine Anklageschrift in dem «Geheimverfahren». Vor einem Jahr, am 14. Februar 2017, stellte sich der Türkei-Korrespondent der Tageszeitung «DIE WELT», Deniz Yücel der Polizei in Istanbul, nachdem er von Ermittlungen gegen ihn erfahren hatte. Zuvor hatte Yücel, wie einige weitere Journalist*innen auch, über eine Affäre um Berat Albayrak, dem Energieminister und Schwiegersohn des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, berichtet. Die meisten der betreffenden Reporter*innen wurden daraufhin festgenommen und inhaftiert. Nach zwei Wochen in Polizeigewahrsam beantragte der Haftrichter Untersuchungshaft für Deniz Yücel. Seit dem ersten März 2017 ist Yücel im Gefängnis Silivri in der Nähe von Istanbul inhaftiert.

Silivri ist inzwischen eines der bekanntesten Haftanstalten der Türkei, weil dort hunderte Journalist*nnen, Intellektuelle und Oppositionelle einsitzen, häufig seit Monaten und ohne Anklage. Anders jedoch als viele Mitgefangene befand sich Deniz Yücel von März 2017 bis Dezember 2017 in verschärfter Einzelhaft, also in Isolationshaft. In diesen neun Monaten hatte er nahezu keinen Kontakt zu anderen Gefangenen. Seit Dezember 2017 kann er nun über einen gemeinsamen kleinen Hof mit dem Journalisten Oğuz Usluer von der Tageszeitung «Habertürk» sprechen.

Einzelhaft bedeutet für Deniz Yücel konkret, dass er auch zu Menschen außerhalb des Gefängnisses nur sehr spärlich Kontakt haben darf. Ausnahmen sind Anwalts- und Arztbesuche sowie die wöchentlichen Treffen mit seiner Frau Dilek. Aus der Forschung zur Isolationshaft ist bekannt, dass diese «solitary confinement» sehr oft zu psychischen und physischen Dysfunktionen führen kann. So verlieren etwa die Augen häufig die Fähigkeit nah und weit zu fokussieren, weil sie nichts sehen, was in der Ferne liegen würde. Weder Vögel im Himmel noch weit entfernte Bäume.

Obwohl Deniz Yücel seit einem Jahr inhaftiert ist, hat die Staatsanwaltschaft bis heute keine Anklageschrift präsentiert. Weil das Verfahren von der türkischen Justiz als «Geheimverfahren» eingeordnet wird, erhalten auch Yücels Anwälte keinen Einblick in die Ermittlungsunterlagen. So wissen weder sie noch Yücel selbst, was ihm genau vorgeworfen wird.

Gegen diese Art der verlängerten Untersuchungshaft, die man auch als «Strafe vor der Strafe» bezeichnen könnte, sowie gegen die Isolationshaft im Besonderen, haben die Anwälte von Deniz im Frühjahr 2017 beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg Beschwerde eingelegt. Darin ging es auch darum, dass die genauen Vorwürfe, mit denen die Inhaftierung gerechtfertigt wird, nicht bekannt seien. In der Reaktion der türkischen Regierung am 28. November 2017 werden jedoch nur die gleichen Anschuldigungen wiederholt, die der Haftrichter im Februar 2017 zum Anlass nahm, die Untersuchungshaft zu beantragen.

Die türkische Regierung wirft Deniz Yücel «Terrorpropaganda» und «Volksverhetzung» vor. Die «Beweise» für diese Vorwürfe sind aber lediglich zwei journalistische Texte, die Deniz Yücel für DIE WELT verfasste: Zum einen geht es um ein Interview, das Yücel 2015 mit Cemil Bayık, einer leitenden Figur der kurdischen Arbeiterpartei PKK führte. Der zweite Vorwurf der «Volksverhetzung» ist fast noch absurder, weil es um einen Text um den Nordirak geht, in dem Yücel den folgenden, in der Türkei allseits bekannten kurdischen Witz zitierte:

Ein Türke und ein Kurde werden zum Tode verurteilt. ‹Was ist dein letzter Wunsch?›, wird der Kurde vor Vollstreckung gefragt. Er überlegt kurz und sagt dann: ‹Ich liebe meine Mutter sehr. Bevor ich aus dieser Welt scheide, möchte ich noch einmal meine Mutter sehen.› Dann darf der Türke seinen letzten Wunsch äußern. Ohne zu zögern antwortet er: ‹Der Kurde soll seine Mutter nicht sehen.›

Mit der Freilassung des Menschenrechtlers Peter Steudtner am 26. Oktober 2017 und der Journalistin Meşale Tolu am 18. Dezember 2017 wuchsen zunächst die Hoffnungen, dass die selbst nach türkischem Recht rechtswidrige Inhaftierung von Deniz Yücel auch bald ein Ende haben würde. So gibt es keine komplizierten Ermittlungen oder Vertuschungsgefahr, denn die «Beweise» in Form von Zeitungsbeiträgen liegen auf dem Tisch. Diese Hoffnungen zerschlugen sich jedoch rasch. So war bereits die Freilassung von Tolu davon überschattet, dass die Journalistin nach der eigentlichen Freilassung von Polizisten über mehrere Stunden festgehalten wurde. In zwei anderen Fällen, die des Publizisten Mehmet Altan und des Journalisten Şahin Alpay hatte das türkische Verfassungsgericht im Januar die Freilassung bis zum Prozess angeordnet und die Untersuchungshaft für rechtswidrig erklärt. Das untergeordnete Strafgericht in Istanbul revidierte die Entscheidung des Verfassungsgerichtes und die beiden blieben in Haft. Ähnlich erging es Ende Januar dem Präsidenten der türkischen Sektion von Amnesty International, Taner Kilic. Diese bizarren Vorgänge deuten indessen auf schwerwiegende Konflikte innerhalb der türkischen Justiz hin.

Jetzt, ein Jahr nach der Festnahme von Deniz Yücel, hat sich die allgemeine politische Lage in der Türkei weiter verfinstert. Das autokratische Präsidialsystem wurde inzwischen per Referendum abgesegnet und die Zahl der Inhaftierten steigt von Tag zu Tag. Seit dem Beginn der türkischen Offensive gegen Afrin in Nordsyrien am 20. Januar 2018 wurden mehr als 600 Menschen allein wegen kritischen Äußerungen in den sozialen Medien festgenommen. Andere Festnahmewellen gegen vermeintliche Gülen-Anhänger oder Sympathisant*innen der linken Oppositionspartei HDP gehen ebenso weiter.

Dennoch kämpfen die Angehörigen, Freund*innen und Kolleg*innen von Deniz Yücel mit beeindruckender Hartnäckigkeit und großer Unterstützung seitens vieler tausend Menschen in Deutschland und der Türkei weiter für seine Freilassung und die der weiteren 150 inhaftierten Journalist*innen.

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news-38417 Fri, 09 Feb 2018 11:07:11 +0100 Trump und Macron: derselbe Kampf https://www.zeitschrift-luxemburg.de/trump-und-macron-derselbe-kampf/ Thomas Piketty über die Gemeinsamkeiten der scheinbar so unterschiedlichen Politiker news-38405 Thu, 08 Feb 2018 13:28:05 +0100 Hegemonie in der Krise https://www.zeitschrift-luxemburg.de/hegemonie-in-der-krise-weshalb-trump-das-machtvakuum-nicht-fuellt-und-was-das-fuer-gegenhegemoniale-projekte-bedeuten-koennte/ Weshalb Trump das Machtvakuum nicht füllt und was das für gegenhegemoniale Projekte bedeuten könnte. news-38404 Thu, 08 Feb 2018 13:19:12 +0100 Ein marginales Zentrum https://www.zeitschrift-luxemburg.de/ein-marginales-zentrum-geschlechterverhaeltnisse-sind-produktionsverhaeltnisse/ Frigga Haug: Geschlechterverhältnisse sind Produktionsverhältnisse news-38403 Thu, 08 Feb 2018 11:49:46 +0100 Radikale Linke auf Rekordniveau https://www.rosalux.de/news/id/38403/ Eine rückblickende Bewertung der Parlamentswahlen 2017 in Westeuropa von Nico Biver Für die westeuropäische radikale Linke endete das Wahljahr 2017 mit einer insgesamt positiven Bilanz. Geringen Verlusten in den Niederlanden und Österreich standen mäßige (Island, Deutschland) bis kräftige Gewinne (Frankreich, Norwegen) gegenüber. In Großbritannien schnitten die kleinen Parteien der radikalen Linken zwar noch schlechter ab als sonst, aber dies war auch dem Linksruck in der Labour Party unter Jeremy Corbyn geschuldet, der die meisten Gruppen veranlasste, auf eine Kandidatur zu verzichten. An den Parlamentswahlen in Malta und Liechtenstein nahmen keine radikalen linken Parteien teil.
 

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news-38398 Wed, 07 Feb 2018 15:00:57 +0100 Solidarität aus aller Welt mit Vietnam https://www.rosalux.de/news/id/38398/ Ausstellung «50 Jahre Tet-Offensive – 50 Jahre 1968» eröffnet Menschen in Ost und West, in Nord und Süd, überall auf der Welt,  protestieren gemeinsam gegen einen einzigen Krieg. Heute ist das schwer vorstellbar, vor einem halben Jahrhundert aber war so ein umfassender Widerstand Realität. Das zeigt die am Mittwoch (31.01.2018) eröffnete Ausstellung der Rosa-Luxemburg-Stiftung unter dem Titel "50 Jahre Tet-Offensive – 50 Jahre 1968", die noch bis Ende Februar im Foyer des Stiftungssitzes zu sehen ist.

Präsentiert werden mehr als 20 historische Plakate aus 16 Ländern. Die Zeichen der Solidarität stammen unter anderem von Arbeitern aus Großbritannien, vom "Three-Continent Mobilization Commitee in Cuba" oder vom "American Students Action Commitee". Besonders wertvoll ist eine handgenähte rote Fahne der "Eisenbahner des Reichsbahnamts Berlin 4", die das "heldenhafte Volk" in Vietnam mit der Flagge grüßen wollten, wie auf dem Stoff geschrieben steht.

Anlass für die Ausstellung ist die exakt vor 50 Jahren, am 31. Januar 1968, begonnene Tet-Offensive der Volksarmee Vietnams gegen die USA und ihre südvietnamesischen Verbündeten, sagte Boris Kanzleiter, Direktor des Zentrums für Internationalen Dialog (ZID) der Stiftung, zur Eröffnung. Auch wenn die Offensive, bei der von vietnamesischer Seite nach heutigem Wissen 80.000 Kämpfer eingesetzt wurden, nach Anfangserfolgen einen Rückschlag erlitt, so wurde die militärische Aktion dennoch auf längere Sicht zum "Wendepunkt" des Krieges.

Ein Grund dafür war, dass die militärische Aktion damals auch neue Impulse für die internationale Solidarität lieferte und für eine Dynamisierung der Proteste sorgte, erklärte Kanzleiter. So fand im damaligen West-Berlin am 17. und 18. Februar 1968 an der TU die inzwischen berühmte "Vietnamkonferenz" statt. Der Protest gegen den Vietnamkrieg und die, wie es damals hieß, "imperialistische Kriegsführung der Vereinigten Staaten" wurde sogar zu einem "verbindenden Band der Studentenbewegung weltweit", betonte der ZID-Leiter.

Er erinnerte auch daran, dass der Vietnamkrieg in der DDR ebenfalls zu einem wichtigen Thema wurde. Im Osten Deutschlands hatte sich bereits 1965 der so genannte Vietnam-Ausschuss gegründet. Dessen Arbeit war, wie Zeitzeugen später schilderten, viel mehr als "verordnete Solidarität von oben", betonte Kanzleiter. Der Vietnamkrieg habe viele Menschen, die sonst nicht politisch aktiv waren, wirklich interessiert und die Menschen im Osten und im Westen Deutschlands gleichermaßen mobilisiert. Kanzleiter fragte bei der Vernissage auch danach, was die gezeigten Stücke für heutige Konflikte bedeuteten, wenn man sich zum Beispiel die anhaltenden Kämpfe im Norden Syriens vergegenwärtige. Auch wenn hier weltpolitische Konstellationen eine Rolle spielten und bewaffnete Kämpfe viele Ausprägungen haben, sei es auch eine Frage an die Linke, wie sie sich zu diesen Befreiungsbewegungen stellt.

Die Plakate der Ausstellung, allesamt Originale, stammen aus dem Nationalen Geschichtsmuseum Vietnams ("National Museum of History of the Socialist Republic of Vietnam"). 2015 waren die jetzt in Berlin ausgestellten Stücke in einer Ausstellung des Nationalmuseums unter dem Titel "The world support for the Anti-American Resistance War of Vietnam’s people" zu sehen.

Auf diese "wundervolle Sammlung" stieß Liliane Danso-Dahmen, die Büroleiterin der Rosa-Luxemburg-Stiftung Südostasien in Hanoi, während der Feiern zum 40. Jahrestag der Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam, wie sie selbst bei der Eröffnung berichtete. Das Nationalmuseum ist dabei nicht nur im Besitz von Bildern, Plakaten und Fahnen, sondern auch von Tassen, Stiften und andere Gegenständen. Menschen aus aller Welt hatten diese hergestellt, um ihre Solidarität mit dem vietnamesischen Volk zu bekunden.

Nach Vietnam waren diese Gegenstände in der Kriegszeit meist durch Besuche ausländischer Delegationen gelangt und vietnamesischen Organisationen übergeben worden. Diese wiederum  stellten die Gaben dem Museum der Vietnamesischen Revolution zur Verfügung, wie Danso-Dahmen schilderte, und auf diesem Wege gelangten sie schließlich in den Besitz des Nationalen Historischen Museums Vietnams. Details, die über die in der Ausstellung  Mitgeteilten hinausgehen, sind über die Exponate übrigens nicht bekannt, auch dem Historischen Museum nicht, denn es war Krieg und dann Wiederaufbau und die Menschen hatten keine Zeit und Kapazitäten für eine wissenschaftliche Dokumentation, erläuterte Danso-Dahmen.

Für die Menschen in Vietnam hatten die Plakate und anderen Gegenstände damals einen hohen Wert, zeigten diese doch auf berührende Weise, dass auf der ganzen Welt an die Kriegsleiden in Vietnam gedacht und Solidarität organisiert haben, hob Liliane Danso-Dahmen den Wert der Exponate hervor. Sie habe oft von Partner_innen in Vietnam gehört, dass diese Zeichen den Vietnamesen viel Kraft in ihrer Auseinandersetzung mit dem übermächtigen Feind verliehen haben.



Am 17. Februar 2018 findet im Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Veranstaltung im Begleitprogramm der Ausstellung statt:  "50 Jahre nach 1968 - Was bedeutet Internationalismus heute?" mit dem ehemaligen SDS-Vorsitzenden Karl-Dietrich Wolff und Boris Kanzleiter.

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news-38379 Mon, 05 Feb 2018 14:37:06 +0100 Angriffskrieg auf Afrin: https://www.rosalux.de/news/id/38379/ Nationalistischer Taumel und wachsende Repression in der Türkei

Seit dem 20. Januar führen die türkischen Streitkräfte zusammen mit dschihadistischen Söldnern einen offenen Krieg gegen Afrin. Aus Angst vor Repression, aber auch aufgrund einer nationalistischen Mobilisierung rührt sich in der Türkei bisher nur wenig Protest dagegen.

Die landesweiten Rekrutierungsbüros der türkischen Armee sind in der letzten Woche gut gefüllt. Da ist zum Beispiel Suşehri, eine Kleinstadt mit 15.000 Einwohnern, zwischen Sivas und Erzincan im Nordosten des Landes gelegen. 150 Menschen sollen sich laut Medienberichten alleine dort für den Einsatz gegen die «Terroristen» in Afrin gemeldet haben, landesweit sollen es Tausende sein.

Der örtliche Vorsitzende der Partei der Grauen Wölfe, MHP, der per Autokorso die Kriegsfreiwilligen in der Stadt zusammentrommelte, wird mit folgenden Worten zitiert: «Die Terroristen suchen ein Loch, einen Platz, um vor den türkischen Soldaten abzuhauen. Denn diese Armee ist die Armee der Türken. Sie ist die Armee der Anhänger Mohammeds».

Ein Blick nach Istanbul. Die drei großen Fußballvereine, Fenerbahce, Galatasaray und Beşiktaş, twittern Lobeshymnen an «ihre» Soldaten: «Wir sind an der Seite unserer türkischen Streitkräfte», «unsere Herzen und Gebete sind mit ihnen». In der Landeshauptstadt Ankara bieten Industrielle ihren Arbeitern Urlaub an, damit diese an den Kämpfen teilnehmen können. Und die Journalistin Halime Gürbüz schreibt in einem offenen Brief: «Ich möchte an der Operation Olivenzweig gegen die Terrororganisation teilnehmen. Ich spreche Fremdsprachen, habe IT-Kenntnisse und Erfahrung im Umgang mit Waffen. Außerdem schreibe ich Kommentare für eine nationale Zeitung».
 

«Diese Granate ist für Afrin»

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news-38360 Tue, 30 Jan 2018 15:40:59 +0100 Marx 200: Veranstaltungskalender https://www.rosalux.de/veranstaltungen/marx-200/kalender/ Alle Veranstaltungen der Rosa-Luxemburg-Stiftung zum Marx-Jubiläumsjahr