Bericht über die Montevideo-Reise

Bericht über die Reise nach Montevideo/Uruguay zur Vorbereitung eines Jugendbildungsprojektes „Internationales Jugendnetz für eine alternative politische Kultur“ vom 07.11.05-14.11.05


Kernpunkt der Reise war der zweitätige Workshop in der Casa Bertold Brecht, auf die sich die Ergebnisse dieses Berichtes konzentrieren. Weitere Programmpunkte und Anmerkungen finden sich am Ende des Berichtes.

TEILNEHMERiNNEN am WORKSHOP

  • Gert Peuckert, Instituto Rosa Luxemburgo Sao Paulo
  • Ana Saggioro García,  Instituto Rosa Luxemburgo Sao Paulo
  • Susanne Spindler, Fundación Rosa Luxemburgo, Colonia
  • Uwe Flurschütz, BiKo, Erfurt
  • Orlando Junior, FASE, Río de Janeiro
  • Nicolas Piriz, FUCVAM, Montevideo
  • Javier Taks, Casa Bertolt Brecht, Montevideo
  • Rosana Abella, Casa Bertolt Brecht, Montevideo (Ayudante Facilitación)
  • Stefan Thimmel, Casa Bertolt Brecht/Consultant
  • Berlin/Montevideo (Facilitador)
  • Robert Große, Casa Bertolt Brecht, Montevideo
  • Beat Schmid, Casa Bertolt Brecht (Directiva) , Montevideo
  • Karl Huebener, Casa Bertolt Brecht (Directiva) , Montevideo  

PROJEKTRAHMEN

Der erste Tag des Workshops bestand zunächst im Kennenlernen der TeilnehmerInnen des Workshops.
Gert Peuckert stellte dann einige Eckpunkte dar:
Das Projekt hat für die Stiftung einen innovativen Charakter. Seine politische Bedeutung liegt vor allem darin, dass es sich inhaltlich in der Linie der bisherigen Arbeit der Stiftung befindet, und dabei gezielt versucht, Jugendliche in die internationale Arbeit einzubeziehen. Dies bedeutet eine Herausforderung an die Projektmethodologie, denn hier werden neue Methoden erprobt und dabei neue Erfahrungen für die internationale Arbeit insgesamt sowie speziell mit Jugendlichen gesammelt. Das Projekt hat einen starken Bezug zu den Sozialforumsprozessen, es ist Basisarbeit mit einem experimentellen und innovativen Charakter. Die TeilnehmerInnen haben Raum, politische Visionen zu entwickeln, Netzwerke entstehen und das Arbeiten in Netzwerken kann erprobt werden. Der Austausch der Jugendlichen findet in verschiedenen Räumen statt, dazu gehört der virtuelle Raum, der Austausch auf nationalem und auf internationalem Niveau.
Innerhalb von drei bis vier Jahren kann das Projekt immer mehr durch die Jugendlichen selbst gesteuert werden, so dass es auf einen längeren Zeitraum angelegt ist, der immer weniger der Unterstützung der Stiftung bedarf. Es könne auch insofern als ein Pilotprojekt dienen, dass die Erfahrungen dieser Arbeit an andere Auslandsbüros weitergegeben und mit anderen Auslandsprojekten gekoppelt werden können. Drei Hauptphasen können ausgemacht werden: 1. In der Initialphase ist das Projekt so angelegt, dass mit festen Gruppen gearbeitet wird. 2. In der zweiten Phase geht es darum, die Bandbreite der TeilnehmerInnen und der Themen zu erweitern, sowohl regional auf den Süden bezogen, als auch international. 3. In der Folge bekommt das Projekt zunehmend einen größeren Netzwerkcharakter und geht immer mehr in die Hände der TeilnehmerInnen über. Die Rolle der Stiftung liegt vor allem darin, ein Basisprojekt zu ermöglichen, bei dem die Jugendlichen einen großen Gestaltungsspielraum haben, dabei aber begleitet werden. Die Gruppen sollen den Rhythmus des Projektes vorgeben. Die RLS gibt finanzielle Unterstützung.


MÖGLICHE PROJEKTTEILNEHMERINNEN

Im weiteren Verlauf stellten die WorkshopteilnehmerInnen mögliche Gruppen und InteressentInnen für das Projekt vor. Die Zugänge zu den jugendlichen Gruppen sind unterschiedlich: Teilweise gibt es eine direkte Zusammenarbeit wie im Falle von Orlando und FASE, der konkrete Vorschläge zweier Jugendgruppen von FASE überbrachte; es gab Kontakte durch die Stiftung wie im Falle von Susanne und Uwe mit den HipHop Partisanen; FUCVAM war als möglicher Projektpartner mit einer Person aus dem Jugenddepartment selbst vertreten. FASE/ Brasilien
„Casa de Cultura“ in Sao Joao de Meriti, einem Stadtteil von Rio de Janeiro In diesem Haus/Projekt in einem peripheren Stadtteil von Rio arbeitet FASE mit Jugendlichen an unterschiedlichen, jeweils aktuellen Problemen und Themen. Als Ausdrucksformen und Medien werden vor allem Theater, Musik und ein Radiosender genutzt. Außerdem wird ein „tele centro“ - ein Internetcafe - angeboten. Ein wichtiges und immer wiederkehrendes Thema ist die Aufklärung über HIV/AIDS. „Sector BF“ in De Mesquita, ebenfalls einem Stadtteil von Rio de Janeiro Dabei handelt es sich um ein HipHop-Projekt, in dem sich Jugendliche zusammengeschlossen haben, die sich als Medium für ihre Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Themen die HipHop-Kultur ausgewählt haben, bzw. als Angehörige der HipHop-Szene solche Themen in diese Kultur einbringen. „Cafe filosofico“ Dies ist ein Projekt, bei dem an verschiedenen Orten, u.a. Sao Joao de Meriti und De Mesquita, eine Gesprächsrunde angeboten wird, bzw. der Rahmen für Gespräche und Diskussionen bereitgestellt wird. Dort können dann verschiedene Themen behandelt werden.
Es gab von den Projekten und von FASE folgende Ideen: a) ein kultureller Austausch mittels Literatur/ Poesie, Musik, Theater und Tanz
b) ein Austausch von Erfahrungen und Methoden
- bei der politischen Befähigung/Qualifizierung [capacitacion] von Jugendlichen
- bei Formen der Organisierung Konkret vorgeschlagen wurde ein persönlicher Austausch und ein Workshop/Seminar für Ende 2006, woran sich 10 Jugendlichen (6 männl./4 weibl.) von FASE beteiligen würden.
weitere Infos unter:  http://www.fase.org.br/FUCVAM/ Uruguay Von FUCVAM gab es noch keine konkreten Kandidaten in Form von Gruppen, die potentiell an dem Projekt teilnehmen könnten. Nicolas hat als Vertreter von FUCVAM und insbesondere des Jugenddepartements die Struktur von FUCVAM erläutert und mögliche Ansatzpunkte für eine Projektbeteiligung genannt.
FUCVAM ist eine Organisation von Wohnungsgenossenschaften, in der ca. 400 Kooperativen mit ca. 20.000 Familien zusammengeschlossen sind. Darunter sind ca. 3.000 Jugendliche, wobei als Jugendliche alle unter 35 Jahren gelten.
Projekte von FUCVAM sind: 1) Jugendkultur
- Theater
- Murga -> Theater/Tanz zum Karneval
- Comparsa -> Maskengruppe auch für den Karneval
2) Maestro comunitaria -> Bildungsprojekt
3) Sport
4) Salud comunitaria -> Gesundheitsprojekt Das Jugenddepartment ist relativ neu (ca. 1,5 Jahre) und das Ergebnis einer Dezentralisation und Neuordnung der Strukturen von FUCVAM.
Seine Aufgaben sind: die Organisierung der Jugendlichen und die Vertretung in politischen Gremien. Aktivitäten waren bisher z.B. Literaturwettbewerbe und Fußballturniere. Es wird nun versucht werden, ob es innerhalb von FUCVAM und besonders im Jugenddepartment Gruppen oder Projekte gibt, die zu den anderen möglichen TeilnehmerInnengruppen passen könnten.
weitere Infos unter:  http://www.fucvam.org.uy/Radio F.R.E.I. Erfurt/Deutschland Radio F.R.E.I. ist ein unkommerzielles Lokalradio in Erfurt, das aus einer Initiative für ein freies Radio in Erfurt und einem Piratensender 1998 hervorgegangen ist. Radio F.R.E.I. ist im bundesweiten Netzwerk der freien Radios organisiert. Mittlerweile sendet Radio F.R.E.I. Wochentags an 11 Stunden und Sonntag ganztags. Der Träger von Radio F.R.E.I. ist ein gemeinnütziger Verein, der allen Personen offen steht, von dessen Mitgliedschaft jedoch Parteien, Kirchen und öffentliche Institutionen ausgeschlossen sind.
Das Programm des Radios wird als Produkt aller Beteiligten angesehen, weshalb es ein wöchentliches Plenum für alle RadiomacherInnen gibt. Dabei wird stets versucht einen Konsens über das Programm herzustellen. Außerdem gibt es noch Tages- und Fachredaktionen, die für die täglichen bzw. themenspezifischen Sendeplätze verantwortlich sind und jeweils das Programm erarbeiten. Zu den Fachredaktionen gehören u.a.: eine Jugendredaktion, eine Studentenredaktion, eine Frauenredaktion, eine schwul-lesbische Redaktion und eine MigrantInnen-Redaktion. Besonderes Interesse an einem Austauschprojekt wurde von der Nachrichtenredaktion und der Jugendredaktion bekundet, aber auch die anderen Beteiligten stehen einer Beteiligung an dem Projekt wohlwollend gegenüber.
Weitere Infos unter:  http://www.radio-frei.de/HipHopPartisan/ Deutschland HipHop Partisan bildet eine Plattform für die progressive, kulturelle Bewegung im HipHop. Rassismus, Sexismus, Gewalt, Antisemitismus und ähnliches werden abgelehnt, aber die AktivistInnen greifen diese Phänomene auch an. Durch Schaffen von Bewusstsein für diese Probleme und deren gegenseitige Einflussnahme aufeinander, durch Austausch untereinander und das Sammeln gesellschaftlicher Kräfte soll Problemen entgegengetreten werden.
Unter den Begriff HipHop wird in diesem Kontext mehr gefasst als Graffiti Art, Breakin’, DJin’, MCin’; alle Praktiken, die weltweit in Bezug zu HipHop stehen, werden umschlossen, wie z.B. einige verwandte Musikstile, Slam Poetry, Street Art allgemein, aber auch verschiedene Theaterprojekte und andere örtliche Erscheinungen. HipHop als Kultur meint genauso Workshops, um das Wissen an jüngere Generationen weiterzugeben, wie Zeitungsprojekte oder Jams mit den unter den HipHop-Begriff gefassten Elementen. Es meint Vorträge und Diskussionen zu gesellschaftlichen Problemen, genau so wie die Einbindung des Publikums bei diesen Veranstaltungen. HipHop Partisan stärkt diese Kultur durch mehrere unabhängige Projekte - das Printmagazin "Parts", das OnlineMagazin, die Website, das HHP Booking, sowie das Projektteam. Das Jugendbildungsnetzwerk bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung hat die Arbeit des HipHopPartisan-Netzwerkes bereits in der Vergangenheit unterstützt und dabei sehr gute Erfahrungen gemacht. Besonders interessant für das Jugendbildungsnetzwerk war, dass damit eine Szene und Jugendliche erreicht wurden, die bislang zu den Themen des Netzwerkes keinen oder kaum einen Zugang hatten. Weitere infos unter:  http://www.hiphop-partisan.net/Soziale Bildung Rostock/Deutschland
Soziale Bildung e.V. ist ein Verein, der im Januar 2001 gegründet wurde und seinen Sitz in Rostock hat. Der Verein soll bei der Durchführung und Förderung von demokratischen, antirassistischen und emanzipatorischen Aktionen und Initiativen beitragen. Im Vordergrund steht dabei die Schaffung von Möglichkeiten zivilgesellschaftlichen Engagements, insbesondere im Bildungsbereich, und der Rahmensetzung. Somit konzentriert sich das Engagement des Vereins einerseits auf die Konzeptionierung und Durchführung von Seminaren, öffentlichen Veranstaltungen und sonstigen Bildungsangeboten. Zum anderen gilt unsere Aufmerksam der Schaffung interkultureller Begegnungsräume. Die Arbeitsweise basiert auf basisdemokratischen, antihierarchischen, macht- und herrschaftsfreien Ansätzen. Für die Umsetzung demokratischer, solidarischer, antirassistischer und menschenrechtsorientierter Ziele wird eine intensive Zusammenarbeit durch Kooperation/Vernetzung mit zivilgesellschaftlichen Akteuren mit ähnlichen Zielsetzungen angestrebt. Der Verein arbeitet in Projekten zu den Themen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsextremismus sowie der Lebenssituation von Flüchtlingen. Außerdem wurde ein alternatives Medienprojekt entwickelt. Sobi e.V. hat sich das Ziel gesetzt, Räume für alternative Lebensformen und Kommunikation und für selbst bestimmte Integration zu schaffen. Dafür steht dem Verein seit kurzem ein eigenes Haus zur Verfügung. Die Vereinsräume sind ein Knotenpunkt für Angebote alternativer Kultur (in Form von Seminaren, Lesungen, Vorträgen, Workshops, Diskussionsrunden, Volxküche, Videoabenden usw.).
Weitere Infos unter:  http://www.soziale-bildung.org/Projekthaus in La Vega, einem Stadtteil von Caracas/ Venezuela
Als eine mögliche Erweiterung des Projektes wurde von Susanne ein Projekthaus vorgestellt, welches sie auf ihrer Reise nach Venezuela kennen gelernt hat.
Es handelt sich dabei um eine comunidad, die das Zentrum der politisch-sozialen Arbeit eines Bereiches des sehr armen Stadtteils La Vega ist. In ihrer Arbeit beschäftigen sich die AktivistInnen zum einen mit der Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen im Stadtteil (Gesundheit, Bildung Wasserversorgung, Strom, Abfall...). Weiterhin ist aber auch eine größere politische Vernetzungarbeit von Basisaktivitäten zentral sowie kulturell-politische Projekten. Dazu gehören das Stadtteilradio „Radio activa“, Workshops zu Video und Theater, Filmvorführungen usw. Gerade in diesem letzteren Bereich sind viele Jugendliche aktiv und agieren teilweise auch schon als VermittlerInnen ihres Wissens, z.B. von Videotechniken, Insgesamt werden die Jugendlichen in alle Aktivitäten einbezogen, z.B. nehmen sie (wenn sie Lust haben) selbst verständlicherweise an den regelmäßigen Plena der StadtteilbewohnerInnen teil, fahren mit zu Demonstrationen etc.
Die in Venezuela von vielen staatlichen und nichtsstaatlichen Akteuren getragene Arbeit an linken Ideen ist eine absolut dynamische und weltweit ziemlich einmalige Situation. Die Arbeiten der Akteure - so unterschiedlich sie auch Form oder Inhalten sind - zielen auf die Verbesserung von Lebensbedingungen und den Aufbau solidarischen Handelns. Die Basisarbeit der nicht-staatlichen Akteure besteht dabei sowohl aus Kooperation mit staatlichen Stellen und Projekten als auch in der Wahrung kritischer Distanz und kritischer Begleitung des Gesamtprozesses. Seit der Chávez-Regierung haben sich die Spielräume der BasisaktivistInnen wesentlich erweitert und diese werden mit viel Energie und Kreativität auch genutzt. Die TeilnehmerInnen des Workshops waren sich einig, dass, wenn es gelingt, ein Projekt aus Venezuela einzubeziehen, dies sicherlich eine Bereicherung für das Gesamtprojekt darstellen würde. Daher begrüßten fast alle Anwesenden eine Einbeziehung dieses Projektes bereits in die Anfangsphase des Austauschprojektes.
Susanne wurde beauftragt den Kontakt zu La Vega aufzubauen und nachzufragen, ob dort Interesse an einer Mitarbeit besteht. Casa Berthold Brecht Montevideo/ Uruguay(CBB)
Die CBB bietet verschiedene Aktivitäten an, die von Kultur mit Theater und Literatur bis zu Deutschkursen reichen. Außerdem hat das CBB diverse politische und kulturelle Projekte, die hauptsächlich im Cerro und in La Teja, zwei ärmeren Arbeiterstadtvierteln von Montevideo angesiedelt sind.
Während des Workshops hatten wir die Gelegenheit zwei der Kandidaten des CBB zu besuchen und kennen zu lernen. Das waren: Radio „El Puente“ Dabei handelt es sich um ein lokales, kommunitäres Radioprojekt in La Teja, das hauptsächlich von jungen Leuten getragen wird. Es ist entstanden aus dem Bedürfnis sozialer Bewegungen, ein Kommunikationsmedium zu haben. Unter dem gleichen Dach wird auch eine Zeitung gemacht und momentan sind sie zusätzlich noch an einem Pilotprojekt für lokales Fernsehen beteiligt. Dabei werden vor allem lokale politische Themen angesprochen, die aber auch in einen Zusammenhang mit gesellschaftlichen und weltweiten Aspekten gestellt werden.
Das Projekt besteht bereits seit 23 Jahren und alle Beteiligten arbeiten freiwillig und unbezahlt.
Das Radio ist bereits an einem Netzwerk von Radios in Lateinamerika beteiligt und tauscht regelmäßig Programme mit Radios in Chile, Paraguay, Argentinien und anderen Stationen Uruguays aus. Es bestehen ebenfalls Austauschbeziehungen in die Schweiz.
Sie wären an einem Austausch und einer Beteiligung am Projekt durchaus interessiert, allerdings hängt das sehr stark von ihren zeitlichen etc. Ressourcen ab.
Wichtig ist für sie vor allem die Einbindung in die Gemeinde, aber auch die Einbeziehung von Jugendlichen und Frauen.
Weitere Infos unter:  http://www.lateja.org.uy/elpuente2.html„latejapride“ Ist eine HipHop/RAP Gruppe aus La Teja. Sie machen sozialkritischen HipHop und sind antisexistisch, antirassistisch und überhaupt politisch in der HipHop-Szene aktiv. Außerdem betreiben sie eine Webseite, auf der sie ihre Texte veröffentlichen, Veranstaltungen angekündigt werden und Themen diskutiert werden. Weitere infos unter:  http://www.latejapride.com/ Als weitere, allerdings weniger konkret mögliche Beteiligte am Austauschprojekt wurden vom CBB vorgestellt: Eine Gruppe junger Schriftsteller und Poeten aus dem Cerro, die bereits bei einem Projekt des CBB mitgemacht haben, in dem Jugendliche ihre Probleme und Themen literarisch verarbeiten. Eine Gruppe von Studierenden der Wirtschaftswissenschaften von der örtlichen Universität.

ERARBEITETE KONSENSE

Ziele
- Die politische Partizipation der Jugendlichen und ihrer Gruppen wird gestärkt - Es soll ein Raum für Visionen gegen die neoliberale Agenda eröffnet werden
- Im Projekt soll alternative linke Kultur entwickelt und ausgetauscht werden. Die Gruppen und Jugendlichen können sich hier entfalten und ihre Arbeit in ein größeres Netzwerk einbinden. Die alternative Kultur ist sowohl Methode als auch politische Form des Projekts. Das Projekt bietet ebenso Raum für die theoretische Rückbindung der politischen Aktivitäten.
- Durch die Möglichkeit des Austausches soll eine Mobilisierung von Jugendlichen für die lokalen Projekte und eine Anbindung an diese erfolgen. Mittel und Wege
- Alle möglichen ProjektteilnehmerInnen sind schon politisch in Basisorganisationen organisiert. Das Projekt richtet sich an solche Jugendlichen, die eine MultiplikatorInnenfunktion für linke Basispolitik haben.
- In der Konstitution neuer Subjekte spielt die Kultur gerade bei Jugendlichen eine wichtige Rolle, so dass sich der Austausch sowohl auf kulturelle als auch sozio-politische Prozesse bezieht. Fast alle vorgestellten Gruppen nutzen Medien und kulturelle Formen (Theater, Musik) als Werkzeug und Ausdrucksform politischen Handelns.
- Themen für den Austauschsollen nicht im Vorfeld durch die Planungsgruppe festgelegt, sondern von den Gruppen entwickelt werden.
- Persönlicher Austausch ist konstitutiver Bestandteil des Projektes.
- Die Gruppen sollen geschlechtergemischt sein.
- Es soll mindestens ein „Produkt“ geben, an dem die Jugendlichen gemeinsam arbeiten können.
- Einen Projektpartner aus Venezuela empfinden alle als eine Bereicherung des Projektes. Aufgrund seiner politischen Einzigartigkeit haben die Jugendlichen dort einen anderen Erfahrungsraum als in anderen Ländern und könnten einen wichtigen Beitrag zur Debatte leisten.
- Das Projekt soll im Laufe der Zeit ausgeweitet werden, neue PartnerInnen hinzukommen und einen wirklichen Netzwerkcharakter erhalten. Relevanz eines Jugendprojektes für politische Bildungsarbeit: Gerade Jugendliche sind am meisten von der globalisierten neoliberalen Agenda betroffen, sie sind deren Opfer und zugleich diejenigen, die ihr etwas entgegen setzen können. Es ist wichtig, dass sie in ihrem politischen Denken und Handeln Unterstützung erfahren und damit der politisch vorgeschriebenen Alternativlosigkeit neoliberalen Denkens entkommen. Darüber hinaus werden sie unterstützt in ihren Bemühungen, ihm etwas entgegensetzen zu können. Sie werden damit zu Subjekten und zugleich zu Hoffnungsträgern. Es ist Ziel, die Organisierungsfähigkeit, neue Formen der Organisierung und des politischen Ausdrucks sowie die Kreativität von Jugendlichen mit dem Projekt zu stützen.
Aspekte des Internationalismus: Der internationale Aspekt des Projektes erweitert Horizonte der Jugendlichen und ihrer Gruppen, eröffnet Denkräume und ermöglicht Einblicke in andere Lebenswelten und damit neue Erfahrungen. Die TeilnehmerInnen lernen, dass es trotz aller Unterschiede eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Themen gibt. Ansätze in der Arbeit von anderen können auf die eigene Arbeit übertragen werden, Differenz kreativ gewendet und als Bereicherung erlebt werden. Gerade ein internationaler Austausch lässt Raum für den Abbau von Vorurteilen, seien es die zwischen Nord und Süd (z.B. reicher Norden, rückständiger Süden), zwischen Klassen oder über feststehende Geschlechterbilder usw.

KONKRETISIERUNG DER PLANUNG

Projektstart soll das erste Wochenende im März sein. Bis dahin werden alle noch einmal die Gespräch mit den möglicherweise beteiligten Gruppen intensivieren und die endgültige Zusage für die Zusammenarbeit bekommen.
Susanne versucht, erstmal per mail einen Kontakt zu der Gruppe in Venezuela herzustellen. Fraglich war, wie eine Finanzierung aussehen könnte, da Venezuela nicht zu den Südländern gehört und von daher nicht im Einzugbereich der RLS in Brasilien liegt.
Das Projekt soll eine eigene Homepage haben, die eine eigenständige Identität des Projektes ermöglicht und den TeilnehmerInnen die Aneignung des Projektes als ihres erleichtert. Sie sollte zu Beginn die Grundfunktionen zur Verfügung stellen und dann zu einem Raum werden, der von den TeilnehmerInnen entwickelt und gestaltet wird. Auf der Webseite sollten ein Forum und ein Chat zum Kennen lernen und für Debatten vorhanden sein, Informationen über das Projekt und die Teilnehmenden angeboten werden sowie ein Raum für den Austausch von Texten und Musik geboten werden.
Ca. einmal im Monat soll ein Chat stattfinden, der zumindest in der ersten Zeit moderiert wird. Es sollten zwei simultane thematische Debatten laufen, deren Themen die Jugendlichen selbst bestimmen. Die Moderation soll die Gesprächsstrukturierung erleichtern und führt dazu, dass die Gespräche nicht in Belanglosigkeiten versanden. Dies ist gerade zu Beginn wichtig, damit die Kommunikation nicht stehen bleibt und die Gruppen nicht die Lust verlieren; diese Gefahr besteht vor allem solange sich die TeilnehmerInnen noch nicht kennen. Zum anderen kann ein moderierter Chat über Sprachprobleme hinweghelfen und damit die Barrieren abbauen. Der erste Austausch ist für Ende 2006 in Montevideo geplant. Die Anzahl der TeilnehmerInnen pro Projekt wurde nicht festgelegt. Beim Austausch soll ein gemeinsames Produkt entstehen, z.B. eine CD oder eine DVD mit Liedern, gemeinsam und einzeln geschriebenen Texten, Bildern usw. Da auch mehrere Radioprojekte beteiligt sind, könnte auch eine Radiosendung oder ein größeres Programm erstellt werden. Was das Produkt letztendlich sein wird, wird mit den TeilnehmerInnen besprochen. Dem ersten großen Austausch vorgelagert könnten drei Mini-Austausche sein, in denen jeweils 2 Jugendlichen der Besuch in einem anderen Land ermöglicht wird und die Gruppen den Aufenthalt dort selbst organisieren, so dass nur der Flug finanziert werden müsste. Dabei wird auf die Selbstorganisierungskompetenzen der Jugendlichen gesetzt. Bedenken gab es dabei insofern, als dass es schwierig erscheint, Jugendliche aus Lateinamerika ohne Finanzen nach Deutschland kommen zu lassen. Der zweite Austausch soll dann Mitte 2007 in Deutschland sein. Dafür wäre es wünschenswert, wenn sich Gruppen aus dem Jugenbildungs-Netzwerk beteiligen würden, so dass ein interessantes Programm zusammengestellt werden kann, bei dem die TeilnehmerInnen über die teilnehmenden Projekte hinaus einen Einblick in linke Jugendkultur in Deutschland bekommen. Anvisiert ist ein dritter Austausch 2008 in Brasilien. Offene Fragen: - Wie viel Finanzen stehen wofür zur Verfügung? Gibt es beispielsweise Geld für eine Moderation des Chats oder die Koordination des Gesamtprojektes?
- Ein Titel des Projektes steht noch nicht fest.
- In welcher Form kann der Starttermin „zelebriert“ werden?
- Passen alle bisher beteiligten Gruppen zusammen?
- Wer kümmert sich um die Website? WEITERE PROGRAMMPUNKTE
Das von der Casa Bertold Brecht zusammengestellte Programm war sehr gut ausgearbeitet, Javier Taks und Stefan Thimmel haben für eine sehr freundliche und tolle Rundumbetreuung für uns als Gäste gesorgt. Dazu gehörte der Besuch des Cerro, eines alten und traditionell sehr gut organisierten Arbeiterstadtteils, eine Radtour durch Montevideo und ein Besuch in der Uni, wo wir an einem Seminar von Javier teilnehmen konnten.
Javier hat auch für den Kontakt zu anderen Jugendprojekten gesorgt, unter anderem hatten wir ein Gespräch mit dem Jugendsekretariat der Intendencia von Montevideo, die sehr große Jugendprojekte und -events organisieren, aber noch einmal einen ganz anderen Blickwinkel auf das was Jugendpartizipation heißen kann, haben. Obwohl sie zweifelsohne gute Arbeit leisten, scheint es so, dass sie teilweise durch ihre professionelle Organisierung ein großes Potenzial von Jugendlichen abschöpfen und in vorgegebene Bahnen lenken, autonome und selbst verwaltete Projekte sind in ihrer Agenda nicht vorgesehen. Dennoch war die Intendencia für unsere Projektvorstellung aufgeschlossen und könnte ein möglicher, allerdings etwas entfernter Partner für das Projekt werden.

SONSTIGES

Die Atmosphäre beim Workshop mit allen TeilnehmerInnen und an den anderen Tagen war überaus freundlich und freundschaftlich. Nur am ersten Nachmittag hat nach einem guten Einstieg die Anwesenheit von einigen Mitgliedern der Directiva der Casa Brecht etwas gestört, da es hier doch einige Differenzen in der Herangehensweise und Sichtweise zu denen aller anderen TeilnehmerInnen gab. Da sie nicht wirklich zum Workshopteam dazu gehörten, machten die Einwände wenig Sinn und fanden letztendlich auch kaum Berücksichtigung. Vielmehr ging dadurch wertvolle Zeit verloren, die für eine konkretere Planung und Verteilung von Aufgaben nötig gewesen wäre. Das Problem zwischen organisationsgebundener und freier Linker scheint in Uruguay gerade sehr aktuell zu sein, und gerade seit der Regierung der Frente Amplio noch mehr als vorher: die Linke in Uruguay wird dadurch geschwächt, dass alle Potenziale parteipolitisch gebunden werden und eine außerparlamentarische Linke kaum noch vorhanden ist.
Außerdem gab es aktuell einen Vorfall in Montevideo, der heftige Diskussionen im Land ausgelöst hat. Bei Demonstrationen gegen den Gipfel in Mar del Plata wurden vier Jugendliche brutal festgenommen und sollen nun wegen Staatsverschwörung angeklagt werden, auf die bis zu 10 Jahren Haft stehen. Selbst unter der konservativen Vorgängerregierung habe es ein solches Vorgehen nicht gegeben, erzählten Stefan und Javier. Erfurt und Köln, 18.11.2005
Uwe Flurschütz und Susanne Spindler >>> Zurück zur Chronik