Gesprächskreis «Geschichte für die Zukunft»

Der Gesprächskreis «Geschichte für die Zukunft» befördert und initiiert historische Lernprozesse, in denen der biografische, generationsübergreifende Ansatz eine zentrale Rolle spielt. Hauptziel ist die Entwicklung, Unterbreitung und Durchführung von Bildungsprojekten und -formaten vorrangig für solche Zielgruppen, die ihre Schul- und Berufsausbildung noch nicht abgeschlossen haben. Der Gesprächskreis «Geschichte für die Zukunft» ist Kommunikations- und Arbeitszentrum für das in der Akademie für Politische Bildung verortete Themenfeld «Biografisch-historisches Lernen». Etwa 25 (ständig, teils auch themenbezogen) aktive Mitglieder oder InteressentInnen bringen sich in die Arbeit des Themenfeldes ein. Mit Ausnahme der Koordinatorin (Cornelia Domaschke) arbeiten von Anbeginn alle Mitglieder und InteressentInnen ehrenamtlich.

Der GK „Geschichte für die Zukunft“ wurde 2003 gegründet. Seine Ursprünge reichen aber bis in die Jahre 2000/2001, auf zwei zunächst extern an die RLS herangetragenen ZeitzeugInnenprojekte zurück:

  • «Junge Menschen im antifaschistischen Widerstand am Beispiel der Herbert-Baum-Gruppe. Spurensicherung mit Zeitzeugen»
  • «Gegen Vergessen und Verdrängen. Späte Spurensuche. Ein Projekt mit Zeitzeugen und Zeugen von Zeitzeugen bisher nicht gewürdigter Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand und NS-Verfolgter in Schlesien 1933-1945»

Die inhaltliche, territoriale und zeitliche Ausdehnung dieser Projekte, ihre nachhaltigen Wirkungen auf Folgeprojekte insbesondere mit schulischen KooperationspartnerInnen ließen eine längerfristige stiftungsübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit ratsam erscheinen. Mit Opfer- und Antifa- Organisationen wie VVN/BdA, DRAFD, KFSR hat sich im Laufe der Jahre eine gute Partnerschaft entwickelt. Gemeinsam wurde an einem ZeitzeugInnenpool gearbeitet. Zahlreiche gemeinsame Bildungsprojekte, in denen kommunikatives Erinnern an Geschichte und Verantwortung für die Zukunft miteinander verschmolzen, wurden so erst möglich. Die Anzahl der Schulen, SchülerInnen-Geschichtswerkstätten und Antifa-Jugendinitiativen, die im Laufe der letzten Jahre Kontakt zur Rosa-Luxemburg-Stiftung gesucht haben und auch weiter pflegen sind kontinuierlich gewachsen.

ZeitzeugInnen-Bildungsprojekte wie die mit Emilie Schindler (2001 verstorben), Fred Dellheim (verstorben 2003), Lisa Behn (verstorben April 2008), Vera Ansbach, Walter Sack (verstorben Mai 2008) und weitere ZeitzeugInnen aus dem Umfeld der Widerstandsgruppen um Herbert Baum, Gerda Szepansky, (verstorben 2004), Fred Löwenberg (2004 verstorben), Wladimir Gall (Russland, verstorben 2011), Sally Perel (Israel), Ernesto Kroch (Uruguay, verstorben 2012), Adolf Burger (Tschechien)... haben biografisch-historisches Lernen in und mit der RLS maßgeblich geprägt. Bei anhaltend hohem Interesse an der Auseinandersetzung mit Themen des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus und stark abnehmenden Möglichkeiten einer kommunikativen Erinnerungsarbeit sind alternative Wege und Methoden historisch-politischer Bildungsarbeit gefragt. Die bisherigen Erfahrungen bei der Arbeit mit dem biografischen, generationsübergreifenden Ansatz finden indes Eingang in Bildungsprojekte zur deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte.

Fester Bestandteil der GK-Aktivitäten ist auch die Kooperation mit den jährlichen SchülerInnen-Wettbewerben «Zivilcourage vereint» unter Federführung des MdB-Büros von Dr. Gesine Lötzsch. Die Sieger jedes Wettbewerbs fahren alljährlich mit und zu ZeitzeugInnen des antifaschistischen Widerstands in ein Land Europas. Jugendprojekte, die direkt oder indirekt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung/Gesprächskreis «Geschichte für die Zukunft» gefördert werden, gehörten und gehören immer wieder zu den Preisträgern.

Mit Sicht auf jugendliche BildungsadressatInnen wollen die AkteurInnen des Gesprächskreises «Geschichte für die Zukunft» weiterhin dazu beitragen, dass

  • ein breites Angebot für lebendige Auseinandersetzung mit und Erinnerung an Geschichte unterbreitet wird;
  • interessante Lernräume für selbst bestimmtes, aktives Lernen aus der Geschichte für die Entwicklung persönlicher und gesellschaftlich relevanter Wertmaßstäbe eröffnet werden;
  • bei bereits bestehenden zeitgeschichtlich orientierten Bildungsinitiativen umfassende Unterstützung und Beratung für ihre Realisierung ermöglicht wird;
  • Lehrer_innen bei ihrer Suche nach Wegen, historisch-politische Bildungsarbeit für SchülerInnen interessanter, spannender, abwechslungsreicher, persönliche Lebenswege prägender zu gestalten, größtmögliche Unterstützung zuteil werden zu lassen;
  • Lehrer_innen bei ihrer eigenen Weiterbildung ein interessantes, linkes, an aktuellen Forschungsergebnissen orientiertes Bildungsprogramm der Rosa-Luxemburg-Stiftung nahe zu legen;
  • neue Erkenntnisse linker historischer Forschung für populäre Bildungsformate aufzubereiten.

Kontakt

Rolle Persondetails
Referentin für Zeitgeschichte und historisch-biographisches Lernen Dr. Cornelia Domaschke
E-Mail: cornelia.domaschke@rosalux.org
Telefon: (030) 44310-151
Raum: 732