Ethische Fragen in der Sozialpolitik

Gerade auf dem Feld der Sozialpolitik erhalten ethische Probleme und Wertdiskussionen oft politische Relevanz. Das Recht auf Selbstbestimmung, Fragen von Leben und Tod, der Stellenwert von Arbeit in der Gesellschaft, die Sicht auf Behinderung - all das wird nicht nur von rationalem Kalkül bestimmt, sondern erhält seine Bedeutung in vielfältigen Vermittlungen, eben in ethischen und Wertekonzepten. Der Mensch ist eben nicht nur ein rational denkendes und handelndes Wesen, sondern in Denken und Handeln gleichermaßen biologisch und psychisch bestimmt. Man denke nur an die Bedeutung von Sexualität für das Denken und Handeln von Menschen als Individuen aber auch gleichermaßen als Gesellschaftsmitglieder. Aktuelle Auseinandersetzungen zur Gentechnologie, zur Sterbehilfe, zu sexueller Selbstbestimmung oder zum Schwangerschaftsabbruch sind Beispiele für besonders brisante Schnittstellen zwischen Ethik und Sozialpolitik. Diese Beispiel zeigen aber auch, dass ethische Debatten eng mit Interessen, seien es politische oder/und ökonomische, verbunden sind. interner Link folgtweiter Offensichtlich schaffen Werte die Voraussetzung für ein gewisses Maß an Stabilität in der Gesellschaft. Menschen Handeln auf eine bestimmte Art und Weise und können erwarten, das andere Menschen dies auch verstehen.
Werte und ethische Normen spielen also eine ordnende und organisierende Rolle in der Gesellschaft. In ihnen spiegeln sich geschichtliche Erfahrungen wider, die in den einzelnen sozialen Gruppen gesammelt wurden und diese Gruppen in der Gesellschaft handlungsfähig machten bzw. machen. Vor allem vermitteln sie auch Identität, Gemeinsamkeit. Schließlich konstituieren sie ein bestimmtes Menschenbild, Vorstellungen über GUT und BÖSE, über RICHTIG und FALSCH. Der Bezug auf Werte und ethische Normen an sich ist somit erst einmal weder positiv noch negativ zu bewerten; ebenfalls besitzt erst einmal ein solcher Bezug für sich genommen keine Beweiskraft. Die Werte "Gerecht" oder "Ungerecht" besitzen natürlich für unterschiedliche soziale Gruppen ganz unterschiedliche Inhalte. Aus den unterschiedlichen Interessen und den unterschiedlichen Anforderungen an die Gestaltung von Bedingungen für die Sicherung der eigenen Existenz muss vor diesem Hintergrund der Inhalt eines solchen Wertes wie "Solidarität" für unterschiedliche soziale Gruppen auch unterschiedliche Ausprägungen erhalten. Diese Erkenntnis setzt sich aber nicht automatisch durch. Geschichtliche Erfahrung kann sich durchaus gegen das, was rational betrachtet progressiv ist, wenden. Materielle Bedingungen wie Armut oder fehlende Bildung, fehlende Möglichkeiten der Solidarisierung oder Angst vor Repression können das an sich gegebene Bedürfnis nach Gesellschaftsveränderung kompensieren. Menschen können so "wertegeleitet" durchaus gegen eigene Interessen handeln. Das Versagen der linken Bewegung hängt in nicht unerheblichem Maße damit zusammen, dass dieser Fakt immer als verurteilenswerte Schwäche betrachtet wurde, nie (oder viel zu selten) als eine natürliche Seite menschlichen Denkens und Handelns und eine Herausforderung an die Entwicklung und das Leben eigener Wertevorstellungen.
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hier die Präsentation als pdf-Datei >>>> weiter Literatur zum Thema >>>> weiter links zum Thema >>>> weiter Werte - was sind sie wert? Über Werte, Normen, Tugenden und ihre Begründungen / von Martin Wolfram >>>> weiter (pdf-Datei) Nicht an Armut und Ausgrenzung gewöhnen - Hartz IV und die Wertedebatte. Menschenbilder in der Sozialpolitik interner Link folgtweiter (pdf-Datei)