Solidarität als zentraler Wert der linken Bewegungen

In der Geschichte der ArbeiterInnenbewegung nimmt der wert Solidarität und das solidarische Handeln einen zentralen Platz ein. Dieser Wert, der aus der Erkenntnis, dass nur gemeinsames Handeln Unternehmermacht etwas entgegensetzen kann, steht am Anfang organisierter ArbeiterInnenbewegung. Sowohl auf der betrieblichen, der nationalen wie auch auf der internationalen Ebene (dort auch als "proletarischer Internationalismus" bezeichnet) war solidarisches Handeln ein Eckstein der Bewegung. Organisationen, wie etwa die Rote Hilfe verstanden sich als solidarische, proletarische Selbsthilfeorganisationen, auch in Abgrenzung zu bürgerlicher oder kirchlicher Wohltätigkeit oder staatlich-repressiver Armenpflege. Dieser Wert findet seine Widerspiegelung in zahllosen literarischen Werken, in Liedern, Filmen oder Bühnenstücken. Erinnert sei an das "Solidaritätslied" (Vorwärts und nicht vergessen...) von Brecht/Eisler (Text und Musik >>>> hier - externer link), geschrieben für einen Film "Kuhle Wampe", das auf Generationen von Linken eine mobilisierende und Gemeinsamkeit vermittelnde Wirkung hatte und auch noch hat. Der in diesem Milieu entstandene Solidaritätsbegriff trägt einen kämpferischen, gesellschaftsverändernden Inhalt. Es geht um die Betonung von Gemeinsamkeiten gegen einen gemeinsamen Feind, um das Zurückstellen von eigenen Ansprüchen im Verhältnis zu diesem Ziel, um gegenseitige Hilfe im Interesse des Erreichens der gemeinsamen Ziele. Es schließt genauso das Tolerieren von Unterschieden, von Schwäche und Bedürftigkeit ein. Die Einheit von Selbstbehauptung, Gemeinschaftlichkeit, Selbsthilfe und Humanität mit dem Ziel der Gesellschaftsveränderung kennzeichnet die emanzipative Qualität dieser "historischen Solidarität" und unterscheidet sie von dem heute weitgehend benutzten Begriff der Solidarität. Die "solidarische Absicherung" in den Sicherungssystemen ist demgegenüber ein ideologisches Konstrukt - Kern ist hier nicht die Solidarität in dem hier skizzierten geschichtlichen Sinne, sondern ein seiner Intention nach inkorporierendes, vereinnahmendes Moment. Solidarität bedeutet hier, dass verschiedene Seiten in ein System einzahlen und dann dieses System gemeinsam verwalten - und dies stimmt tatsächlich auch nur in einem sehr formalen Sinne. (zu Fragen der Selbstverwaltung sozialer Sicherungssysteme >>>> weiter) Allerdings sollte man beachten, dass diese Art der Organisation sozialer Sicherung eine wichtige Seite von Solidarität vermitteln könnte - die Gemeinsamkeit eines Problems, der Betroffenheit von gleichartigen sozialen Konflikten und staatlich vermittelten Begrenzungen.
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