3. Gesundheit und Erwerbsleben

3. Geschlechtsspezifische Besonderheiten des Zusammenhanges von Gesundheit und Erwerbsleben
Bereits der erste Frauengesundheitsbericht der BRD hatte hervorgehoben, dass Deutschland in Europa das einzigste Land ist, wo die Arbeitsunfähigkeit der Frauen deutlich unter der der Männer liegt (ebenda, S. 378). Weiterhin zeigen sich deutliche Differenzen in den AU-Tagen der Geschlechter nach einzelnen Krankheitsgruppen (ebd. ff). Bisher wurden diese Materialien jedoch nicht/kaum im Sinne einer geschlechtersensiblen Verbesserung der Prophylaxe und des Arbeitsschutzes genutzt. Gleichfalls fehlen Forschungen und Umsetzungsstrategien zu überwiegend beim weiblichen Geschlecht vorkommenden beruflich bedingten Krankheitsbildern und Beeinträchtigungen von Lebensqualität bei sexueller Belästigung. Solche Einseitigkeiten bei Entscheidungen über anstehende Forschungsvorhaben resultieren wesentlich aus der männlich dominierten Zusammensetzung von entsprechenden Entscheidungsgremien und Lehrstühlen im Gesundheitsbereich – dazu sei auf die Angaben und Auswertungen in Beiträgen von Dr. Astrid Bühren, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, verwiesen (siehe sowohl deren homepage als auch die des Deutschen Ärztinnenbundes). Verwiesen sei an dieser Stelle auch, auf die Ergebnisse der Fachtagung „Frauen Leben Gesundheit“ im Oktober 2001, wo viele weitere Defizite zuungunsten von Frauen(gesundheit) im Erwerbsbereich angesprochen wurden. Diese entstehen häufig dadurch, dass männliche Sichtweisen nach wie vor die Strukturen der Arbeitswelt bestimmen: - Auch in Frauenbetrieben dominieren männliche Vorgesetze. Dies erschwert die Berücksichtigung von weiblichen Beschäftigungsinteressen bei Standards und organisatorischen Entscheidungen. - Frauen nehmen objektive Belastungen eher hin und halten sich bei Forderungen nach Veränderungen eher zurück. Dies kann langfristig gesehen zu stärkeren Belastungen mit entsprechenden Krankheitsbildern führen. - In Betrieben mit überwiegend weiblichen Beschäftigten werden seltener Maßnahmen der Gesundheitsförderung durchgeführt. - Für die Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen stehen in Betrieben mit überwiegend weiblichen Beschäftigten geringere finanzielle Mittel zur Verfügung. Generell gibt es vergleichsweise wenige Forschungen zu Berufskrankheiten in frauentypischen Berufen wie Schreib- und Reinigungskräfte, Betreuungs- und Pflegepersonal. Dies setzt sich fort bei auf diese Gruppen nicht angepassten Formularen und Kriterien für die Anerkennung von Berufskrankheiten und Rentenansprüchen. Ähnliche Forschungslücken gibt es zu Unfällen und möglichen prophylaktischen Maßnahmen bei Tätigkeiten im Haushalt – auch diese Forschungsdefizite wirken sich zuungunsten von Frauen aus! >>>> weiter