4. Gender und Arzneimittelforschung sowie –konsum

Zu diesem Aspekt sind vor allem die Forschungen und Publikationen von Gerd Glaeske  richtungsweisend. Er schätzt zu diesem Fragenkomplex ein, dass - momentan zu wenige Informationen über die Wirk-, Dosis- und Verträglichkeitsunterschiede von Arzneimitteln bei Frauen und Männern in Deutschland vorliegen - diese männerdominierten Ergebnisse vor allem an mittelalten Patienten (ca. 40 Jahre) gewonnen wurden und damit die Assoziation eines nur männerdominierten Nutzens nahe legen - die Therapiesicherheit und der Nutzen bei Frauen und äteren Menschen unbestimmt bleibt - Erkenntnisse in der Arzneimitteltherapie umgekehrt proportional sind zur Anwendungshäufigkeit in der Population (Frauen werden überdurchschnittlich mehr Pharmaka verschrieben als Männern, allerdings häufig billigere und ältere Medikamente). Qualität und Effizienz als allgemein anerkannte gesundheitspolitische Zielstellungen setzen damit auch eine geschlechtergerechte Behandlung voraus. Zur Veränderung o.g. Defizite schlug G. Glaeske auf einem workshop der Bundeskoordination Frauenforschung (im März 2004 in Bremen) vor, Anreize für eine geschlechts- und alterssensible Forschung zu schaffen. Dies könnten z.B. längere Patentlaufzeiten oder die schnellere Bearbeitung der Zulassung sein. Weiterhin sind vorhandene Leitlinien und Behandlungsprogramme auf Sex und Gender hin „abzuprüfen“ und den ExpertInnen dazu das entsprechende Wissen zu vermitteln. Dazu sind geschlechtsspezifische Informationen zu erarbeiten und zu verbreiten – sowohl in der Aus- als auch Fort- und Weiterbildung aller medizinischen Berufsgruppen. >>>> weiter