Welche politische Bildung, welche Inhalte und Formen braucht Bildung für die linke Bewegung?

 Zunächst mal, was sie nicht braucht, ist eine politische Bildung, die ausschließlich das Vermögen fördert, die politische Realität zu verstehen, zu akzeptieren, wie sie erscheint und sich als deren Souverän in ihr einzurichten. Damit allerdings hätten wir schon alle Hände und Köpfe voll zu tun. Es blieben keine Ressourcen, keine Aufmerksamkeit mehr für Alternativen. Die linke Bewegung braucht eine politische Bildung, die auf Veränderung des Bestehenden setzt. Die also Wissen fördert gegen den hegemonialen neoliberalen Diskurs, Urteils- und Kritikfähigkeit entwickelt gegen den medialen Mainstream, für die Fähigkeit, Moden und Trends der Werbung, dieser Manupulation unserer Bedürfnisse, der “Vergeudung von Leben durch Bussiness“( F. Schandl) , zu widerstehen. Und sie braucht die Förderung einer alternativen, nicht ausschließlich von der kapitalistischen Verwertungslogik bestimmten Lebensweise, die Fähigkeit sie zu definieren und das Können, sie individuell zu pflegen.  Die Stichworte heißen also: Gegenwissen, Gegenkultur, Gegenidentität, Widerständigkeit, Distanzfähigkeit (mistraue den Bildern), die Fähigkeit politischen Druck zu erzeugen der nicht den Erfinder blamiert,  Autonomie leben in neuen Bündnissen… Das bedeutet nicht, dass Linke nun zu depressiven, nihilistischen, weltabgewandten Asketen mutieren sollen. Alles „Gegen“ braucht auch ein „Dafür“. Das verlangt das natürliche menschliche Streben nach einem harmonischen Verhältnis von innen und außen, von Individualität und gesellschaftlicher Umwelt! Der zunehmende Rückzug von Mitmenschen ins Private (jener Einflussbereich, der scheinbar noch selbstbestimmten Gestaltungsmöglichkeiten Raum übrig lässt, der den eigene Körper als letzte Bastion von Selbstbestimmung ausbeutet) ist ein beredter Ausdruck dafür, dass diese Balance längst gestört ist.  Viel Arbeit also für politische Bildung. Denn auch der kritische Blick auf das Private lässt ein zunehmendes Eindringen kapitalistischer Verwertungslogik darin erkennen. Oder wissen Sie noch, ob Sie als Einziger über Ihr Handy verfügen? Das Private ist politisch – so hieß es mal. Heute ist es noch viel politischer, aber häufig durch die Autorität scheinbarer monetärer Sachzwänge verschleiert und anonymisiert, unserem politischen Zugriff entzogen. Ziel politischer Bildung sollte es sein die Verfügungsgewalt des „Souveräns“ über das Öffentliche und dessen Veränderung, eben über das Politische zurückzugewinnen. Die Fähigkeiten für politische Gestaltung (z.B. Politikmanagement für Haupt- und Ehrenamt) sind zu motivieren und zu entwickeln. Die Erfolge der G8- Protestbewegung und die der Brandenburger Bürger zur Verhinderung eines Bombodroms in der Ruppiner Heide machen Mut dazu. Im Sinne der “Linie Gramsci- Luxemburg“ (vgl. Schlönvoigt, ND v. 13.7. 07) bedeutet dies, die ggw. politische Praxis zum Ausgangs- und Endpunkt, deren Erfolge und Misserfolge alsLernfeld politischer Bildung zu nutzen. So können sich die Selbstentfaltungspotentiale politischer Akteure am effektivsten entwickeln. Solcherart Bildung bricht mit der tradierten pädagogischen Praxis einer ausschliesslich intellektuellen, edukativen politischen Bildung. Einer praternalistischen“ Pflichtbeglückung „ von wenigen Wissenden zu vielen Unwissenden. Sie braucht Bildungsarbeiter mit einer besonderen Qualifikation für eben jene emanzipatorischer politischer Bildung: Denn alle Deklarationen über die Mitwirkung von Bildungsarbeitern am Veränderungsanspruch der Linken bleiben unglaubwürdig, wenn jene sich nicht selbst verändern. Die Art und Weise, die Praxis von politischer Bildung sollte diesen Veränderungsanspruch verkörpern. Verkörpern durch Lernbedingungen, in denen sozialer Autoritarismus, also ein Missbrauch von Führung und Definitionsmacht, demütigende Kontrollen, moralischer Rigorismus u. a. vermieden werden. Linke Politische Bildung braucht die Verstärkung kritische Barrieren gegen die Reproduktion von Machtstruktuen. Sie sollte die Entwicklung von Selbstreflexionsmechanismen und –strukturen für politische Akteure und deren Organisationen fördern. Sie sollte eine  Lernkultur, in der Werte, wie Selbstbestimmtheit, Gleichberechtigung, Kooperation, Solidarität, Reflexivität, Veränderungsbereitschaft, Distanz- und Kritikfähigkeit die Wahl der Methoden und Bildungsformate bestimmt, pflegen. Die Bereitstellung von Lernorten, in denen sich Betroffene repressiver politischer Verhältnisse angstfrei begegnen, ihre Rolle, Lage reflektieren und neue Bündnisse entstehen können ist ebenso notwendig, wie die Entwicklung einer eigenen politischen Sprache und die Rückgewinnung der  Deutungshoheit für missbrauchte politische Begriffe. Bildungsarbeiter sollten den Mut haben, die politische Lebenswelt von Akteuren aufzusuchen und Wissen bedarfsgerecht zu erarbeiten, Lernen in Bewegung praktizieren, prozesshaft, ganzheitlich, exemplarisch. Das alles sind Lernnotwendigkeiten für Bildungsarbeiter. Dafür stehen auch die linken Bildungsvorstellungen von E. FROMM, O.NEGT.