Der westeuropäische Sozialstaat II

Die Unterschiedlichkeit der Systeme und ihrer unterschiedlichen Ergebnisse im Bezug auf das Ziel der Armutsvermeidung hat auch entsprechende Unterschiede im nationalen Aufwand für Sozialschutz zum Hintergrund. Die Gesamtausgaben für den Sozialschutz (inklusive Steuern und Abgaben, die auf Leistungen erhoben werden) belaufen sich im Durchschnitt der EU-Länder auf ca. 28 % des BIP. Die Höhe dieser Ausgaben reicht von mehr als 30 % des BIP in Frankreich, Dänemark und Schweden, von denen Schweden mit über 33 % des BIP den höchsten Stand aufweist, dicht gefolgt von Belgien, Deutschland, den Niederlanden und weiteren, über 21-23 % des BIP in Spanien und Portugal bis zu nur 16,1 % des BIP in Irland.
Alle hier dargestellten Typen von nationalen Sicherungssystemen haben mit unterschiedlichen Akzenten aber doch im wesentlichen in einigen Hauptrichtungen auf Herausforderungen zu reagieren versucht, die sie alle gleichermaßen betreffen. Einerseits werden die Anforderungen an die einzelnen Sicherungssysteme durch den sozialen, demografischen und wirtschaftlichen Wandel deutlich größer und komplizierter und zum anderen engen die Art der wirtschaftlichen Entwicklung und deren internationale Verflechtung den nationalen Spielraum ein. Vor allem in den neunziger Jahren haben sich die jeweiligen Anstrengungen verstärkt, eine Verlangsamung des Wachstums der Sozialausgaben durch Anpassungen und Reformen zu erzielen. Nachdem der Anteil der Sozialschutzausgaben am BIP der EU von 1990 bis 1993 (von 25,4 % auf 29,0 %) stark gestiegen war, ist seit 1993 ein Abwärtstrend zu beobachten. (Vgl. Eurostat, 2000a) Dies ist sowohl auf das Wachstum des BIP als auch auf die gebremste Ausgabensteige-rung zurückzuführen. Der Rückgang war in Schweden, Finnland und den Niederlanden, den drei Ländern, die 1993 noch die höchsten Ausgabenquoten hatten, am deutlichsten. In Deutschland, Österreich, Belgien und Luxemburg stiegen die Ausgaben im Verhältnis zum BIP in den Jahren nach 1993 noch bis 1996 an um dann in 1997 leicht zu sinken. In Portugal und Griechenland stiegen sie weiter, was hier aber auf die Weiterentwicklung der dortigen Sozialschutzsysteme zurückzuführen ist.