Der westeuropäische Sozialstaat

Die Darstellung zeigt die Zuordnung von EU-Ländern zu diesen Idealtypen und den Grad des Schutzes gegen Marktkräfte und Einkommensausfälle, des sozialdemokratischen, des Konser-vativen, des libertären und des rudimentären Typs. Dabei ist zu beachten, dass in den einzel-nen Ländern Mischtypen existieren und bei der Zuordnung der Länder des südlichen EU-Raumes muss in der Perspektive auch gesehen werden, dass bereits erfolgter und auch in den neunziger Jahren fortgesetzter Ausbau des Sozialschutzes Wirkung zeigen wird. Modellrech-nungen danach, wie viel Rente in % des Bruttoverdienstes eine Person nach entsprechenden Jahren der Zugehörigkeit zum Rentenbasissystem des jeweiligen Landes nach dem Rechts-stand von 1992 erhalten würde, ordnen die Länder der Süderweiterung der EU im Niveau an vorderster Stelle ein. (vgl. Döring, 1999, S. 52)
Diese Typen von Sozialstaatsregimes haben ihre Entsprechung in vier verschiedenen Sicherungsmodellen, die sich nach Sicherungszielen, Sicherungsniveaus, Systemstruktur und Finanzierungsart unterscheiden. Bei dieser Einordnung wird das südeuropäische Modell (rudimentär) als Übergangsmodell bzw. in der Entwicklung begriffen gesehen. Ob eine ähnliche Sicht auf die Staaten Mittel- und Osteuropas übertragen werden kann (Hanesch, Walter; Krause, Peter; Bäcker, Gerhard..., 2000, S. 459), wird die künftige Entwicklung zeigen. In Westeuropa lassen sich demnach drei vorherrschende Sozialstaatsmodelle unterscheiden, das skandinavische Modell (sozialdemokratisch), das kontinentaleuropäische (konservativ) und das angelsächsiche (liberal) Modell. Während die ersten beiden hauptsächlich auf den Europäischen Kontinent verbreitet sind, findet sich das angelsächsische Modell auch außerhalb des Europas (USA, Australien und Neuseeland). Interessant im Kontext eines Berichtes, der sich der Problematik von sozialer Nachhaltigkeit und Zukunft sozialer Sicherung stellt und der Überwindung von Ungleichheit und Vermeidung von Armut eine wichtige Zielfunktion zuweist, ist der Vergleich der Leistungsfähigkeit dieser Systeme in dieser Frage. Die Autoren des oben genannten Armutsberichtes kommen mit ihrer vergleichenden Untersuchung auf der Grundlage neuerer Datenangebote auf EU-Ebene  zu eindeutigen Aussagen. (vgl. dazu. Hanesch, Walter; Krause, Peter; Bäcker, Gerhard..., 2000, S. 487f) Zusammengefasst ergibt sich folgendes Bild: Die einzelnen Länder unterscheiden sich deutlich je nach Zuordnung zum Sicherungsmodell hinsichtlich Umfang, Struktur und Dynamik der relativen Einkommensarmut. Während den Ländern des sozialdemokratischen und konservativen Modells eine eher geringe Einkommensungleichheit und ein niedriges Armutsniveau zugesprochen werden kann, ist dies in den Ländern des liberalen und rudimentären Modells gerade umgekehrt. Dabei heben sich die skandinavischen Länder gegenüber der Gruppe der Länder des konservativen Modells noch durch eine deutlich geringere Kinderarmut und niedrigere Verbleibsquote in Armut ab. Die deutlich schlechteren Werte für die angelsächsischen und südeuropäischen Länder sind hinsichtlich ihrer ähnlich hohen Armutsquoten trotz unterschiedlichen Entwicklungsstand bei der Ausgestaltung der nationalen Systeme besonders bemerkenswert. Auffällig auch, dass in diesen Ländern das Risiko des Verbleibs und des Abgleitens in Armut besonders hoch ist. Angesichts der Tatsache, dass der Untersuchungszeitraum (neunziger Jahre) ja von vielfältigen Anpassungs- und Reformaktivitäten gekennzeichnet war, die bekanntlich mit einer neoliberal dominierten Sozialstaatsdebatte einherging, erscheint die Einschätzung, dass sich gezeigt hat, „dass sowohl das skandinavische als auch das kontinentaleuropäische Sicherungsmodell sehr wohl in der Lage sind, die gegenwärtigen Herausforderungen zu bewältigen“ (Hanesch, Walter, 2000) als besonders hervorhebenswert.
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