Herausforderung für linke Politik

Was Genossenschaften und genossenschaftliche Unternehmungen für linke Politik in Europa und in Deutschland, nicht zuletzt in Ostdeutschland, interessant macht, ist vor allem fünferlei: 1. Die Prinzipien genossenschaftlichen Wirtschaftens sind vereinbar sowohl mit einer Strategie, die auf Demokratisierung von Wirtschaft und Gesellschaft setzt, als auch mit der Vision einer Gesellschaft selbstbestimmt und solidarisch handelnder Menschen. 2. Das Leben genossenschaftlicher Prinzipien bedeutet Entwicklung und Lernen von Menschen, deren politisches Handeln für demokratische gesellschaftliche Veränderungen entscheidend ist. 3. Genossenschaften können lokale und regionale Ressourcen mobilisieren und somit demokratische Regionalentwicklung als Gegenstrategie zu neoliberaler Globalisierung befördern. 4. Genossenschaften bzw. genossenschaftliche Unternehmungen bieten vielfach Menschen in der Kommune und Region (die einzigen) Möglichkeiten, unmittelbar sozial und/oder wirtschaftlich tätig zu sein, sich aktiv mit ihren Problemen auseinander zu setzen und ihre Umwelt mitzugestalten. 5. Genossenschaften und genossenschaftliche Unternehmungen sowie Projekte, die der Genossenschaftsidee anhängen, können als Akteure des Dritten Sektors bzw. der Zivilgesellschaft gesellschaftsgestaltend wirken. Die Punkte 3 und 4 sind von besonderer Relevanz, weil für die gesellschaftliche Entwicklung unter den gegenwärtigen Bedingungen ein wachsendes bzw. ausgeprägt hohes Gewicht von Regionen typisch ist, sowohl von Weltwirtschaftsregionen als auch von Regionen in der Ländern bzw. in den Grenzgebieten verschiedener Länder: Für das individuelle Leben der Menschen ist es hochgradig wichtig bzw. wird es wieder wichtiger, in welcher Region sie geboren wurden, arbeiten und wohnen. Ihr Alltag wird zunehmend von Entscheidungen sowohl auf der EU-Ebene als auch in der Region beeinflusst. Für den Reproduktionsprozess konkreter Kapitale wächst trotz Entgrenzung unter den Bedingungen der Globalisierung die räumliche Dimension gegenüber der sektoralen. Für linke politische Strategie steht die Frage, wie sie die Gründung und Entwicklung von Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmungen so betreiben und befördern können, dass - die öffentliche Diskussion über gesellschaftspolitische Reformen emanzipatorisch beeinflusst wird, - Menschen Aufklärung, Bildung und Selbstverwirklichung erfahren, zu gesellschaftlicher Aktivität ermutigt werden, - eine Regionalentwicklung an Gewicht gewinnt, die sich an den Interessen der dort Lebenden orientiert statt vor allem Ableitung der Verwertungsinteressen von Global Player zu sein, - politische Allianzen und gesellschaftliche Bewegungen für gerechte gesellschaftspolitische Reformen zustande kommen bzw. unterstützt werden.