Planwirtschaft als Alternative?

Mit dem Ende des Realsozialismus schien für viele Menschen das Thema Planung erledigt. Seit einigen Jahren jedoch gewinnen Überlegungen zu Alternativen, die bewußt planwirtschaftliche Elemente einschließen wieder an Bedeutung. Der neoliberale gesellschaftliche Umbau in den 90er Jahren, der seine ideologische Begründung auch aus dem Verweis auf den Zusammenbruch der Planwirtschaften in Ost- und Mitteleuropa zog, hat für große Teile der Bevölkerung bei weitem nicht seine Versprechungen einhalten können. Markt wird in seiner Unberechenbarkeit als Bedrohung wahrgenommen. Forderungen der westlichen Industrieländer gegenüber der "Dritten Welt", ihre Märkte freizugeben, hat die Krise in vielen dieser Staaten weiter vertieft. In den ehemaligen Planwirtschaften hat der Neu-Kapitalismus zu extremer Ungleichheit geführt. Vor allem die wachsende Existenz- und Zukunftsunsicherheit für die jüngeren Generationen wirft die Frage nach den Potenzialen einer geplanten Wirtschaft wieder auf. Wird der "Sozialismus im 21. Jahrhundert" eine Planwirtschaft sein? Die Wirtschaft selbst stellt die Frage nach dem Stellenwert von Planungselementen tagtäglich: Die Marktwirtschaft in ihrer verkündeten reinen Form hat keines der globalen Probleme lösen können - vielmehr muss hinsichtlich des Klimawandels, der Rohstoffkrisen, der Ernährungskrisen, des Finanzsystems usw. usf. immer wieder zu Formen staatlicher und supranationaler Regulierung gegriffen werden.  Gleichzeitig ist zu prüfen, inwieweit bestehende Elemente Solidarischer Ökonomie nicht nur nach innen, in der Organisation ihrer Beziehungen innerhalb des Unternehmens, sondern auch in den Außenbeziehungen ihren solidarischen und alternativen Charakter bewahren können.  Sind dies schon "Vorboten" der Planwirtschaft? Muß ein Plan den Markt ersetzen? Was bedeutete der "Marktsozialismus"? Was sind überhaupt "Planung" und "Markt"? Warum sind die Planwirtschaften gescheitert? Wo könnte der Platz eines linken Planungskonzeptes zwischen den eher technokratisch anmutenden Vorstellungen des "Computersozialismus" und den Vorstellungen eines unendlich scheinenden basisdemokratischen Abstimmungsprozesses einer "partizipativen Ökonomie" nach M. Albert zu finden sein? Wie hängen Planung und Wirtschaftsdemokratie zusammen? Der Blick zurück auf die real existierenden Planwirtschaften wie auch auf Konzepte, die sich nicht oder nur marginal realisieren konnten (etwa Vorstellungen trotzkistischer oder anarchistischer Richtungen) wird die Frage nach zukünftigen praktischen Formen der Organisation der Wirtschaft nicht beantworten können. Sie helfen aber, die Probleme zu verstehen, die entstehen, wenn Menschen versuchen, eine gerechtere Wirtschaft im Sinne einer Volkswirtschaft, nicht einer Nischenökonomie, aufzubauen. Es wird sich zeigen, dass die Probleme und Widersprüche der realsozialistischen Planwirtschaften nicht, wie meist getan, einfach auf Machtstreben einer Partei oder gar auf die Unfähigkeit einzelner FunktionärInnen zurückzuführen sind. Es wird sich zeigen, dass die Interessen von Menschen nicht unbedingt ideologischen Mustern folgen - auch nicht denen, die von den Kritikern der Planwirtschaften aus verschiedenen Richtungen vorgebracht werden. Deshalb wird sich dieses Lernangebot auch relativ ausführlich mit den Diskussionen um Planung und Planwirtschaft sowie mit der Praxis der Planwirtschaft im Realsozialismus befassen.
  1. Woher kommt die Idee einer geplanten Wirtschaft?
  2. Wie wurde diese Idee erstmals umgesetzt?
  3. Was wurde in diesem Zusammenhang diskutiert?
  4. Wie lief Planung im Realsozialismus ab?
  5. Welche Rolle spielten die Beschäftigten im Planungsprozess?
  6. Wie wird die Planungsfrage heute diskutiert?
  7. Welche praktische Bedeutung hat diese Diskussion?
  8. Glossar
Projektverantwortliche: E-Mail Link folgtDr. Sabine Nuss
Workshop "total verplant", Juni 2008 interner Link folgtweiter Beiträge zum Workshop interner Link folgtweiter