Kapitalvernichtung, -entwertung

Zu unterscheiden sind die direkte, physische K (etwa durch Krieg oder Feuer), Prozesse der „moralischen“ Entwertung durch konkurrenzvermittelte technologische Entwicklungen sowie der plötzlichen Entwertung aufgrund von Krisen. Entscheidend ist, dass die Akkumulation des Kapitals ohne periodische K nicht möglich ist. K ist Grundlage der Neuinvestition und zugleich Folge der Konkurrenz. Letztere führt zu „teilweiser Depreziation funktionierender Kapitale“ als Folge der durch die Aussicht auf Extraprofit angetriebenen Produktivkraftentwicklung (K I, 23/632). Sie führt stets zum „Untergang vieler kleinerer Kapitalisten, deren Kapitale teils in die Hand des Siegers übergehen, teils untergehen“ (655). In großem Umfang wirken die Wirtschaftskrisen als Prozesse der K: „Insofern der Reproduktionsprozess stockt, der Arbeitsprozess beschränkt wird oder stellenweise ganz stillgesetzt wird, wird wirkliches Kapital vernichtet. Die Arbeit Maschinerie, die nicht gebraucht wird, ist nicht Kapital. Die Arbeit, die nicht exploitiert wird, ist soviel wie verlorene Produktion“ usw. (TM, 26.2/496). Darüber hinaus „meint Zerstörung des Kapitals durch Krisen Depreziation von Wertmassen, die sie hindert, später wieder ihren Reproduktionsprozess als Kapital auf der selben Stufenleiter zu erneuern“, was sich allerdings auf den „Tauschwert des existierenden Kapitals“ des „alten Kapitalisten“ bezieht. Gerade diese „Vernichtung“ des „nominellen Kapitals“ eines Unternehmens, kann, „da sie den Gebrauchswert nicht trifft“, in der Hand eines anderen Kapitalisten, der sie billig ersteht, „die neue Reproduktion sehr fördern“ (ebd.) „Was nun den Fall von bloß fiktivem Kapital, Staatspapieren, Aktien etc. betrifft – so – soweit er es nicht zum Bankrott des Staates und der Aktiengesellschaft treibt, soweit dadurch nicht überhaupt die Reproduktion gehemmt wird [...] –, ist es bloß Übertragung des Reichtums von einer Hand in die andere und wird im ganzen günstig auf die Reproduktion wirken, sofern die Parvenüs, in deren Hand diese Aktien oder Papiere wohlfeil fallen, meist unternehmender sind als die alten Besitzer.“ (496f) Auf diese Wiese bilden Krisen wieder Ausgangspunkt für neue Akkumulationszyklen. Darin drückt sich die Dialektik der kapitalistischen Produktionsweise aus, die zugleich mit der massiven Verschwendung gesellschaftlicher Ressourcen durch Überakkumulation und krisenhafte Vernichtung von Kapital zur  ungeheuren Entwicklung der Produktivkräfte treibt. Mit ihnen entwickeln sich untrennbar die Destruktivkräfte, die zu einer globalen ökologischen Krise führen, welche mittelfristig – wie der Wirbelsturm Katrina in New Orleans 2005 ankündigte – in Wellen katastrophischer K zurück schlägt (vgl. Stern-Report 2006). 1. physische K: Die gewaltsame physische Vernichtung sowohl von Produktionsmitteln wie von potenziell ausbeutbaren Arbeitskräften in zwischenstaatlichen Kriegen oder Bürgerkriegen ist kein Spezifikum von Gesellschaften in denen kapitalistische Produktionsweise herrscht, doch nur in letzteren nimmt dies die Form der Vernichtung von Kapital an. Krieg, bemerkt Marx in Elend, ist „unmittelbar ökonomisch dasselbe, als wenn die Nation einen Teil ihres Kapitals ins Wasser würfe“ (4/63). Darüber hinaus treibt die Konkurrenz der Kapitalien Gewaltverhältnisse an. Für Marx übertragen sich „Habsucht und der Krieg unter den Habsüchtigen, die Konkurrenz“ (40/510f) in die Konkurrenz der Staaten, zur gewaltsamen Eroberung fremder Märkte, Rohstoffe und Arbeitskräfte und zeitgleichen Vernichtung des Kapitals der Konkurrenten (z.B. 23/779ff). Für Engels haben liberale Freihandelsdoktrin und kapitalistische Expansion „ihr bestes getan [...], um durch die Auflösung der Nationalitäten die Feindschaft zu verallgemeinern“ (1/504). Der Einsatz von Kapital zur Produktion von Waffen dient insofern der Destruktion konkurrierender Kapitale, so wird der „Militarismus“ zum „Gebiet der Kapitalakkumulation“ (Luxemburg, GW 5, 404). Für Henryk Grossmann hingegen ist der „Militarismus ein Gebiet der unproduktiven Konsumtion“, indem „Werte verpulvert“ und die Akkumulation verlangsamt werden (1929, 371). Die „Zerstörungen und Entwertungen des Krieges“ jedoch ist ein vorzügliches „Mittel, den drohenden Zusammenbruch“ in Folge von Überakkumulation „abzuschwächen, der Kapitalakkumulation frische Luft zu verschaffen“ (369). „Seit der Einführung der Maschinerie bekämpft der Arbeiter das Arbeitsmittel selbst, die materielle Existenzweise des Kapitals. Er revoltiert gegen diese bestimmte Form des Produktionsmittels als die materielle Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise.“ (23/451) Angesichts der Folgen der Maschinerie – Freisetzung und Verbilligung der Arbeitskraft, Intensivierung der Arbeit, zunehmende Entfremdung und Unterjochung unter den Takt der Maschine, Zerstörung der kleinen Warenproduktion – kommt es während des  18. Jh. zur Arbeiterrevolten z.B. (gegen mechanische Webstühle) und im 19. Jh. zur Bewegung der sog. Maschinenstürmer und „Ludditen“ sowie massenhaften Zerstörung von Kapital. Das Kapital proklamiert die Maschinerie als „das machtvollste Kriegsmittel zur Niederschlagung der periodischen Arbeiteraufstände, strikes usw.“ (459) – „Das Arbeitsmittel erschlägt den Arbeiter“ (455), folglich zerschlägt der Arbeiter das Arbeitsmittel. Marx folgert: „Es bedarf Zeit und Erfahrung, bevor der Arbeiter die Maschinerie von ihrer kapitalistischen Anwendung unterscheiden und daher seine Angriffe vom materiellen Produktionsmittel selbst auf dessen gesellschaftliche Exploitationsform übertragen lernt.“ (452) 2. ›moralischer Verschleiß‹: Kapital wird „beständig umgewälzt durch den Fortschritt der Industrie“, dabei allerdings nicht in seiner „ursprünglichen Form ersetzt, sondern in der umgewälzten Form“ (24/171). Die Masse des „fixen Elements des konstanten Kapitals“ (448), das „in einer bestimmten Naturalform angelegt ist und innerhalb derselben eine bestimmte Durchschnittslebenszeit auszudauern hat“, liefert „einen Grund der nur allmählichen Einführung neuer Maschinen etc., und daher ein Hindernis gegen die rasche allgemeine Einführung der verbesserten Arbeitsmittel“ (171).  Doch zwingt der Konkurrenzkampf „die alten Arbeitsmittel vor ihrem natürlichen Lebensende durch die neuen zu ersetzen. Es sind hauptsächlich Katastrophen, Krisen, die solche vorzeitige Erneuerung des Betriebsgeräts auf größerer gesellschaftlicher Stufenleiter erzwingen“ (ebd.). Die Maschine unterliegt – etwas missverständlich formuliert – einem „moralischen Verschleiß“: „Sie verliert Tauschwert im Maße, worin entweder Maschinen derselben Konstruktion wohlfeiler reproduziert werden können oder bessere Maschinen konkurrierend neben sie treten. In beiden Fällen ist ihr Wert, so jung und lebenskräftig sie sonst noch sein mag, nicht mehr bestimmt durch die tatsächlich in ihr selbst vergegenständlichte, sondern durch die zu ihrer
eignen Reproduktion oder zur Reproduktion der besseren Maschine notwendige Arbeitszeit. Sie ist daher mehr oder minder entwertet“ (23/426f). „Je kürzer die Periode, worin ihr Gesamtwert reproduziert wird, desto geringer die Gefahr des moralischen Verschleißes, und je länger der Arbeitstag, umso kürzer jene Periode.“ (427) Daher: „maßlose Verlängerung der Arbeitszeit, des Arbeitens mit wechselnder Schicht bei Tag und bei Nacht, damit in kürzerem Zeitraum [...] ihr Wert sich reproduziert“ (25/123). Marx (23/427, Fn. 148) zitiert Charles Babbage, der heraus stellt, wie „bedeutende und zahlreiche Verbesserungen“ mitunter in einer Geschwindigkeit erfolgen, „dass Maschinen unvollendet in der Hand ihrer Bauer blieben, weil sie durch glücklichere Erfindungen bereits veraltet waren“ (1835, 233). Babbage schätzt, dass „eine einzige Maschine nach einem neuen Modell zu konstruieren fünfmal soviel kostet als die Rekonstruktion derselben Maschine nach demselben Modell“ (212). Es droht die Entwertung neuer Kapitalgüter durch die allerneuesten, wie Andrew Carnegie Ende des 19. Jh. notiert: als sein Assistent Charles Schwab von einem neuen, überlegenen Entwurf einer Metallwalze hörte, verlangte er ein drei Monate altes Walzwerk abzureißen und entsprechend modernisiert wieder aufzubauen (zit.n. Livesay 2000, 130). Mit der Entwicklung komplizierter Maschinen und Maschinensysteme wächst jedoch der Einsatz konstanten Kapitals und damit die Notwendigkeit seiner Erhaltung durch eine längere Lebensdauer. Dies steht im Widerspruch zur  Beschleunigung der Produktivkraftentwicklung, die die Notwendigkeit des beständigen Ersatzes der Produktionsmittel „infolge des moralischen Verschleißes, lange bevor sie physisch ausgelebt sind“ befördert (24/185). „Durch diesen eine Reihe von Jahren umfassenden Zyklus von zusammenhängenden Umschlägen, in welchen das Kapital durch seinen fixen Bestandteil gebannt ist, ergibt sich eine materielle Grundlage der periodischen Krisen“ (ebd.). Die Amortisation des eingesetzten Kapitals wird angesichts der beschleunigten technologischen Entwicklung bedroht: In den USA gegen Ende des 19. Jh. z.B., nahm die Entwertung von Kapitalien solche Ausmaße an, dass es zu einer längeren Krise der Profitabilität kam, obwohl die Ökonomie damals wuchs, ebenso in den Prosperitätsjahren vor 1929, als „ungefähr die Hälfte der Unternehmungen mit Verlust, mit Gewinn gleich Null oder mit einem Gewinn“ arbeitete, der „nicht genügt hätte, um die notwendigen Anstrengungen und Ausgaben hervorzurufen“ (Schumpeter 1942, 148). „Indessen“, so Marx zwei Generationen zuvor, „bildet die Krise immer den Ausgangspunkt einer großen Neuanlage. Also auch – die ganze Gesellschaft betrachtet – mehr oder minder eine neue materielle Grundlage für den nächsten Umschlagszyklus.“ (186) 3. krisenhafte Entwertung: Eine Situation der Überakkumulation von Kapital kann durch krisenhafte Prozesse zur „Ausgleichung“ gebracht werden (25/263), insbesondere „durch Brachlegung und selbst Vernichtung von Kapital in größerem oder geringerem Umfang. Dies würde sich erstrecken zum Teil auf die materielle Kapitalsubstanz; d.h. ein Teil der Produktionsmittel, fixes und zirkulierendes Kapital, würde nicht fungieren, nicht als Kapital wirken; ein Teil begonnener Produktionsbetriebe würde stillgesetzt werden. Obgleich, nach dieser Seite, die Zeit alle Produktionsmittel (den Boden ausgenommen) angreift und verschlechtert, fände hier infolge der Funktionsstockung weit stärkere wirkliche Zerstörung von Produktionsmitteln statt. Die Hauptwirkung nach dieser Seite hin wäre jedoch, dass diese Produktionsmittel aufhörten, als Produktionsmittel tätig zu sein“ (264). Die „Hauptzerstörung“ träfe nicht so sehr den Gebrauchswertcharakter der Produktionsmittel als vielmehr „das Kapital, soweit es Werteigenschaft besitzt“. Insbesondere „der Teil des Kapitalwerts, der bloß in der Form von Anweisungen auf künftige Anteile am Mehrwert, am Profit steht“, also Schuldscheine, Anleihen, Aktien etc., „wird sofort entwertet mit dem Fall der Einnahmen, auf die er berechnet ist“. Auch ein „Teil des baren Goldes und Silbers liegt brach, fungiert nicht als Kapital. Ein Teil der auf dem Markt befindlichen Waren kann seinen Zirkulations- und Reproduktionsprozess nur vollziehen durch ungeheure Kontraktion seiner Preise, also durch Entwertung des Kapitals, das er darstellt“ (264). „Diese Störung und Stockung paralysiert die [...] Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, unterbricht an hundert Stellen die Kette der Zahlungsobligationen an bestimmten Terminen, wird noch verschärft durch das damit gegebene Zusammenbrechen des gleichzeitig mit dem Kapital entwickelten Kreditsystems und führt so zu heftigen akuten Krisen, plötzlichen gewaltsamen Entwertungen und wirklicher Stockung und Störung des Reproduktionsprozesses und damit zu wirklicher Abnahme der Reproduktion.“ (264f) Gleichzeitig aber hätte „die Stockung der Produktion“ einen „Teil der Arbeiterklasse brachgelegt“ und dadurch eine Senkung des Arbeitslohns der beschäftigten Arbeiter unter den Durchschnitt erzwungen; „eine Operation, die für das Kapital ganz dieselbe Wirkung hat, als wenn beim Durchschnittslohn der relative oder absolute Mehrwert erhöht worden wäre“ (265). „Ferner würde die Entwertung der Elemente des konstanten Kapitals selbst ein Element sein, das Erhöhung der Profitrate einschlösse. Die Masse des angewandten konstanten Kapitals, gegen das variable, wäre gewachsen, aber der Wert dieser Masse könnte gefallen sein. Die eingetretne Stockung der Produktion hätte eine spätere Erweiterung der Produktion – innerhalb der kapitalistischen Grenzen – vorbereitet.“ (ebd.) Für Marx sind die Krisen daher „immer nur momentane gewaltsame Lösungen der vorhandnen Widersprüche, gewaltsame Eruptionen, die das gestörte Gleichgewicht für den Augenblick wiederherstellen“ (259). Dennoch zeigt sich „gerade“ in der „Tendenz zur absoluten Entwicklung der Produktivkräfte, die beständig in Konflikt gerät mit den spezifischen Produktionsbedingungen“, die „Schranke der kapitalistischen Produktionsweise“ (268). Die „Widersprüche führen zu Explosionen, Katastrophen, Krisen, in denen durch momentane Einstellung der Arbeit und die Vernichtung eines großen Teils des Kapitals, das letztere gewaltig reduziert wird bis zu dem Punkt, von welchem aus es weiter kann, in der Lage ist, seine Produktivkräfte voll anzuwenden, ohne Selbstmord zu verüben. Jedoch diese regelmäßig wiederkehrenden Katastrophen führen zu deren Wiederholung auf höherer Stufe und schließlich zu seinem gewaltsamen Umsturz“ (42/643). 4. Aus dem Versuch der Vermeidung der K rührt für Rudolf Hilferding u.a. die Tendenz zu Monopolbildung und Kartellierung, „ihr Zweck ist die Erhöhung der Profitrate“ durch Fusion, Ausschaltung der Konkurrenz und „Erhöhung der Preise“ (1910, 308). Dies erfolgt „auf Kosten der Profitrate der anderen kapitalistischen Industrien“, die „unter ihren gesellschaftlichen Durchschnitt“ gedrückt werden (312), Profitratendifferenzierung ist die Folge (313). Die Höhe des Monopolpreises ist dabei zweifach begrenzt, einerseits durch die Gefahr des Nachfragerückgangs durch die Konsumenten, andererseits durch die Notwendigkeit, „den nichtkartellierten Industrien eine Profitrate“ zu lassen, „die die Fortführung der Produktion ermöglicht“ (315). Auch die kontrollierte „Einführung neuer Technik“, die eingeführt werden muss, damit es kein anderer tut, führt zu Erhöhung des Profits, indem die dadurch erzielte Verbilligung der Produktion nicht durch Preissenkung an den Konsumenten weitergegeben wird. Damit die mit der Verbesserung verbundene Ausdehnung der Produktion nicht zur Absatzkrise führt, werden Konkurrenten aufgekauft und stillgelegt, ihr Kapital vernichtet (316f). Hinzu treten protektionistische Maßnahmen. Monopolistische Strategien gleichen so „Konjunkturunterschiede aus und“ bewirken „eine größere Stetigkeit der Profitrate“ (254). Durch die „ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten“, so Lenin (Imp, LW 22, 281), kann die K gehemmt werden. Doch „die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen“ (212), vielmehr „verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt“ (281). Maurice Dobb sieht in dem Willen zur Erhaltung ihres eingesetzten Kapitals eine Investitionsverweigerung der „eingesessenen Monopole“ (1963, 78). 5. Für Joseph Schumpeter wie für Marx sind die Entwicklung der Produktivkräfte bzw. Innovationen und die mit ihnen verbundene Vernichtung und Entwertung von Kapital „der fundamentale Antrieb, der die kapitalistische Maschine in Bewegung setzt“. Ein Prozess, „der unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft“, und den Schumpeter als „Prozess der ›schöpferischen Zerstörung‹“ bezeichnet (1942, 137f). Wo „die neue Ware oder Produktionsmethode konkurrenzierend auftritt“, hat sie „die Zerstörung von Kapitalwerten zur Folge“ (157). Es hat „gewiss keinen Sinn, dass man eine veraltete Industrie auf unbestimmte Zeit hinaus zu erhalten sucht; es hat jedoch einen Sinn, dass man ihren plötzlichen Zusammenbruch“, die Vernichtung des Kapitals, „zu vermeiden und eine wilde Flucht, die zum Ausgangspunkt kumulativer, depressiver Wirkungen werden kann, in einen geordneten Rückzug“ oder Übergang „zu verwandeln sucht“ (148). „Vollkommene und sofortige Beweglichkeit kann sogar sinnlose Katastrophen erzeugen“ (172). Für Schumpeter sind monopolistische Praktiken der Großunternehmen eine Strategie, die es zunächst erlaubt, die wachsenden Mittel für Forschung und Entwicklung aufzubringen und über entsprechende Preispolitiken die plötzliche Entwertung fixen Kapitals zu vermeiden (160ff). Auf diese Weise werde der Fortschritt eher befördert. „Der Hauptwert, den die durch Patente oder monopolistische Strategie gesicherte Stellung des ›einzigen Verkäufers‹ für einen Konzern hat, besteht nicht so sehr in der Möglichkeit, sich zeitweilig gemäß des monopolistischen Schemas zu verhalten, als vielmehr im Schutz, den sie gegen die zeitweilige Desorganisation des Marktes gewährt, und in der Zeitspanne, die sie für die langfristige Planung“ und Amortisation der Entwicklungskosten sichert (168). Sozialisten empfiehlt er weniger gegen Monopolbildung einzutreten und somit unabsichtlich die freie Konkurrenz zu befördern, als sich „auf die Vorzüge einer sozialistischen Wirtschaft zu berufen“ (175): Vor allem bei Fällen die Investitionen „größten Ausmaßes“ erfordern, „können Methoden“ nötig werden, „um Hindernisse wegzuräumen, die die Institution des Privateigentums dem Fortschritt in den Weg legt“ (146f). 6. Gesamtgesellschaftlich gilt grundsätzlich: „Wenn die Krise eine Begleiterscheinung von Überakkumulation und Fall der Profitrate ist, dann wird eine neue Blütephase von Wachstum und Wohlstand durch Prozesse vorbereitet, in deren Verlauf die Profitrate wieder steigen kann, weil überakkumuliertes Kapital vernichtet worden ist.“ (Altvater 1992, 57) Für das Einzelkapital kann dies dennoch Ruin und vollständige Vernichtung bedeuten, so dass nach Möglichkeit zur Vermeidung krisenhafter K gesucht wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg werden nicht plötzliche Bankrotte und gewaltsame Vernichtung von Kapital durch Krisen zur bestimmenden Form der K, vielmehr kommt es zu einem permanenten Prozess stetiger Entwertung: Die „monopolistische Konkurrenz“, so Michel Aglietta, entwickelt „neue Modalitäten der Kapitalentwertung“ (1979, 313). Unternehmen können versuchen, ihre Profite zu stabilisieren, indem sie „die eigenen Absatzpreise entsprechend“ erhöhen – in der Regel treibt dann „der Preis den Preis“ an und „die Gefahr einer Progression des Inflationsschritts“ droht. Daher ist für Werner Hofmann das probatere Mittel „eine dem tatsächlichen Verzehr der Produktionsobjekte vorauseilende Abschreibung“ (1962b, 187f) und zwar nicht auf den tatsächlichen Anschaffungspreis der Anlagen, sondern „auf den höheren Wiederbeschaffungspreis“ (1962a, 119). Gefördert wird dies bspw. in der BRD durch die steuerlichen Möglichkeiten degressiver Abschreibung, was einer öffentlichen Subventionierung privater Kapitalentwertung gleichkommt. Ergebnis ist eine enorm beschleunigte (fiktive) Amortisation und – anders als Lenin es von monopolistischen Strategien erwartete – Fortentwicklung der Technik durch einen nicht kreislauf-induzierten, sondern permanenten „Zwang zur Rationalisierungsinvestition“, was nicht zuletzt den Trend zur Automatisierung begründet, insbesondere „wenn die als Ergebnis der Anwendung verbesserter Maschinerie erwartete Senkung der Produktionskosten größer ist als der gleichzeitige Verlust aus dem vorzeitigen Ausscheiden der bisherigen Anlageobjekte“ (Hofmann 1962b, 189; vgl. Klaassen 1961, 218).  „Das Resultat ist eine gigantische Verschwendung gesellschaftlicher Ressourcen, die in rechnerischen Werten vollständig verschleiert wird, da sie nicht als Verluste verbucht werden.“ (Aglietta 1979, 314). Daraus ergibt sich ein Widerspruch: „Der Austausch findet statt, so dass das Äquivalenzprinzip gewahr bleibt; doch wird Kapital entwertet,  so dass sich notwendig ein nicht-äquivalentes Verhältnis ergibt, ein gesellschaftlicher Verlust an Wert. Es gibt nur einen Weg diesem Widerspruch zu entrinnen, und zwar indem das allgemeine Äquivalent selbst an Wert verliert.“ (206) Es kommt zur Entwertung des Geldes durch (schleichende) Inflation. Darüber hinaus führt die vorzeitige Amortisation und Reinvestition zum Anwachsen des konstanten Kapitalanteils. Dies führt mittelfristig zu „einer Kapitalentwertung, die schneller verläuft, als der Anstieg der relativen Mehrwertrate“ (206). Konsequenz sind ein Anstieg der organischen Zusammensetzung des Kapitals und „eine wachsende Wahrscheinlichkeit, dass die eingesetzten Produktionsmittel obsolet werden“ (104). „Je stärker die Kapitalentwertung sich beschleunigt, [...] desto schneller wächst der Wertverlust des Geldes, der notwendig ist, um den Austausch zu gewährleisten, was wiederum ein beschleunigtes Wachstum des monetären Ausdrucks der Arbeitsstunde nach sich zieht.“ (207) Doch ist dies gerade der Charakter der „säkularen“ oder „institutionalisierten Inflation“: sie ermöglicht eine kontrollierte K, eine beschleunigte Expansion der Ökonomie wie der Nachfrage und trägt auf diese Weise zur Milderung des Klassengegensatzes bei (Hofmann 1962b, 194). Bei den Lohnerhöhungen handelt es sich allerdings nicht unbedingt um Reallohn-, sondern Nominalerhöhungen: diese „steigen ausreichend schnell, um einen Abfall der effektiven Nachfrage zu vermeiden, aber ebenso ausreichend langsam“, um unterhalb des in den Bruttoprofiten eingepreisten Amortisationsfonds zu verbleiben (Aglietta 1979, 207). Es erfolgt eine Verschiebung der Kosten vorzeitiger Abschreibung und Inflationierung auf Kosten der Lohnabhängigen, „durch Wertverlust der Kaufkraft von Löhnen“ (110). „Es ist freilich Kennzeichen aller ›konservativen Revolutionen‹, dass sie die Probleme nicht lösen, sondern verschieben.“ (Hofmann 1962b, 196) Es kommt zu einer wechselseitigen Verstärkung von vorzeitigen Abschreibungen, Geldentwertung, Nominallohnerhöhungen, Preissteigerung, erneuter Abschreibung etc. – einer sog. Kost-Preis-Lohn-Spirale (Dunford 1995, 130), die „in Hochinflation umzuschlagen“ droht (Hofmann 1962b, 198). Parallel kommt es durch Konzentration konstanten Kapitals zu einer disproportionalen Entwicklung zwischen den Abteilungen I (Produktionsmittel) und II (Konsumtionsmittel) der Produktion (Aglietta 1979, 104; 205f). Die Steigerung der Arbeitsproduktivität stabilisiert zwar die Profitrate, führt aber tendenziell zu Arbeitslosigkeit und sinkender Konsumnachfrage: ein „ständiger Investitionsüberhang“ ist notwendig, „soll der Zustand der Vollbeschäftigung erhalten bleiben“ (Hofmann 1962b, 201), was durch keynesianische Steuerpolitik zugunsten von Investitionen auch befördert wird, zugleich die Disproportionen befördert und immer höhere Abschreibungen nötig macht, also die Inflation antreibt. Die Vermeidung und Verschiebung der K gewährleistet so bis Ende der 1960er Jahre eine relative stabile Kapitalakkumulation, auf Kosten einer späteren Zuspitzung der Krise, die in den 1970er Jahren als Stagflation (Stagnation bei hoher Inflation) bekannt wird und eine lang anhaltende Situation von Überakkumulation und Überproduktion mit sich brachte (Brenner 2002). Der massiven Entwertung von Geldvermögen wurde – frühzeitig durch die Deutsche Bundesbank gefordert – ab Ende der 70er Jahre ausgehend von den USA (›Reaganomics‹, gefolgt vom ›Thatcherismus‹ in England) Einhalt geboten durch die massive Anhebung der Zinsraten und den Übergang zu restriktiven Geld- und (in den USA verzögerten) Haushaltspolitiken. Um den Schock auf die Konjunktur zu dämpfen, werden unter Präsident Reagan noch enorme Haushaltsmittel für die Steuerentlastung von Vermögenden und Rüstung verwendet. In Folge von Überakkumulation, der hohen Zinsen und dann auch eingeschränkter staatlicher wie Konsumnachfrage kommt es zu Pleiten, Desintegration der großen Produktionskomplexe und ihrer Re-Zentralisierung, zu Fusionswellen und schließlich massenhaften Neugründungen, die alle auf widersprüchliche Weise spiegeln, wie mangelnde Verwertungsmöglichkeiten des Kapitals und die Erschließung neuer Branchen und Anlagemöglichkeiten über krisenhafte Such- und Reorganisationsprozesse miteinander verquickt sind. „K, Veränderungen des Arbeitsprozesses und neue Verbindungen zwischen Branchen bewirken eine Verbilligung des Gesamtwerts des Produktivkapitals“ und heben auf diese Weise „die Mehrwertrate und die Rendite des eingesetzten Kapitals wieder an“ (Aglietta 1979, 224). D.h. die Bewegungsform der Überakkumulationskrise ist eine enorme Beschleunigung der Produkt- und Entwicklungszyklen, die mit permanenten Prozessen der K verbunden ist, anschaubar in den ›Rostgürteln‹, die sich durch die USA und Europa zogen. Sie eröffnet damit Möglichkeiten zur Neuanlage (also auch zum Abbau von Überakkumulation), bedroht jedoch die Verwertungssicherheit (und trägt zur Hemmung von spezifischen Investitionen und Abbau von Überakkumulation bei). „Eine Phase massiver K“, führt also „einerseits zur Wiederherstellung der Profitabilität“, „andererseits geht damit einher, eine Verspätung oder Verzögerung der materiellen Erneuerung der Produktionsmittel im Verhältnis zur theoretischen Erneuerung“ (226). 7. Die Situation der Überakkumulation konnte jedoch nicht beseitigt werden. Fallen die privaten Schuldner, d.h. Unternehmen die aufgrund fallender Profitraten und hoher Realzinsen weniger investieren und sich somit nicht in ausreichendem Maße verschulden, aus, so setzt, um den Wert der Geldvermögen zu garantieren, ein Prozess der öffentlichen Verschuldung ein, da sich sonst erneut eine Situation der Überliquidität mit niedrigen Zinssätzen ergibt und eine Entwertung von Geldvermögen (durch Inflation oder Börsencrash) mit entsprechenden weltwirtschaftlichen Folgen droht. Eine krisenhafte K wird damit verhindert, die ›Bereinigung‹ der Situation jedoch verzögert und so die Situation der Überakkumulation verlängert (Brenner 2002). Mit der Liberalisierung der Weltfinanzmärkte zum Ende des 20. Jh. eröffnen sich spekulative Investitionsmöglichkeiten, für liquides Kapital. Folge ist eine monetäre Akkumulation, durch deren Verselbständigung der realwirtschaftliche Sektor ausgehöhlt und der Akkumulationsprozess „von der monetären Seite“ her tendenziell „blockiert“ wird (Hübner 1988, 62). Doch mit dem Wachstum der Geldvermögen steigen auch die Zinsansprüche und damit der Zwang zur Produktion weiteren Mehrwertes. An Unternehmungen werden Renditeerwartungen gestellt, die, wenn die Zins- über der Profitrate liegt, zwangläufig aus der produktiven Substanz bedient werden müssen (Altvater/Mahnkopf 1996, 169) – Unternehmen oder Betriebsteile, denen dies nicht gelingt werden abgestossen oder brachgelegt, ihr Kapital entwertet bzw. vernichtet. Durch die Spekulation werden zugleich enorme Finanzmittel zur Finanzierung neuer Branchen und Produkte bereitgestellt, die Umwälzung von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen im Übergang zur informationstechnologischen Produktionsweise beschleunigt. Die relative Entkopplung der monetären von der realen Akkumulation führt jedoch immer wieder zu einer gigantischen Aufblähung der Kurse fiktiven und zinstragenden Kapitals. Die Kursentwicklung von Aktien bspw. entkoppelt sich immer wieder von der realen Wertentwicklung in den Unternehmen und erreicht während des Aktienbooms der 1990er Jahre eine geschätzten Überbewertung von 50% (asset-price-inflation, Seitz 2000, 16). Letztere misst sich am Verhältnis von Aktienkursen in realen Preisen und Profiten der börsennotierten Unternehmen. Dieses Verhältnis erreicht Doug Henwood zufolge Ende 1999 Rekordhöhen, die nur zur Zeit der großen Depression 1932 noch übertroffen wurden, als die Profite gegen Null tendierten und Aktien dennoch ihren Wert halten konnten (1999, 129). Entsprechend kommt es periodisch zu Krisen. Der intermittierene Zusammenbruch der sog. New Economy hat allein 2002 geschätzte 1,4 Billionen US-Dollar fiktiven Kapitals vernichtet (Bunzenthal 2003, 17). Doch heißt Vernichtung fiktiven Kapitals in vielen Fällen auch echte Stockung der Reproduktion, Bankrott von Banken, Unternehmen, Vernichtung von Arbeitsplätzen, Ersparnissen, Pensionsansprüchen etc. und spiegelt die Irrationalität der kapitalistischen Produktionsweise. interner Link folgtMario Candeias, Entwurf eines Stichwortes für das Historisch-kritische Wörterbuch des Marxismus, hgg. von W.F.Haug 
Bibliographie:
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