Staatsanleihe

Eine Staatsanleihe ist ein festverzinsliches Wertpapier und die wichtigste Form, wie sich Staaten auf den Finanzmärkten Kredit nehmen. Für die Bundesrepublik Deutschland gibt die Deutsche Finanzagentur die Anleihen aus. Die Agentur ist in Bundesbesitz und führt das Schuldenmanagement durch. Eine Anleihe hat einen Nennwert. Zu diesem Wert wird sie erstmalig ausgegeben, und auf diesen Wert bezieht sich auch der festgelegte Zinssatz. Für einen Kredit von einer Million Euro vergibt die Finanzagentur bspw. zehn Anleihen zu einem Nennwert von 100.000 Euro. Weil die Bundesrepublik als sicherer Schuldner gilt, muss sie wenig Zinsen bezahlen – derzeit etwa 2,2% (im Folgenden zur Vereinfachung 2%). Die Laufzeit einer Staatsanleihe beträgt 10 bis 30 Jahre. Während dieser Laufzeit bekommen die Besitzer der Anleihe jährlich Zinsen, 2% auf 100.000 Euro, d.h. 2.000 Euro. Nach Beendigung der Laufzeit wird die aufgenommene Summe zurückbezahlt – für die Rückzahlung werden meist neue Kredite aufgenommen („Roll over“). Anleihen werden während der Laufzeit auch gehandelt, d.h. an der Börse ge- und verkauft. Jedoch nicht unbedingt zum Nennwert. Ein vereinfachtes Beispiel: Sinkt die Kreditwürdigkeit Deutschlands und muss es für neu aufgenommenen Kredit höhere Zinsen zahlen, dann werden die alten Anleihen nur gekauft, wenn sie eine gleich hohe Rendite abwerfen. Anleger wären ja sonst schön blöd, die weniger rentablen Anleihen zu kaufen. Was bedeutet das? Verdoppelt sich für eine neu ausgegebene Anleihe von 100.000 Euro der Zinssatz von 2% auf 4%, so bekommt der Besitzer der Anleihe jährlich 4.000 Euro. Das ist das Doppelte der alten Anleihe, trotz gleichem Nennwert. Die alte Anleihe kann deshalb nicht mehr für 100.000 Euro verkauft werden, niemand würde sie kaufen. Ist der gegenwärtige Marktzins 4%, fragen sich die Händler, wie viel eine Anleihe wert ist, die bei 4 % Zinsen 2.000 Euro abwerfen würde. Das sind die Konditionen der alten Anleihe. Ergebnis: Eine Anleihe mit einem Wert von 50.000 Euro würde bei einem Zinssatz von 4% diese Rendite abwerfen. Das bedeutet: Obwohl die alte Anleihe einen Nennwert von 100.000 hat, kann sie nur für 50.000 Euro weiterverkauft werden. Damit wäre sie mit der neuen Anleihe gleich rentabel. Dieser Mechanismus greift auch dann, wenn die Anleger eine Zinserhöhung erwarten und deshalb nicht bereit sind, für Anleihen den vollen Nennwert zu bezahlen. Das passiert, wenn Zeitung titeln: „Rendite griechischer Staatsanleihen ziehen kräftig an“. Umgekehrt wird das Sinken des Kurswerts einer Anleihe selbst als Hinweis darauf gedeutet, dass die Zinsen steigen müssen, der Gläubiger keine gute Bonität (Kreditwürdigkeit) mehr vorweist. Im realen Handel mit Anleihen werden noch andere Faktoren berücksichtigt – etwa die Laufzeit.

aus: Kaufmann, S./Stützle, I.: Ist die ganze Welt bald pleite? Staatsverschuldung: Was sie ist und wie sie funktioniert. luxemburg argumente, RLS Berlin, Oktober 2011