Warum Ware, Geld und Markt im Sozialismus?

„Im Sozialismus haben wir es mit einer höher entwickelten, prinzipiell neuartigen historisch-konkreten Einheit von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen zu tun. Die Ursachen und der Charakter der Warenproduktion im Sozialismus müssen aus den Bedingungen des Sozialismus selbst, das heißt aus der historisch-konkreten Einheit von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen im Sozialismus, erklärt werden. Diese Einheit wird durch ein solches Entwicklungsniveau charakterisiert, das das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln und auf dieser Grundlage die gesamtgesellschaftliche Leitung und Planung der Volkswirtschaft objektiv notwendig macht... Das Volkseigentum ist die entscheidende ökonomische Grundlage für die politische Macht der Arbeiterklasse und für ihr Bündnis mit den Genossenschaftsbauern und den anderen Werktätigen... Die Dialektik von Vergesellschaftung und relativer ökonomischer Selbständigkeit der Betriebe ist für die historisch konkrete Einheit von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen im Sozialismus charakteristisch... Der Dialektik von Vergesellschaftung und relativer ökonomischer Selbständigkeit entspricht das Verhältnis von gesamtgesellschaftlicher Verantwortung für die optimale Planung des volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozesses und Eigenverantwortung der Betriebe für die optimale Gestaltung der betrieblichen Reproduktion auf der Grundlage verbindlicher zentraler staatlicher Planauflagen und Kennziffern... Ökonomisch ergibt sich die relative Selbständigkeit der Betriebe aus der Entwicklungsstufe der Arbeit und der Produktion. Die Entwicklungsstufe der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, Spezialisierung, Kooperation und Konzentration wird unter anderem durch eine Arbeitsteilung und Kooperation der produzierenden Wirtschaftseinheiten (Betriebe und Kombinate) gekennzeichnet, die gesamtgesellschaftlichen Charakter und gesamtgesellschaftliche Planmäßigkeit aufweisen... Einerseits ist die in den Betrieben verausgabte gesellschaftliche Arbeit unmittelbar gesellschaftliche Arbeit, indem sie im gesamtstaatlich geplanten Reproduktionsprozeß unmittelbar auf die bestmögliche Befriedigung der materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Wirtschaft und aller Mitglieder der sozialistischen Gesellschaft gerichtet ist... Andererseits ist die gesellschaftliche Arbeit im Sozialismus betriebliche Arbeit (betriebsindividuell verausgabte Arbeit), deren Verausgabung im einzelnen sich nach den jeweiligen betrieblichen Produktions- und Realisierungsbedingungen richtet und die als Arbeit verschiedener Betriebe ungleiche Arbeit ist...“ aus: Schließer, W. (Hrsg.): Wertgesetz und Wertkategorien in der sozialistischen Planwirtschaft, Berlin 1979