Strategien der Finanzinvestoren und ihr Einfluss auf die Gesellschaftsmodelle in Europa (2)

„Aktives Management“ und Corporate Governance – die Ausrichtung am “Shareholder Value“

Die zweite und in jüngster Zeit besonders favorisierte Strategie der Finanzinvestoren ist besteht in der Entwicklung von mehr „Aktionärs-Aktivismus“. Das Ziel dieser Strategie ist klar: sie soll zu schnellen und hohen Auszahlungen an die Aktionäre führen, oft zu Lasten des Aufbaus langfristiger strategischer Positionen und der langfristigen Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Die Philosophie, die dem zugrunde liegt, läuft auf die Behauptung hinaus, dass eine Aktiengesellschaft eine Angelegenheit von Aktionären für Aktionäre ist – und sonst nichts. Alle darüber hinaus gehenden Interessen unterschiedlicher Gruppen spielen keine Rolle. Diese strategische Ausrichtung unterscheidet sich wesentlich von der Finanzspekulation. Sie ist realitätsnäher insoweit sie anerkennt, dass Gewinne nicht in der Zirkulation durch spekulative Handelsgeschäfte entstehen, sondern in der Produktion durch „Restrukturieren“, Kostensenkung und die Produktion eines höheren Mehrwerts – in marxistischer Terminologie, in der stärkeren Ausbeutung der Arbeitskraft. Das umfasst auch heftige Angriffe auf die Unternehmenskultur und die Rechte der Beschäftigten, die in den ersten Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg durchgesetzt worden waren. Die Probleme, die diese aggressivere Strategie der Restrukturierung und Ausrichtung am Aktionärsinteresse mit sich bringen, beschränken sich nicht auf die Unternehmen, die von dem Druck und den Maßnahmen der Finanzinvestoren unmittelbar betroffen sind. Mindestens genauso gefährlich und insgesamt viel gefährlicher ist die Gefahr der systemischen Ansteckung. Damit ist die Übertragung der aggressiven Strategien von Hedgefonds und Private Equity auf die traditionellen institutionellen Investoren gemeint, die die wichtigsten Säulen der Finanzanlage und des Finanzmanagements sind, und von da auf die Unternehmensführung in der Wirtschaft insgesamt. Dieser Übertragungsmechanismus beruht auf der Tatsache, dass institutionelle Investoren überwiegend private Unternehmen sind, die untereinander um das Geld ihrer Investoren oder letztendlichen Vermögensbesitzer konkurrieren. Der wichtigste Hebel der Konkurrenz ist das Versprechen, hohe Gewinne für die Geldgeber zu generieren. In einer derartigen Umgebung  definieren Hedgefonds Mindestschwellen für Renditen und setzen Standards für die Unternehmensführung. Wenn ein institutioneller Investor einen Teil seines Kapital bei Private Equity oder Hedgefonds platziert und daraus höhere Gewinne bezieht, führt das unweigerlich zu einem Druck auf andere Investoren, einschließlich Pensionsfonds, in ähnliche Anlageklassen zu investieren, um ein Abwandern der Kunden zu v erhindern. interner Link folgtweiter (Druck auf Regierungen für Steuersenkungen und Privatisierungen)