aus B. Huber: „Zukunft braucht Gerechtigkeit“

Aus dem Zukunftsreferat auf dem Gewerkschaftstag 2007 (Huber) „ ... unsere Arbeitswelt ist heute hochgradig differenziert. Die Arbeits- und Leistungsbedingungen am Band und in den Entwicklungsabteilungen unterscheiden sich gravierend. Produktionsarbeiter, technische Experten, im Service Beschäftigte – sie alle benötigen verlässliche Tarifregelungen. Aber die Bedürfnisse und Erwartungen, die aus ihrer Arbeit resultieren, sind sehr verschieden! Deshalb gilt: Wir müssen unsere Mitglieder beteiligen! Mit ihnen sprechen, sie um ihre Meinung fragen, damit wir in den Kernfragen der Arbeitszeit- und Leistungspolitik als IG Metall wieder stärker sichtbar werden. Mit differenzierten und passgenauen Antworten! In vielen Bereichen haben die Beschäftigten heute mehr Ergebnisverantwortung, mehr Freiheiten, aber auch mehr Druck. Gleichzeitig kommen die kurzzyklischen Tätigkeiten zurück, Schichtarbeit nimmt zu. Die Arbeitsanreicherung wird wieder zurückgefahren. Wir sind längst wieder bei Takten von unter einer Minute! Das ist physisch und psychisch ohne Ende aus-zehrend! Daran zerbrechen die Menschen auf Dauer! Wir müssen hier eingreifen! Wir brauchen einen neuen Aufbruch in unserer Arbeitszeit- und in unserer Leistungspolitik. Wir brauchen dafür eine flächendeckende Initiative der IG Metall. „Humanisierung der Arbeit“ haben wir das früher genannt. An diesen Aufbruch wollen wir wieder anknüpfen. Und diese Themen wieder zu einem unserer Schwerpunkte machen: „Gute Arbeit“ verwirklichen! Mit Antworten, die unserer Zeit entsprechen! Wir müssen Arbeitszeit vor allem dort wirksamer begrenzen, wo jede Minute zusätzlicher Arbeitszeit eine Zumutung ist! Für Arbeiten mit hohem kreativen Anteil müssen wir über neue Arbeitszeitregelungen nachdenken. Wir sehen doch gerade in den hochqualifizierten Bereichen, dass unsere klassischen Regelungsinstrumente oft nicht mehr greifen. Beschäftigte fordern dort vor allem mehr Zeitsouveränität und sie wollen, dass geleistete Arbeitszeit nicht einfach verfällt. Wir müssen diese Hinweise ernst nehmen. Wir können – etwa mit tariflichen Regelungen zu Arbeitszeitkonten – Möglichkeiten öffnen, Arbeitszeit und Freizeit stärker nach individuellen Bedürfnissen zu gestalten. Also nach den Bedürfnissen unserer Kolleginnen und Kollegen! Es ist höchste Zeit: wir brauchen eine neue Arbeitszeitdebatte! Ja, die brauchen wir! Sie muss aber ehrlich sein! Der tariflichen Wochenarbeitszeit von 35 Stunden steht eine durchschnittliche effektive Arbeitszeit von 39,9 Stunden gegenüber. Die Differenz ist so groß wie noch nie! Die IG Metall hat mit der 35 einen Markstein für eine menschengerechtere Arbeitszeit gesetzt. Das ist keine Monstranz, die man vor sich her tragen kann. Das ist Ergebnis eines harten Tarifkampfs und muss täglich neu erkämpft werden. Wir können die Arbeitszeitfrage heute nur mit differenzierten Antworten lösen. Weil die Menschen in ihren Arbeitssituationen und Bedürfnissen nun mal unterschiedlich sind! ... ”
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