Beschreibung
Nach dem Ende der Corona-Pandemie waren zwei Haltungen im gesellschaftlichen Feld zu beobachten. Zunächst dominierte ein gespenstisches Nichts-mehr-davon-wissen-wollen. Dann setzte sich die rechtspopulistische Erzählung vom Systemversagen durch. Quarantänekultur erzählt eine dritte Geschichte mit Fokus auf die von Millionen Menschen gelebte und geteilte Erkenntnis, dass soziale, lokale und ethnische Ungleichheit, Umweltzerstörung und Pandemien miteinander verstrickt sind und eine radikal andere Politik erforderlich wäre, um mit Vielfachkrisen umgehen zu können. Der gegenwärtige rechts-autoritäre gesellschaftliche Schub kann auch als Angst verstanden werden, daß ein neuer Gemeinsinn alte Privilegien von Klasse, «Rasse», «Abstammung» und geopolitischer Macht bedrohen könnte.
Material des Buches sind literarische und visuelle Fiktionen aus dem akuten Zeitraum der Pandemie 2020-21, weil Erzählen eine Art und Weise zu überleben ist - und damit dem erfahrenen überwältigenden gesellschaftlichen Chaos irgendwie Sinn zu verleihen. Etwa aus Juli Zehs Romanen, Hollywood-Blockbustern wie «Barbie» oder populärkulturellen Reaktionen auf die Ermordung George Floyds durch weiße Polizisten wird ein Archiv des Konfliktwissens für zukünftige Überlebenskrisen rekonstruiert. Dabei lassen sich zentrale soziale und diskursive Verschiebungen in den Domänen Freiheit, Liebe, Alter und Tod beobachten. Sie offenbaren zerstörerische Momente einer okzidentalen individualistischen Freiheitswut, der Entmystifizierung der Romantischen Liebe als Disziplinierung zur weiblichen Care-Arbeit und einen veränderten Blick auf Alter und Tod.
Julia Roth spricht mit der Autorin Gabriele Dietze über das Buch.
Begrüßung: Katharina Pühl, Rosa-Luxemburg-Stiftung
Standort
Kontakt
Katharina Pühl
Referentin für feministische Gesellschafts- und Kapitalismusanalyse und sozialistische Transformationsforschung, Rosa-Luxemburg-Stiftung
E-Mail: katharina.puehl@rosalux.org
Telefon: +49 30 44310472