23. September 2018 Diskussion/Vortrag Marx und China – passt das zusammen?

Information

Veranstaltungsort

Literaturkaffeehaus Taranta-Babu
Humboldtstr. 44
44137 Dortmund

Zeit

23.09.2018, 14:30 - 17:00 Uhr

Themenbereiche

Demokratischer Sozialismus, Ostasien

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Prof. Dr. Eike Kopf, der in China als ausländischer Experte tätig ist, vermutet, dass der Herbst 2017 als wichtiger Meilenstein in die Geschichte Chinas - welcher auch für die Weltgeschichte des 21. Jahrhunderts von großem Einfluss sein dürfte - eingehen wird. Er informiert über geschichtliche Zusammenhänge sowie aktuelle Vorhaben und Beschlüsse der obersten Gremien des Landes, dem XIX. Parteitag der KP und der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses, dem chinesischen zentralen Parlament, vom März 2018.


Vor dem Hintergrund seiner fast 50jährigen Tätigkeit als Marx-Engels-Forscher und seiner in mehr als 20 Jahren vor Ort in China, diesem bevölkerungsreichsten und drittgrößtem Land der Welt, gewonnen Erfahrungen und Erkenntnissen, ist der Referent überzeugt, dass Marx und China sehr wohl zusammenpassen, anders als manche auch linke „China-Experten“ hierzulande meinen, die die VR China weniger als sozialistischen Hoffnungsträger, sondern eher als kapitalistisches Land oder gar imperialistische Großmacht einordnen.


2018 und 2020 werden 200 Jahre seit der Geburt von Karl Marx und Friedrich Engels vergangen sein. Beide erbrachten mit ihren Untersuchungen die bis heute rationalste Beschreibung der inneren Strukturen und Entwicklungstendenzen der etwa seit dem 15. Jahrhundert sich entwickelnden kapitalistischen Produktionsweise, einen auch 2013 von der UNESCO anerkannten Beitrag zum Weltkulturerbe. Sie zogen auch grundlegende Schlussfolgerungen für die Schaffung eines neuen Zivilisationstyps. Und Eike Kopf kann aus erster Hand bezeugen, dass in keinem zweiten Land der Erde, erst recht seit 1991 (Auflösung der UdSSR), der Übersetzung und schöpferischen Nutzung des literarischen Nachlasses von Marx und Engels, wie auch anderen herausragenden Vertretern der internationalen Arbeiterbewegung, so viel Aufmerksamkeit und Kraft aufgewandt wird wie in China.


Dort haben die Kommunistische Partei und die sozialistische Regierung planmäßig und bewusst, mit wachsender Sachkenntnis und auch schöpferischer Nutzung philosophischer, ökonomischer und politischer Grunderkenntnisse der revolutionären Arbeiterbewegung seit Marx und Engels, so viele Menschen - zunächst 500 Millionen (1949) bzw. aktuell 1340 Millionen seit der Gründung der KP Chinas 1921 und der Gründung der Volksrepublik China 1949 - auf den Weg in eine sozialistische Gesellschaft und in ihr geführt. Dabei wurde auch zielstrebig und erfolgreich an der Überweindung der historisch und geografisch überlieferten Armut, an einer das ganze Volk erfassenden Sozialabsicherung, an der weiteren Entwicklung der Produktivkräfte, an der solidarischen Hilfe und Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern der südlichen Erdhalbkugel sowie der Entwicklung des gleichberechtigten internationalen Handels und der weltweiten Friedenssicherung gearbeitet. Und es ist kein Zufall, dass es niemals und nirgends so viel Volkseigentum an Bodenschätzen, Produktionsmitteln, Betrieben, Verkehrsmitteln und -wegen, Banken, Devisenreserven, Versicherungen, Bildungs -und Kultureinrichtungen usw. gab, wie inzwischen in China, das sich als sozialistisches Land in der Anfangsperiode versteht, mit dem imperialistische Kräfte nicht mehr wie zu Kolonialzeiten umgehen können.

China ist weltweit die zweitstärkste wirtschaftliche Großmacht; seine Währung Yuan-RMB (Volksgeld) ist neben dem US-Dollar, dem Euro, dem britischen Pfund und dem japanischen Yen in den Korb der Weltwährungen aufgenommen worden. Selbst industriell entwickelte Länder importieren chinesische Kraftwerke, Hochgeschwindigkeitszüge, Hafenanlagen usw. Die Entwicklung von internationaler Zusammenarbeit, auswärtigem Handel und Weltmarkt ist weltgeschichtlich wichtig für die Herausbildung eines neuen Zivilisationstyps. Chinas Initiativen entsprechen dieser Perspektive. Der Referent ist der Meinung, dass die 1917 mit der Oktoberrevolution in Russland eingeleitete Epoche des weltweiten Übergangs zu sozialistischen Gesellschaftszuständen 1989-1991 noch nicht beendet wurde.


Eike Kopf, Prof. Dr. phil., *1940. Studium der Philosophie, Ökonomie und Geschichte in Leipzig und Jena. 1967-1991 Hochschullehrer an der Pädagogischen Hochschule Erfurt/Mühlhausen, seit 1978 Bearbeiter von Bänden der internationalen akademischen Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), 1982 Berufung zum Professor für Philosophie. Seit 1997 ausländischer Experte bei der chinesischen Regierung, seit 2003 Mitarbeiter beim Nationalen Volkskongress Chinas. Seit 2006 Mitglied des Vorstands und des Preiskomitees der in Hongkong registrierten Weltgesellschaft für Politische Ökonomie (World Association for Political Economy). Mehr als 400 Veröffentlichungen. Zahlreiche Bücher zu Marx, Engels und China sind in den Verlagen PapyRossa und Rockstuhl  erschienen.


In Kooperation mit dem Rosa-Luxemburg-Club Dortmund

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