20. Oktober 2019 Diskussion/Vortrag Ein Gespenst geht um in der Linken: Das Gespenst des Lumpenintellektuellen

Information

Veranstaltungsort

Centro Sociale
Sternstraße 2
20357 Hamburg

Zeit

20.10.2019, 19:00 - 21:00 Uhr

Themenbereiche

Deutsche / Europäische Geschichte, Arbeit / Gewerkschaften, Neonazismus / Rassismus, Soziale Bewegungen / Organisierung, Europa der Vielen, 1968

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Ein Gespenst geht um in der Linken: Das Gespenst des Lumpenintellektuellen

Vortrag und Diskussion mit Sebastian Schreull (Gesellschaft zur Erforschung der Nachträglichkeit Hamburg)
Die kritische Theorie ist ein Kampffeld des Erbes von 1968. Sie stand in der Organisierung der Student*innenbewegung für eine undogmatische Tradierung des Marxismus ein. Die Fragen nach dem Vollzug der Theorie, ihrer Praxis und ihres Darstellens waren wesentlich für das Philosophieren Adornos oder Benjamins. Dies schließt die Frage ein, wie mit der Tradierung dieses Erbes umzugehen, wie um eine angemessene Aktualisierung kritischer Theorie zu streiten ist?
Durch Jürgen Habermas wurde eine Strategie der Retraditionalisierung in den Erbschaftsstreitereien aktualisiert, die eine Rückkehr zum interdisziplinären Materialismus Horkheimers und eine Aufarbeitung der Widersprüche der Werke Adornos versprach. Habermas versteht dabei seine Bemühungen nicht nur als Aufnahme der sprachphilosophischen Wende, sondern auch als neukantianische Reformulierung kritischer Theorie. Damit sollte sie wieder erfolgreicher in aktuelle Debatten intervenieren, sich aus der Selbstbeschränkung linksradikaler Zirkel lösen. Dem gegenüber stand eine Orthodoxie, die in dieser Aktualisierung einen Verrat an der „originären“ Form kritischer Theorie beklagte, schließlich seien die Potentiale der Überlegungen der Alten noch uneingelöst und die Reformulierungen der Habermas’schen Partei würden unweigerlich in einem reformistischen Opportunismus enden.
Wirft die eine Seite der anderen vor, dass sie durch ihre Praxis nur in den Grabenkämpfen des linksradikalen Zirkelwesens versauere, antwortet die andere, dass so der Kritik der Stachel gezogen werde, sie zu einem universitären Angebot unter vielen verkomme. In beiden Parteien geht das Gespenst des Lumpenintellektuellen um: Gibt es eine wahre Lesart des Erbes, dann gibt es auch Verräter*innen. Der Vortrag wird anhand dieser Erbstreitigkeiten aufzeigen, warum keine theoretische Neuerung, ob nun sprachphilosophische Wende oder Rückkehr zur Buchstabentreue der Alten, dieses praktische Handgemenge um die angemessene kritische Theorie lösen wird. Vielmehr muss es darum gehen, trefflich in ihr zu streiten.

In Kooperation mit der "Gesellschaft zur Erforschung der Nachträglichkeit".

Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg.

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Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg

Telefon: 040 28003705