16. Dezember 2021 Buchvorstellung The need for transformation

Challenges for the international automotive sector

Information

Veranstaltungsort

Online

Zeit

16.12.2021, 18:00 - 19:30 Uhr

Themenbereiche

Arbeit / Gewerkschaften, Globalisierung, Sozialökologischer Umbau

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The need for transformation

In der vorgestellten Studie werden die Hindernisse und Potenziale für eine Transformation der Autoindustrie und einen Aufbau einer ökologischen Mobilitätsindustrie mit Gewerkschafter*innen, Klimaaktivist*innen und Vertreter*innen der Autoindustrie aus Brasilien, Serbien, Slowakei, Tschechien, Spanien, Frankreich und Italien diskutiert.

Dabei spielten insbesondere die Position in der internationalen Wertschöpfungskette, der Einfluss der ausländischen Direktinvestitionen, die Struktur des lokalen Arbeitsmarktes und die Verhandlungsmacht der lokalen Gewerkschaften eine Rolle. Außerdem wird diskutiert, wie die Potenziale für einen Aufbau einer ökologischen Mobilitätsindustrie von lokalen Akteur*innen eingeschätzt werden.

Mit Vorträgen der Autor*innen und anschließender Diskussion:

  • Samuel Klebaner (Frankreich)   
  • Matteo Gaddi (Italien)
  • Marc Andreu Acebal, Salvador Claros Ferret (Spanien)
  • Patrik Gazo, Monika Martiskova, Thomas S. J. Smith (Tschechien und Slowakei)
  • Darko Vesic, Tanja Vuksa (Serbien)
  • Renato Boareto, David Shiling Tsai, Andre Luis Ferreira (Brasilien)
  • Moderation: Manuela Kropp (Rosa-Luxemburg-Stiftung Brüssel)

Verdolmetschung: Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch
 

Anmeldung: Die Veranstaltung findet online statt. Bitte senden Sie für die Anmeldung eine E-Mail an: manuela.kropp@rosalux.org


 
Hintergrund:

Seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie hat die weltweite Autoindustrie Beschäftigungsverluste verkraften müssen: in der EU gingen bisher 150.000 Jobs verloren (Stand Februar 2021). Bei Nissan, Renault, Daimler, Continental, Bosch, ZF und vielen anderen mussten Entlassungen und Stellenkürzungen vorgenommen werden: sowohl die Autobauer als auch die wichtige Zulieferindustrie sind betroffen. In der brasilianischen Autoindustrie haben währen der Pandemie 50 Prozent der Produktionskapazitäten brachgelegen. Ford kündigte das Ende der Produktion in Brasilien an. Auf der anderen Seite profitierten die Aktienbesitzer von Dividenden und Vermögenszuwächsen.

Perspektivisch stehen weitere Umwälzungen für die Beschäftigten durch den Umstieg auf den Bau von Elektroautos an: Expert*innen gehen davon aus, dass bis zu einem Viertel der Stellen in der Autoindustrie wegfallen könnten, besonders in der Zulieferindustrie. Dies stellt die betroffenen Regionen vor besondere Herausforderungen.

Jedoch muss es auch, im Sinne eines linken Green New Deal, um den Aufbau von Alternativen gehen: Elektromobilität muss im weiteren Kontext diskutiert werden und v.a. Dingen die Produktion von elektrisch betriebenen Schienenfahrzeugen und Fahrzeugen des ÖPNV umfassen. Öffentlicher Nah- und Fernverkehr müssen flächendeckend und erschwinglich ausgestaltet sein – überall auf der Welt muss so das „Recht auf Mobilität“ sichergesellt werden. Die Mobilitätswende ist ein Schlüsselkonflikt und ein zentrales „Einstiegsprojekt“ eines globalen linken Green New Deal. Durch den Aufbau alternativer Produktion könnten hunderttausende Arbeitsplätze weltweit geschaffen werden. Gleichzeitig könnten durch den massiven Ausbau des Schienenverkehrs und des ÖPNV lokale Jobs entstehen, die nicht von Verlagerungsbestrebungen der Industrie bedroht sein werden. Wie scharf der Gegensatz von Arbeit und Kapital ist, hat sich auch während der Pandemie gezeigt: viele Unternehmen in der Autoindustrie nutzten die Lage, um Druck auf die Beschäftigten auszuüben, Arbeitsbedingungen zu verschlechtern, Löhne zu senken, Entlassungen vorzunehmen und Produktion an billigere Standorte zu verlagern.

Ein Umbau der Autoindustrie zu einer ökologisch orientierten Mobilitätsindustrie kann nur gelingen, wenn er von umfangreicher gesellschaftlicher Partizipation getragen wird: eine öffentliche Beteiligung wäre mit einer erweiterten Mitbestimmung von Beschäftigten, Gewerkschaften, Umweltverbänden und der Bevölkerung zu verbinden, zum Beispiel in Form von regionalen Räten. Es wäre wichtig, an das Wissen der Beschäftigten in Form von Produzent*innen – und Gebrauchtwertstolz anzuknüpfen. Es braucht für die Autoindustrie einen „gerechten Übergang“ (just transition), um die bevorstehenden Herausforderungen des Strukturwandels durch Elektromobilität und den Aufbau einer ökologischen Mobilitätsindustrie bewältigen zu können. Wir brauchen eine grüne Revolution der Industrie bei gleichzeitigem Schutz der Beschäftigten.

Kontakt

Frau Manuela Kropp

Projektmanagerin, Rosa-Luxemburg-Stiftung Brüssel

Telefon: +32 2738 7661