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15. Oktober 2026: Diskussion/Vortrag : Christlicher Nationalismus in den USA

Die USA im Vorfeld der US-Midterm Wahlen

Wichtige Fakten

Veranstaltungsort

Curiohaus Hinterhof, Rothenbaumchaussee 15
GEW-Saal
20148 Hamburg

Zeit
15.10.2026, 19:00 - 21:00 Uhr
Themenbereiche
USA / Kanada, Parteien / Wahlanalysen
Zugeordnete Dateien

Beschreibung

Christlicher Nationalismus in den USA
Rechter Oberarm u. Bizeps von US-Kriegsminister Pete Hegseth (2021). Tatoo auf dem Oberarm: Christliches Kreuz, durch das ein Schwert verläuft. Hegseth selbst hat erklärt, dass es sich auf Matthäus 10,34 bezieht. Dort spricht Jesus davon, nicht Frieden, sondern das Schwert zu bringen. Tatoo auf dem Bizeps: "Deus Vult" Latein für „Gott will es“. Schlachtruf der Kreuzfahrer im Mittelalter heute insb. der christlich-nationalistischer und rechtsradikaler Gruppen in den USA. Gage Skidmore, Wikimedia Commons

Vortrag und Diskussion mit Arne Offermanns

Nach einer im Februar 2026 veröffentlichten Studie des Public Religion Research Institute sind etwa ein Drittel der US-Bürger Anhänger oder Sympathisanten des sogenannten Christlichen Nationalismus, darunter zwei Drittel der weißen Evangelikalen. Das ist insgesamt noch immer eine Minderheit, aber eine, die in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen ist und erheblich an Einfluss gewonnen hat.

Diese Strömung kann an eine lange Tradition anschließen: an die Vorstellung, Amerika sei eine von Gott besonders erwählte Nation. Mit dem Christlichen Nationalismus verbinden sich Vorstellungen zu Geschlechterrollen, ethnischen Hierarchien und der Frage, wer als „echter“ (US-)Amerikaner gelten darf. Meist handelt es sich dabei um eine eher kulturell und politisch als theologisch definierte Identität. Doch wo Erfolg und Wohlstand der Nation als göttlicher Wille und Lohn verstanden werden, muss nach Meinung ihrer Anhänger die Politik dafür sorgen, dieser christlichen Bestimmung zu entsprechen.

Project 2025, die Roadmap für den Start der zweiten Amtszeit Trumps, war deutlich von dieser Ideologie geprägt. Entscheidende Akteure der aktuellen Administration hängen ihr an. Dabei reicht das Spektrum von Menschen wie Russ Vought, dem Direktor des Office for Management and Budget, die auf Basis ihrer kulturellen und politischen Überzeugungen ein eher instrumentelles Verhältnis zur Religion pflegen, bis zu solchen wie Paula White-Cain, der langjährigen spirituellen Beraterin Trumps und jetzigen Leiterin des „White House Faith Office“, für die ihre religiöse Ideologie ein fanatischer Antrieb ist. Andere wie Mike Johnson, der Sprecher des Repräsentantenhauses, und Kriegsminister Pete Hegseth sind nicht weniger radikal oder lassen sich irgendwo dazwischen verorten.

Dahinter wird immer mehr eine Bewegung sichtbar, die systematisch nach den Schalthebeln der Macht strebt und für deren religiöse Ziele die Demokratie in den USA nur ein Vehikel ist. Was in den 1970er-Jahren mit der „Moral Majority“ Jerry Falwells begann, erfuhr in den letzten Jahrzehnten in der Ideologie der losen Netzwerke der „New Apostolic Reformation“ seine Fortsetzung und Verschärfung: Dem Konzept des „Seven Mountains Mandate“, nach dem sich die Gesellschaft in sieben Einflussbereiche („Berge“) gliedert, hingen nach einer Umfrage 2024 bereits 40 Prozent der amerikanischen Christen an. Diese „Berge“ müssen nach dieser Lehre mit gläubigen Christen besetzt werden, damit Christus wiederkehren kann. Es geht also um die Erringung institutioneller Macht als Voraussetzung für die Erfüllung religiöser Wünsche. Um diese zu erlangen, ist jedes Mittel der „geistlichen Kriegführung“ recht. Zugespitzt formuliert: Während Religion in der Vergangenheit ein Instrument der Politik war, wird die Politik hier zum Instrument religiöser Fanatiker.


Arne Offermanns, Literaturwissenschaftler und kritischer Beobachter des christlichen Nationalismus in den USA, ordnet die Entwicklungen historisch und politisch ein und zeigt auf, welche Bedeutung diese Strömungen für die gegenwärtige US-amerikanische Politik und Gesellschaft haben. Die Veranstaltung findet im Vorfeld der Midterm-Wahlen (03. November) in den USA statt und bietet damit Gelegenheit, auch die Bedeutung des Christlichen Nationalismus für die anstehenden politischen Auseinandersetzungen in den Blick zu nehmen. Im Anschluss besteht Gelegenheit zur Diskussion.

Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Kontakt

Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg

Telefon: 040 28003705

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