Beschreibung
Seit im Dezember in Australien allen unter 16 Jahren die Nutzung von Social-Media-Plattformen verboten wurde, tobt die Debatte um das Verbot in vielen Ländern. Obwohl die Bundesregierung im September erst selbst eine Expertenkommission eingesetzt hat, die Handlungsempfehlungen für Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt erarbeiten soll, kann es der Koalition plötzlich gar nicht mehr schnell genug gehen: Plötzlich scheint es, als seien sich alle einig, dass ein Social-Media-Verbot für Minderjährige das Beste wäre.
Viele Expert*innen sehen das allerdings anders. Vom Kinderschutzbund über Verbraucherschutz-Verbände, Wohlfahrtsorganisationen und Datenschützer*innen bis hin zur Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz gibt es reichlich Kritik daran, Kinder und Jugendliche pauschal den Zugang zu den Plattformen zu verbieten. Dabei geht es um Debatten wie:
- Die Umgehung von Nutzungsverboten und deren mögliche Folgen. Wenn Kindern und Jugendlichen im Netz gefährliche oder traumatisierende Dinge begegnen, wird ihre Hemmung größer sein, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu suchen.
- Das auch für junge Menschen existierende Recht auf digitale Teilhabe, auf Zugang zu Informationen und freie Meinungsäußerung, wie es in der UN-Kinderrechtskonvention festgehalten ist. Auch Jugendliche erhalten sinnvolle, interessante und gesellschaftlich relevante Informationen über Social-Media-Plattformen.
- Die für ein Verbot erforderliche Altersprüfung für alle Nutzer*innen und die damit vebundene Gefährdung einer anonymen und datenschutzfreundlichen Internetnutzung. Bislang ist noch gar nicht geklärt, wie die Altersprüfung technisch umgesetzt werden soll.
Mit Dr. Carmela Troncoso, Wissenschaftliche Direktorin des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre und Elisa Lindinger, Mitgründerin der feministischen, digitalpolitischen Organisation SUPERRR Lab, sprechen wir darüber, wie Kinder und Jugendliche sinnvoll im Netz geschützt werden können. Wir fragen, wessen Interesse es ist, eine umfassende Altersverifizierung im Netz einzuführen und warum sich niemand ernsthaft den Big-Tech-Plattformen in den Weg stellt, deren Geschäftsmodelle Demokratie wie Nutzer*innen aller Altersgruppen immer gefährlicher werden. Das Gespräch wird moderiert von Anne Roth, Referentin für Digitalpolitik der Linksfraktion im Bundestag.
Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt. Eine Übersetzung wird angeboten.
Referentinnen:
- Carmela Troncoso ist Wissenschaftliche Direktorin des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre und leitet das SPRING Lab. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung und den Einsatz sicherer und datenschutzkonformer Systeme sowie auf die kritische Analyse von Technologien im Hinblick auf ihre sozialen Auswirkungen. Sie promovierte 2011 an der KU Leuven. Ihre Arbeit zum Thema Datenschutz wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der CNIL-INRIA Privacy Protection Award 2017, und sie wurde 2020 vom Fortune Magazine in die Liste „40 under 40 in Technology” aufgenommen.
- Elisa Lindinger arbeitet und forscht an der Schnittstelle von Technologie, Kultur und Gesellschaft. Als Mitgründerin von SUPERRR Lab setzt sie sich für eine intersektional feministische Perspektive auf Digitalpolitik ein und rückt die Menschen in Tech-Debatten wieder in den Mittelpunkt.
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Dr. Armin Kuhn
Leitung der Zentralen Redaktion, Rosa-Luxemburg-Stiftung
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