12. Juni 2023 Bildungsreise Das «Rote Wien» – Mythos und Gegenwart sozialistischer Wohnpolitik

Eine stadtpolitische Bildungsreise nach Wien

Information

Veranstaltungsort

Wien
Heiligenstädter Str. 82-92
1090 Wien

Zeit

12.06.2023, 09:00 - 16.06.2023, 18:00 Uhr

Themenbereiche

Deutsche / Europäische Geschichte, Commons / Soziale Infrastruktur, Demokratischer Sozialismus, Kapitalismusanalyse, Stadt / Kommune / Region, Wirtschafts- / Sozialpolitik, Westeuropa

Kosten

Doppelzimmer: 550,00 €
Dreibettzimmer: 450,00 €
Einzelzimmer: 750,00 €

Zugeordnete Dateien

Das «Rote Wien» – Mythos und Gegenwart sozialistischer Wohnpolitik
Karl-Marx-Hof in Wien. Mitteltrakt mit seinen sechs monumentalen Türmen der denkmalgeschützten Wohnhausanlage der Gemeinde Wien im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling. Der Bau mit 1382 (aktuell rd. 1270) Wohneinheiten wurde von 1927 bis 1933 nach Plänen des Architekten Karl Ehn errichtet (die offizielle Eröffnung der Anlage fand am 12. Oktober 1930 statt). CC BY-SA 4.0, BWAG

Zwischen 1918 und 1934 war der soziale Wohnungsbau, neben dem Ausbau des Bildungs- und Gesundheitssystems, Kernpunkt der Kommunalpolitik Wiens. Dieses sozialistische Reformwerk wurde unter dem Titel »Roten Wien« international zum Vorbild für eine soziale Stadtentwicklung. Innerhalb von gut zehn Jahren konnten über 60.000 Wohnungen als „Gemeindebauten“ errichtet werden. Das vielleicht bekannteste Monument des »Roten Wiens« ist bis heute der Karl-Marx-Hof. Über einen Kilometer erstreckt sich der Hof, der damit bis heute als das längste Wohngebäude der Welt gilt. Bei seiner Eröffnung 1930 bot der Hof Platz für rund 5.000 Bewohner:innen. Die Wohnungen wurden damals ganz modern mit Küchen, Wasserleitungen und Toiletten ausgestattet.


Doch die Wiener Gemeindebauten sind nicht nur Denkmäler vergangener Zeiten. Bis heute sind sie ein wichtiger Teil der sozialen Infrastruktur der Stadt. Seit 1991 hat die Bevölkerung in Wien um 26 Prozent zugenommen. Aktuell wohnen die knapp 2 Millionen Wiener:innen in rund 921.000 Wohnungen. Etwa 43 Prozent davon unterliegen einer sozialen Miete in Form einer Gemeindewohnung (22 Prozent) oder einer gemeinnützigen Bauvereinigung. In den letzten 30 Jahren hat dieser Sektor sogar zugenommen. In Wien gibt es keine Privatisierung kommunaler Wohnungsbestände, diese sorgen für leistbaren Wohnraum jenseits des Marktes. Manchen gilt die Wiener Wohnpolitik daher als Vorbild für Versuche, die angespannte Situation in Berlin, Hamburg oder München zu entlasten.


Doch auf einem anderen Blatt steht, inwieweit die gegenwärtige Stadtpolitik an das »Rote Wien« anknüpfen kann, um das „Mieterparadies“ (Der Spiegel) dauerhaft zu sichern und auszubauen. Denn auch in Wien sind alle Hauptmieten zwischen 2008 und 2019 im Schnitt um 55 Prozent gestiegen, private Hauptmieten gar um 75 Prozent. Selbst in Gemeindebauten sind damit steigende Mieten kein Fremdwort mehr.


Was lässt sich also aus Vergangenheit sozialistischer und Gegenwart sozialer Wohnpolitik in Wien lernen? Wie kann die Versorgung mit leistbaren Wohnungen jenseits des Marktes sichergestellt werden? Eine Frage, die sich für die Kommunalpolitik gegenwärtig mit Nachdruck in vielen städtischen Metropolen stellt. Aber auch von populären Initiativen wie „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ offensiv gestellt wird.


Auf unserer Bildungsreise werden wir bei geführten Touren das sozialistische Erbe der Stadt kennenlernen. Im Austausch mit Fachleuten aus Wissenschaft, Architektur und von gemeinnützigen Bauträgern sollen gemeinsam aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen aber auch innovative Werkzeuge und Ansätze für leistbares Wohnen diskutiert werden. Ergänzend dazu wird es auch die Möglichkeit geben, lokale Aktivist:innen aus dem Feld kennenzulernen. Neben der gemeinsamen Bildung werden aber auch Stadtkultur, Kulinarik und Wiener Lokalkolorit nicht zu kurz kommen.



Der Teilnahmebeitrag von 550 € beinhaltet die Hotelunterkunft für sechs Übernachtungen im Doppelzimmer incl. Frühstück (Einzelzimmer 750 €, Dreibettzimmer 450 € ), Reiseprogramm und die vor Ort anfallenden Fahrten mit dem ÖPNV sowie Eintrittsgelder.

Die An- und Abreise zum/vom Veranstaltungsort (Wien) ist selbst zu organisieren.

Termine: Anreise 11.06.2023 (Sonntag) bis Abreise 17.06.2023 (Samstag), Seminarprogramm von Montag bis Freitag (12.06. bis 16.06.2023).

Hotelunterkunft: Wien, vom 11.- 17.06.2023 (6 Nächte) in Wien. Hotel Benedikthaus (Freyung 6a, 1010 Wien)

Bildungsurlaub/Bildungsfreistellung: Die Reise wird als gesetzlicher Bildungsurlaub/Bildungsfreistellung angeboten.

Vorbereitungstreffen: Rechtzeitig vor Reiseantritt erhalten alle Teilnehmer:innen eine Einladung zu einem gemeinsamen Vorbereitungstreffen

Seminarleitung: Rainer Hackauf (Bildungsreferent Wien)

Reiseleitung: Dr. Julia Killet & Stefan Jagel (Kurt Eisner Verein)

Veranstalter: Kurt Eisner Verein für politische Bildung in Bayern e.V.

 

ANMELDUNG

 

In den ersten drei Monaten ist die Anmeldung Teilnehmer:innen mit Wohnsitz bzw. dem Arbeitsplatz in Bayern vorbehalten. Ab dem 01. Januar 2023 öffnen wir die Anmeldung für Interessierte aus anderen Bundesländern

 

Standort

Kontakt

Dr. Julia Killet

Regionalbüroleiterin Bayern, Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern / Kurt-Eisner-Verein

Telefon: +49 89 51996353