Zum Hauptinhalt springen

25. September 2026: Tagung/Konferenz : Feministisch vergesellschaften

Her mit dem ganzen Leben!

Wichtige Fakten

Veranstaltungsort

Ruhr-Universität Bochum
Universitätsstraße 150
44801 Bochum

Zeit
25.09.2026, 13:00 - 27.09.2026, 15:00 Uhr
Themenbereiche
Geschlechterverhältnisse, Commons / Soziale Infrastruktur, Demokratischer Sozialismus, Kapitalismusanalyse, Feminismus

Beschreibung

Feministisch vergesellschaften

Egal, ob wir als Alleinerziehende den Alltag jonglieren oder mit Bürgergeld Angehörige pflegen, ob wir im Krankenhaus über der Belastungsgrenze arbeiten, oder in unseren Communities die Wunden heilen, die alltäglicher Rassismus genauso schlägt, wie die Gewalt, die unseren Körpern und Beziehungen angetan wird – wir alle wissen: Das Leben trägt sich nicht von selbst. Wir tragen es. Und gerade dafür werden wir abgewertet. Wir werden vereinzelt und oft auch gegeneinander ausgespielt.

So unterschiedlich unsere Kämpfe sind, so stellen sich doch gemeinsame Fragen: Wer hält das Leben am Laufen – und unter welchen Bedingungen? Wer bekommt Unterstützung, wer nicht? Wer verfügt über wessen Arbeit, Körper und Zeit?

Die hierarchische Trennung von produktiver und reproduktiver Arbeit ist zentral für die Abwertung sorgender Tätigkeiten und sie ist eine tragende Säule des Kapitalismus: Indem Sorgearbeit als „weiblich“ markiert und ins Private verschoben wird, werden Arbeitskosten gesenkt und Profite gesichert. Unsere Arbeit wird mehrfach ausgebeutet und gleichzeitig werden lebenswichtige Gemeingüter privatisiert. Es geht aber nicht nur um Ökonomie. Die zweigeschlechtliche Arbeitsteilung zementiert außerdem gewaltvolle patriarchale, cis- und heteronormative Geschlechterverhältnisse. All das trifft FLINTA* besonders hart.

Unsere Körper werden sexualisiert und in rassistische wie binäre Normen gezwängt. In der Krise des Kapitalismus erklärt die autoritäre Rechte weltweit, es gäbe nur zwei Geschlechter, sie greift reproduktive Rechte an und versucht, traditionelle Rollenbilder wieder zu normalisieren. Die Abschottung der Grenzen und die gnadenlose Verfolgung von Migrant*innen zeigt, wie die Entmenschlichung fortschreitet und, dass manche Leben noch weniger zählen. Gleichzeitig werden billige Arbeitskräfte angeworben, um die hiesige Care-Krise abzufedern.

Wir wissen, dass Befreiung für alle nur möglich ist, wenn wir den „Herrschaftsknoten“ unterschiedlicher Unterdrückungsverhältnisse gemeinsam angehen.

Feministisch vergesellschaften heißt deshalb, diese geschlechtliche, rassistische und globale Arbeitsteilung anzugreifen – und mit ihr auch die Abwertung und die Unterdrückung derjenigen, deren Arbeit das Leben überhaupt erst möglich macht. Wir wollen kollektive Sorge statt familiärem Zwang, öffentliche Infrastrukturen statt neoliberaler Sparpolitik, Solidarität statt rechter Spaltung.

Wie das gehen kann wollen wir auf der zweiten feminist futures Konferenz gemeinsam diskutieren:

Eingeladen sind Initiativen im Bereich Sorgepolitik, alle, die gegen patriarchale und sexualisierte Gewalt und Femizide kämpfen, oder für queere und trans* Befreiung, für reproduktive Gerechtigkeit und vielfältige Lebensweisen. Diskutiert mit uns über antirassistische und internationalistische Perspektiven in den Kämpfen für Bewegungsfreiheit und Abolutionismus, gegen Krieg und Militarisierung genauso wie für Klimagerechtigkeit.

Wie können wir unsere Kämpfe besser verbinden? Und welche Strategien braucht eine queer-feministische und antirassistische Bewegung in Zeiten autoritärer Verschiebungen? Lasst uns Erfahrungen teilen, Allianzen knüpfen und konkrete Schritte hin zu einer sorgenden, solidarischen Gesellschaft entwickeln.

Die Konferenz ist kostenfrei und für alle Geschlechter offen. Es wird Workshops geben, die nur für FLINTA* sind.
 
Folgende thematische Stränge wird es im Programm geben (die Workshops sind Arbeitstitel):

I. „Sorgende Städte“ - Auf dem Weg in eine sozialistisch-feministische Zukunft

I. „Sorgende Städte“ - Auf dem Weg in eine sozialistisch-feministische Zukunft

Unter der Überschrift „Sorgende Städte“ organisieren Feminist*innen an vielen Orten der Welt praktische Einstiege in eine völlig andere Art des Miteinanders, bei dem Sorgearbeit und die, die sie leisten, an erster Stelle stehen. Das Konzept verbindet die konkrete Utopie einer sorgenden Gesellschaft mit praktischen Einstiegsprojekten auf kommunaler Ebene. Es geht um feministisches Vergesellschaften im Sinne einer doppelten Entprivatisierung: von Sorgearbeit selbst, aber auch von Infrastrukturen und Verantwortlichkeiten. Kommunalpolitische Kämpfe um Pflege, Kinderbetreuung, Wohnen, Gesundheit, um Gemeingüter und soziale Infrastrukturen, aber auch um lokale Migrationspolitiken solidarischer Städte werden so Teil einer umfassenden Gesellschaftsveränderung. Ziel ist es, Sorge nicht länger als private Aufgabe Einzelner, oft feminisierter und migrantisierter Personen zu begreifen, sondern als kollektive, demokratisch organisierte Verantwortung.

  • Einführung: Was ist das Problem mit der geschlechtlichen Arbeitsteilung?
  • Einführung: Was heißt eigentlich feministisch Vergesellschaften?
  • Sorgende Städte – internationale Beispiele zeigen, wie es gehen kann
  • Feministischer Munizipalismus – Zum Verhältnis von Regierung/Verwaltung und Bewegung
  • Das Zuhause zum gesellschaftlichen Ort machen: Ein Angriff auf die Trennung von privat und öffentlich
  • Stadt für alle: Wie kann eine kindgerechte Stadt aussehen?
  • Wie wird aus einer Shoppingmall ein Sorgezentrum? Und wie genau würde das aussehen?
  • Bargening for the Common Good“ – Für‘s Gemeinwohl streiken?!
  • Was heißt Vergesellschaftung im Gesundheitswesen?
  • „Produktion von Gesellschaft“ - Was heißt demokratische Planung im Care-Sektor?
  • Keine Profite mit der Alten-Pflege
  • Infrastruktursozialismus: Der demokratische Umbau von (Sorge)Infrastrukturen
  • Wie steht es um die feministischen Streiks? Wie können wir für eine neue feministische Internationale streiten?

II. Vergesellschaftung meets...

II. Vergesellschaftung meets...

Sorgearbeit ist nicht nur ein Themenfeld neben anderen. Sie ist die geschlechtsspezifische Seite des Eigentumsverhältnisses und wirft die grundlegende Frage auf: Wer verfügt über wessen Arbeit? Wer also hat die Macht und wer wird in diesem Prozess wie abgewertet? Auch in Auseinandersetzungen um Gewalt, Prekarisierung oder soziale Rechte wirkt die Hierarchisierung von Produktion und Reproduktion im Kapitalismus deshalb strukturierend. Damit eng verbunden ist die globale Teilung der Arbeit zwischen „Nord“ und „Süd“: Migrantisierte und rassifizierte Personen müssen dafür einstehen, dass die Kosten der Arbeit niedrig bleiben. Auch sie geht im Kapitalismus mit Abwertung und Gewalt einher. Wir wollen diese Zusammenhänge auf der Konferenz sichtbar machen und fragen, ob und wie feministisch Vergesellschaften ein Horizont für gemeinsame Kämpfe sein kann: 

1. Internationalistischer Feminismus / Antirassismus / Kämpfe um Bewegungsfreiheit / Abolutionismus

  • Antira meets feministisch Vergesellschaften: Welchen Menschen wird die Reproduktion überhaupt zugestanden? Wo kommen die Bewegungen zusammen? Wo (noch) nicht?
  • Wie schaffen wir „Life Affirming Institutions“ - Soziale Infrastrukturen, die stützen ohne zu strafen und sich offensiv gegen die ausgrenzenden Logiken des Sozialstaats stellen?
  • Was müssen wir über den „Racial Capitalism“ auch im Hinblick auf Care-Extraktivismus und Plattformökonomie wissen?
  • Gegen ICE organisieren: Aus Feministischen Strategien gegen Abschiebung lernen
  • Migrantische Pflege-Genossenschaften im Baskenland: Ein Schritt in Richtung Selbstermächtigung oder Care-Chain-Sackgasse?
  • Was macht uns wirklich sicher? Transformative Gerechtigkeit als eine Form der Vergesellschaftung von Sicherheit?

2. Kämpfe um bzw. gegen Zweigeschlechtlichkeit, Heteronormativität und Trans*Misogynie (nicht nur) von rechten Kräften

  • Bite back and fight the cis-tem! Was ist cis-Normativität und warum ist sie so wirkmächtig?
  • „Frühsexualisierung“ als Panikmache: Wie werden moral panics erzeugt? Und was können wir dagegen tun?
  • Sorgearbeit und geschlechtliche Arbeitsteilung – ein queer-feministisches Thema?
  • Caring-Communities: Wie kann gemeinschaftliche Sorge zur widerständigen Praxis werden? 

3. Patriarchale und Sexualisierte Gewalt / Femizide / Antigewaltarbeit

  • Bewegung gegen Femizide meets feministisch Vergesellschaften: Wo gibt es Gemeinsamkeiten? Ist „ökonomische Gewalt“ hier ein sinnvoller Begriff?
  • Jeden dritten Tag... Was haben Femizide mit dem kapitalistischen Reproduktionsregime zu tun?
  • Epstein: Wie verschieben sich Reproduktionsregime und Gewalt im Zeitalter der Tech-Oligarchen?
  • „Krise der Männlichkeit“ Welche Krise?
  • Kritische Männlichkeitsarbeit: Wie können wir Täter verhindern?
  • Was ist Sexismus? Bildungsworkshop

4. Familie für alle / Kämpfe um Beziehungs- und Lebensweisen / Reproduktive Gerechtigkeit und anti-Ableistische Perspektiven

  • „Familie für alle“ – Wie können wir die Rechte im Kulturkampf stellen?
  • Reproduktive Gerechtigkeit – Wer darf/soll Familien gründen?
  • Feministisch Vergesellschaften meets Family Abolition: Wie lassen sich Bedingungen schaffen, die Sorge jenseits der Kleinfamilie ermöglichen? Was brauchen Mehrelternfamilien?
  • Queer-Feminismus und Behinderung: Was brauchen wir für ein gutes Leben? 

5. Kämpfe gegen Krieg, Militarisierung und internationale Solidarität

  • Soldatische Männlichkeit als Motor und Folge der Militarisierung
  • Was macht uns wirklich sicher? Krieg im Innen und Außen und die Versicherheitlichung unserer Kieze
  • Feministische Selbverwaltung in Rojava – Vergesellschaftung in Aktion?

6. Kämpfe um Ökologie, Klima, Landwirtschaft, Lebensmittelversorgung, Subsistenz

  • Das System an der Wurzel packen: Vergesellschaftung, Öko-Sozialismus und feministische Agrarökologie
  • Kein Stein bleibt auf dem anderen! Feministisch Vergesellschaften zwischen revolutionärer Realpolitik und sozial-ökologischer Transformation
  • Vergesellschaftung auf dem Land: Ohne die Entprivatisierung von Boden, keine ökologische Landwirtschaft

III. Intersektionaler Antifaschismus

III. Intersektionaler Antifaschismus

Die Rechte macht Geschlechterfragen zum Kern ihrer Mobilisierung. Wie können wir die Bedeutung von „Moral Panics“ und die Konstruktion „innerer Feinde“ als Kämpfe um Hegemonie verstehen? Wie kann queer-feministische und antirassistische Gegenwehr aussehen? Und welche Rolle kann eine feministische Vergesellschaftungsbewegung auch im innerlinken Ringen um einen intersektionalen Antifaschismus spielen? 

  • Antifaschistische Wirtschaftspolitik und Kulturkampf von links - warum und wie?
  • „Faschisierung von sozialer Reproduktion“ – Was heißt das? Und wie sieht das in Europa aus?
  • Feministisches Vergesellschaften als antifaschistische Praxis?
  • Es gibt nur zwei Geschlechter: Faschisten und Antifaschist*innen


In Kooperation mit dem Marie Jahoda Center for International Gender Studies.

Updates zur Konferenz sowie Materialien zum Thema „Feministisch Vergesellschaften“ verschicken wir über einen Telegram-Kanal, dem ihr hier beitreten könnt:
Telegram-Kanal Feministisch Vergesellschaften 9/2026

Standort

Kontakt

Dr. Barbara Fried

Referentin für klassenpolitischen Feminismus und sozialistische Transformation; Redakteurin der FLINTA*-Redaktion der Zeitschrift LuXemburg, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Telefon: +49 30 44310404

Ähnliche Veranstaltungen

Marxistische Ökonom:innen neu lesen, 27 März 2026 - 29 März 2026

: Workshop

Hamburg

Was marxistische Ökonomie ausmacht – und warum sie heute wieder wichtig wird

Kaffee statt Koks, 13 April 2026

: Diskussion/Vortrag

Hamburg18:00 Uhr

Solidarische Wirtschaft als Gegenmodell zur Drogenökonomie

Klassengesellschaft akut. , 28 April 2026

: Buchvorstellung

Hamburg19:00 Uhr

Warum Lohnarbeit spaltet – und wie es anders gehen kann