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25. September 2026: Tagung/Konferenz : feminist futures II: Feministisch vergesellschaften

Her mit dem ganzen Leben!

Wichtige Fakten

Veranstaltungsort

Ruhr-Universität Bochum
Universitätsstraße 150
44801 Bochum

Zeit
25.09.2026, 13:00 - 27.09.2026, 15:00 Uhr
Themenbereiche
Geschlechterverhältnisse, Kapitalismusanalyse, Commons / Soziale Infrastruktur, Demokratischer Sozialismus, Feminismus

Beschreibung

feminist futures II: Feministisch vergesellschaften

Egal, ob wir als Alleinerziehende den Alltag jonglieren oder mit Bürgergeld Angehörige pflegen, ob wir im Krankenhaus über der Belastungsgrenze arbeiten, oder in unseren Communities die Wunden heilen, die alltäglicher Rassismus genauso schlägt, wie die Gewalt, die unseren Körpern und Beziehungen angetan wird – wir alle wissen: Das Leben trägt sich nicht von selbst. Wir tragen es. Und gerade dafür werden wir abgewertet. Wir werden vereinzelt und oft auch gegeneinander ausgespielt.

So unterschiedlich unsere Kämpfe sind, so stellen sich doch gemeinsame Fragen: Wer hält das Leben am Laufen – und unter welchen Bedingungen? Wer bekommt Unterstützung, wer nicht? Wer verfügt über wessen Arbeit, Körper und Zeit?

Zur Anmeldung

Die hierarchische Trennung von produktiver und reproduktiver Arbeit ist zentral für die Abwertung sorgender Tätigkeiten und sie ist eine tragende Säule des Kapitalismus: Indem Sorgearbeit als „weiblich“ markiert und ins Private verschoben wird, werden Arbeitskosten gesenkt und Profite gesichert. Unsere Arbeit wird mehrfach ausgebeutet und gleichzeitig werden lebenswichtige Gemeingüter privatisiert. Es geht aber nicht nur um Ökonomie. Die zweigeschlechtliche Arbeitsteilung zementiert außerdem gewaltvolle patriarchale, cis- und heteronormative Geschlechterverhältnisse. All das trifft FLINTA* besonders hart.

Unsere Körper werden sexualisiert und in rassistische wie binäre Normen gezwängt. In der Krise des Kapitalismus erklärt die autoritäre Rechte weltweit, es gäbe nur zwei Geschlechter, sie greift reproduktive Rechte an und versucht, traditionelle Rollenbilder wieder zu normalisieren. Die Abschottung der Grenzen und die gnadenlose Verfolgung von Migrant*innen zeigt, wie die Entmenschlichung fortschreitet und, dass manche Leben noch weniger zählen. Gleichzeitig werden billige Arbeitskräfte angeworben, um die hiesige Care-Krise abzufedern.

Wir wissen, dass Befreiung für alle nur möglich ist, wenn wir den „Herrschaftsknoten“ unterschiedlicher Unterdrückungsverhältnisse gemeinsam angehen. Denn dieser ist längst nicht nur aus dem Privateigentum und Profitökonomie gestrickt, sondern eben auch aus patriarchalen und heteronormativen und rassistischen und imperialen Strukturen. Wir müssen die Forderung nach Vergesellschaftung dementsprechend weiterdenken.

Feministisch vergesellschaften heißt deshalb, diese geschlechtliche, rassistische und globale Arbeitsteilung anzugreifen – und mit ihr auch die Abwertung und die Unterdrückung derjenigen, deren Arbeit das Leben überhaupt erst möglich macht. Wir wollen kollektive Sorge statt familiärem Zwang, öffentliche Infrastrukturen statt neoliberaler Sparpolitik, Solidarität statt rechter Spaltung. Wie, das gehen kann wollen wir auf der zweiten feminist futures Konferenz gemeinsam diskutieren:

Eingeladen sind Initiativen im Bereich Sorgepolitik, alle, die gegen patriarchale und sexualisierte Gewalt und Femizide kämpfen, oder für queere und trans* Befreiung, für reproduktive Gerechtigkeit und vielfältige Lebensweisen. Diskutiert mit uns über antirassistische und internationalistische Perspektiven in den Kämpfen für Bewegungsfreiheit und Abolitionismus, gegen Krieg, Militarisierung und Faschisierung genauso wie für Klimagerechtigkeit.

Wie können wir unsere Kämpfe besser verbinden? Welche Strategien braucht eine globale queer-feministische und antirassistische Bewegung in Zeiten autoritärer Verschiebungen? Und wie können wir von Bewegungen auf der ganzen Welt für unsere Kämpfe lernen? Lasst uns Erfahrungen teilen, internationale Allianzen knüpfen und konkrete Schritte hin zu einer sorgenden, solidarischen Gesellschaft entwickeln.

Organisatorische Hinweise:

Die Konferenz ist kostenfrei und für alle Geschlechter offen. Es wird Workshops geben, die nur für FLINTA* sind.

Es gibt einen Telegram-Infochannel, in dem wir neue Informationen und Materialien zur Konferenz teilen. Trete also gern bei, um vor und während der Konferenz nichts Wichtiges zu verpassen!

Als Teilnehmer*innen müsst ihr euch bitte selbst um Anreise und Unterkunft kümmern.

Wenn ihr euch über den Anmeldebutton registriert, bekommt ihr keine Bestätigungsmail. Ihr seid trotzdem angemeldet.

Wenn sich in den nächsten Wochen herausstellen sollte, dass ihr doch nicht kommen könnt, sagt uns bitte über die unten stehende Mail wieder ab!! Wir müssen sonst irgendwann die Anmeldung schließen, obwohl nicht alle Plätze vergeben sind. Das wäre sehr schade!

Unten findet ihr das aktualisierte und ausführliche Programm.

Referent*innen (inklusive unserer Kooperationspartner):

Vraîe Cally Balthazaar (Sri Lanka), Lia Becker, Betiel Berhe, Gargi Bhattacharyya (UK), Mine Bouvar, Lucí Cavallero (Argentinien), Bahar Cati, Melinda Cooper (Australien), Cara Daggett (US), Silke van Dyk, Communia, Fatim Selina Diaby, Emma Dowling (Österreich), Tashy Endres, Verónica Gago (Argentinien), Kathi Gebel, Katalin Gennburg, Encarnación Gutiérrez Rodríguez, Helen Hester (UK), Simin Jawabreh, Cansın Köktürk, Sicherheit für alle Köln, Sarah Leonhard (US), Heide Lutosch, Javiera Manzi (Chile), Konzeptwerk Neue Ökonomie, Angela McRobbie (UK), Lia Membrillo (Mexico), Netzwerk Care Revolution, New York for Childcare, Sabine Nuss, Heidi Reichinnek, Lea Reisner, Birgit Sauer, Mithu M. Sanyal, Sarah Schilliger (CH), Sibel Schick, Susanne Schultz, Sultana Sediqi, Susy Shock (Argentinien), Stadt für alle Bochum, Sorge ins Parkcenter, Sookee, Polyklinik Syndikat, Christa Wichterich und viele mehr!

Programm

1. „Sorgende Städte“ - Auf dem Weg in eine sozialistisch-feministische Zukunft

1. „Sorgende Städte“ - Auf dem Weg in eine sozialistisch-feministische Zukunft

Unter der Überschrift „Sorgende Städte“ organisieren Feminist*innen an vielen Orten der Welt praktische Einstiege in eine völlig andere Art des Miteinanders, bei dem Sorgearbeit und die, die sie leisten, an erster Stelle stehen. Das Konzept verbindet die konkrete Utopie einer sorgenden Gesellschaft mit praktischen Einstiegsprojekten auf kommunaler Ebene. Es geht um feministisches Vergesellschaften im Sinne einer doppelten Entprivatisierung: von Sorgearbeit selbst, aber auch von Infrastrukturen und Verantwortlichkeiten. Kommunalpolitische Kämpfe um Pflege, Kinderbetreuung, Wohnen, Gesundheit, um Gemeingüter und soziale Infrastrukturen, aber auch um lokale Migrationspolitiken solidarischer Städte werden so Teil einer umfassenden Gesellschaftsveränderung. Ziel ist es, Sorge nicht länger als private Aufgabe Einzelner, oft feminisierter und migrantisierter Personen zu begreifen, sondern als kollektive, demokratisch organisierte Verantwortung.

Workshops

Feministisch Vergesellschaften: ein gemeinsamer Weg aus der Vielfachkrise? 
Sozialabbau, Militarisierung und rechte Verschiebungen verschärfen die Krise sozialer Reproduktion. Sorgearbeit wird weiter privatisiert, prekarisiert und entlang geschlechtlicher sowie rassifizierter Linien abgewertet, während autoritäre Antworten an Stärke gewinnen. Feministisch vergesellschaften setzt an der Verbindung von Eigentum, Arbeitsteilung und gesellschaftlicher Krise an. Die „Sorgende Stadt“ bezeichnet den Versuch, Sorgeinfrastrukturen auf lokaler Ebene kollektiv und bedürfnisorientiert neu zu organisieren. Kann daraus eine gemeinsame Perspektive für migrantische und queere Kämpfe, Anti-Gewalt-Arbeit, ökologische und soziale Bewegungen entstehen?

Feministisch Vergesellschaften für reproduktive Gerechtigkeit: Die Familie als feministisches Kampffeld
Bis heute findet ein Großteil der Sorgearbeit in Familien statt: Hier werden Kinder großgezogen und Angehörige gepflegt. Gleichzeitig ist die Familie für viele Frauen, Kinder und Queers ein Ort von Gewalt und Abhängigkeit. Familie ist dabei nie nur Privatsache. Während manche Familien gefördert und abgesichert werden, wird anderen das Zusammenleben etwa durch Einschränkungen des Familiennachzugs oder des Adoptionsrechts erschwert. Reproduktive Gerechtigkeit umfasst deshalb weit mehr als den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen. Es geht um die Frage, wer unter welchen Bedingungen füreinander sorgen, Beziehungen leben und Kinder großziehen kann. Welche verschiedenen feministischen Perspektiven auf die Familie gibt es? Welche Rolle kann Familie in einer feministischen Vergesellschaftung von Reproduktion und Care spielen?

Zur Produktion von Gesellschaft: Was heißt vom Leben her planen?
Aktuell bestimmen Kürzungspolitiken, die eigene Erschöpfung und Aktionäre unter welchen Bedingungen Sorgearbeit stattfindet. Demokratische Planung will das ändern und die Bedingungen kollektiv aushandeln. Sie verschiebt den Fokus auf die Bedürfnisse der Versorgten und der Sorgenden. Das wirft Fragen nach Bedarfsermittlung, Beteiligungsformaten und Macht auf: Wer definiert, welche Bedürfnisse wichtig sind? Welche Infrastrukturen sind nötig, um die Planung von Care zu demokratisieren? Welche Chancen würde eine demokratische Planung im Care-Sektor eröffnen? 

Infrastruktursozialismus als inklusive Sozialpolitik. Auf dem Weg zu einer Vergesellschaftung von Sorge
Die gesellschaftliche Absicherung unserer Sorge füreinander kann verschieden organisiert werden. Geldleistungen wie das Elterngeld und sozialstaatliche Infrastrukturen wie Kitas stehen dabei exemplarisch für unterschiedliche Modelle mit jeweils eigenen Effekten auf Teilhabe, Abhängigkeiten und Zusammenhalt. Ansätze wie Infrastruktursozialismus, Gemeinwohl-Ökonomie, Sozialeigentum oder Public-Common Partnerships hingegen fragen nach kollektiven Formen der Organisation von Care. Was unterscheidet sie von bestehenden sozialstaatlichen Angeboten? Worin liegt das Potenzial des Öffentlichen trotz drohender rechtsextremer Regierungen? Was zeichnet gute öffentliche Infrastrukturen aus? Wie können ihre Qualität und die Zugänglichkeit verbessert werden?

Technofeminismen: Eine feministische Betrachtung des Verhältnisses von Geschlecht und Technik
Techno-Feminismen untersuchen das Zusammenspiel von Geschlecht, Körpern und digitalen Technologien. Sie zeigen, dass KI und digitale Plattformen nicht neutral sind, sondern gesellschaftliche Machtverhältnisse reproduzieren und verändern.  Neue Technologien haben sowohl das Potenzial, Herrschaft zu stabilisieren als auch Räume für post-gender Perspektiven, feministische Aneignung und internationale Vernetzung zu eröffnen. Der "Cyborg" dient als Denkfigur für die Auflösung fester Grenzen zwischen Mensch und Maschine, Natur und Kultur sowie für die Infragestellung binärer Geschlechterordnungen. Was bedeutet diese Widersprüchlichkeit strategisch für feministische Vergesellschaftung?

Wie verändern sich Geschlechterverhältnisse im digitalen Hightech-Kapitalismus?
Von Plattformen bis Homeoffice, von Arbeitsverdichtung bis ständige Erreichbarkeit verändern sich die Anforderungen an Geschlechterverhältnisse im digitalen Kapitalismus. Selbstoptimierung und Individualisierung treffen überall auf der Welt auf die Verhärtung geschlechtlicher und rassifizierter Arbeitsteilungen. Gleichzeitig etabliert sich eine "Broligarchie", also eine Herrschaft von ultrareichen Männern, in der digitale Plattformkonzerne, Datenökonomien und politische Eliten neue Machtkonzentrationen bilden und weltweit staatliche Institutionen umformen. Damit verschränken sich alltägliche Reproduktionsanforderungen mit neuen Formen konzentrierter Herrschaft. Dystopie oder Bruchlinie? Und worauf antwortet Feministisch Vergesellschaften unter diesen Bedingungen?

Lokal, demokratisch, widerständig: Rebellische Kommunen als Träger der Hoffnung?
Der "Munizipal-Sozialismus" versucht weltweit die begrenzten Möglichkeiten kommunaler Politik für lokale Veränderungen von links zu nutzen. Durch Interventionen, die an den Bedürfnissen der Menschen im Alltag ansetzen, soll Hoffnung spürbar werden. Oft folgt auf erste Erfolge Enttäuschung - zuletzt etwa die Abwahl der linken Regierung in Barcelona. Der Wahlsieg von Mamdani in New York zeigt jedoch, dass die Hoffnung auf rebellische Kommunen weiterlebt. Nirgendwo wird das so vorgelebt wie in der autonomen Region Rojava in Nordostsyrien / Westkurdistan. Was lässt sich aus diesen vergangenen und aktuellen Erfahrungen von Spanien über Sri Lanka und New York bis Kurdistan lernen? Welche Rolle können Kommunen realistischerweise als Orte gesellschaftlicher Transformation spielen? Und wie müssen sich feministisch-munizipalistische Strategien unter neuen politischen und ökonomischen Bedingungen verändern? 

Erst das Sorgezentrum, dann die Sorgende Stadt?
Sorgezentren holen Sorgearbeit aus der Vereinzelung des Privathaushalts heraus und machen sie als gesellschaftliche Aufgabe sichtbar. Professionelle Beratung, Pflege, Versorgung, Begegnung und Selbstorganisation kommen an einem Ort zusammen und weiten das Zuhause in die Stadt hinein. Sorgezentren schaffen so gleichzeitig Entlastung und neue Formen gemeinschaftlicher Infrastruktur und bilden damit einen zentralen Baustein einer sorgenden Stadt. In Mexico City wurden unter einer feministischen Bürgermeisterin mit den UTOPÍAS dutzende neue Sorgezentren aufgebaut. Wir lassen uns inspirieren und diskutieren: Wie können Sorgezentren konkret aussehen? Wer gestaltet und trägt sie mit? Und welche politischen und organisierenden Schritte auf dem Weg dahin können wir jetzt schon gehen?

Wie wird aus einer Shoppingmall ein Sorgezentrum?
Der zunehmende Leerstand in Shoppingmalls bietet Raum für Neues. Aus Konsumtempeln könnten Orte für Kinderbetreuung, Pflege, Beratung, Gemeinschaftsküchen und nachbarschaftliche Organisation werden. Sie könnten Ausgangspunkt eines Stadtumbaus sein, der Sorgearbeit statt Kaufkraft ins Zentrum rückt. Das eröffnet konkrete Umbaufragen: Welche Nutzungen passen zusammen und welche Infrastruktur braucht Sorge im Alltag? Wie kann die Umnutzung leerstehender Malls gemeinwirtschaftlich finanziert werden? Und wie lassen sich Eigentum, Betrieb und demokratische Verwaltung so organisieren, dass daraus dauerhaft zugängliche und geteilte Orte entstehen?

Ein Sorgezentrum in jeder Stadt!  Vernetzung zum Thema „feministisch Vergesellschaften“ und „Sorgende Stadt“
Diskussionen um feministisches Vergesellschaften und die Idee der Sorgenden Stadt wachsen und gedeihen an vielen Orten gleichzeitig: in kommunalen Initiativen, Parteigliederungen, politischen Kampagnen und queer-feministischen Bündnissen. Unsere Vernetzung zielt auf den Austausch von Erfahrungen, gemeinsame strategische Bezugspunkte und eine stärkere Verbindung zwischen kommunalen Projekten und bundesweiten Debatten. Für eine gemeinsame Praxis, die lokale Experimente stärkt und politisch zusammenführt!

Was heißt Vergesellschaftung im Gesundheitswesen? Medizinische Grundversorgung zwischen Anlageobjekt und Gemeingut 
Klinikübernahmen, investorengeführte Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und Privatpraxen so weit das Auge reicht: Die Konzentration von Eigentum im Gesundheitswesen wird von Investoren unermüdlich vorangetrieben. Eine gemeinsame Studie des Polikliniksyndikats in Kooperation mit Communia untersucht in dieser Lage das Potenzial von Vergesellschaftung im Gesundheitswesen. Anknüpfend an Modelle wie die Polikliniken der DDR sollen Alternativen zur bestehenden Organisation von Gesundheit entwickelt werden. Welche Rolle übernehmen Beschäftigte, wie sichern sie Arbeitsbedingungen, und wie lässt sich demokratische Kontrolle über Versorgung und Ressourcen organisieren? 

Für ein gutes Leben in Verschiedenheit: Solidarische Sorge und Gesundheitspolitik
Bestehende Dienstleistungen im Care-Bereich orientieren sich oft an den angenommenen Bedürfnissen einer 'Mehrheitsgesellschaft'. Für marginalisierte und besonders vulnerable Gruppen sind sie oft schwer zugänglich - entweder weil es sprachliche, physische oder sonstige Barrieren gibt, oder weil die Angebote spezifische Anliegen schlicht nicht abbilden. Queere, behinderte, rassifizierte Communities setzen schon lange notgedrungen auf Selbstorganisierung, oft unter prekären Bedingungen. Welche wegweisenden Angebote gibt es bereits, die es auszuweiten und für alle abzusichern gilt? Und wie kann eine solidarische Sorge- und Gesundheitspolitik aussehen, die die Diversität von Unterstützungsbedarfen zum Ausgangspunkt nimmt und darin nach gemeinsamen Handlungsräumen sucht?  

Mehr als ein Vereinbarkeitsproblem: Gesellschaft mit Kindern denken
Kinder tauchen im Alltag und in politischen Debatten vor allem als Betreuungsfrage auf: Wer kümmert sich wann und unter welchen Bedingungen? Aus feministischer Perspektive greift dies zu kurz. Kinder prägen Routinen und soziale Beziehungen und verändern, wie Alltag organisiert wird. Sie haben eigene Bedürfnisse und Anforderungen an Sorgeinfrastrukturen. Aus ihrer Perspektive werden neue Praxen notwendig, die über Ver-Sorgung und Aufsicht hinaus gehen. Wie lassen sich Infrastrukturen schaffen, die Teilhabe für Kinder ermöglichen und zugleich zum Leben der arbeitenden Klasse passen, ohne neue Überlastungen oder Ausschlüsse zu erzeugen? 

Das Zuhause als gesellschaftlicher Ort: Neue Infrastrukturen zwischen Wohnung, Kiez und Gemeinwesen
Viele Menschen mit hoher Sorgeverantwortung oder hohem Sorgebedarf bleiben in ihren eigenen vier Wänden weitgehend allein. Aufsuchende Angebote können diese - für das kapitalistische Geschlechterverhältnis so zentrale - Trennung von privat und öffentlich durchbrechen und das Zuhause selbst als Teil einer erweiterten Sorgeinfrastruktur im Quartier denken. Welche neuen Infrastrukturen könnten entstehen, die alle Orte der Sorge miteinander verknüpfen? Bis wohin soll diese Öffnung des Zuhauses reichen? Welche Rolle spielen Nachbarschaft, öffentliche Träger und kollektive Strukturen im Kiez? 

„Wir wollen die ganze Kita!“ Selbstorganisierung und kollektive Betriebsformen im Sorgebereich
In der Theorie wissen wir: Wir wollen gemeinwohlorientierte und demokratisch organisierte Sorgeangebote. Wie das in der Praxis umsetzbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Oft scheitern Transformationsprozesse genau daran: Es gibt die Angebote nicht! Diese müssen parallel zu Debatten um Munizipalismus und Vergesellschaftung ganz praktisch entwickelt werden. Welche Erfahrungen mit dem Aufbau von sorgenden Angeboten gibt es bereits? Wie können sich bestehende Projekte gegenseitig unterstützen? Wie können linke Bewegungen und Parteien den Aufbau unterstützen? Und wie lassen sich Strukturen ausweiten - wie wird aus einer Poliklinik ein ganzes Syndikat? 

„It takes a village...“: Sorgeinfrastrukturen in ländlichen Räumen erkämpfen
Das Ziel der Sorgenden Stadt - gut erreichbare Sorgeinfrastrukturen und kurze Wege im Alltag - ist auch auf dem Land anschlussfähig. Man könnte sagen: Das Dorf ist das Leitbild. In der Realität ist die Unterversorgung in der Fläche die Kehrseite der Konzentration in den Städten. Einzelne Ansätze der Sorgenden Stadt lassen sich auf den ländlichen Raum übertragen, andere stoßen an strukturelle Grenzen von Raum, Personal und Mobilität. Hinzu kommen Finanzierungsfragen, die die Budgets kleiner Kommunen weit übersteigen. Internationale Beispiele können auch hier inspirieren: Sie zeigen, wie Care-Infrastrukturen auch und gerade in peripheren Gegenden gestärkt und durch mobile Lösungen gestützt werden können. Wie also lassen sich Care-Infrastrukturen jenseits städtischer Logiken entwickeln und absichern?

Sorgende Stadt meets Solidarity City
Die Konzepte der Sorgenden Stadt und Solidarity City verbindet die Frage, wie urbane Räume soziale Teilhabe, Versorgung und Schutz organisieren können. Beide Ansätze denken die Stadt nicht als Verwaltungsraum, sondern als Netzwerk kollektiver Verantwortung der dort lebenden Menschen. Die Sorgende Stadt richtet den Fokus auf Care-Infrastrukturen im Alltag: im Quartier, im Zuhause und in der Nachbarschaft. Solidaritätsbasierte Stadtkonzepte wie Solidarity City setzen auf migrantische Rechte, Zugang zu Infrastruktur und fragen nach alltäglichen Praktiken gegenseitiger Unterstützung und Teilhabe. Welche Schnittmengen entstehen zwischen beiden Ansätzen? Und wie lassen sich städtische Räume so gestalten, dass Sorge, Migration und Solidarität zusammen gedacht werden?

Fürsorge statt Kontrolle: Auf dem Weg zu „Life-Affirming Institutions“
Sozialstaatliche Angebote sollen zur Unterstützung von Menschen in herausfordernden Lebenslagen beitragen. Oft tun sie das auch. Aber nicht alle Menschen machen gute Erfahrungen mit dem Sozialstaat. Für viele bedeuten etwa Psychiatrie, Arbeitslosengeld oder Soziale Arbeit nicht nur Unterstützung sondern oft auch Kontrolle und Sanktionen, etwa wenn Auflagen nicht eingehalten werden. Die Abolitionistin Ruth Wilson Gilmore fordert daher "Life-Affirming Institutions“, also soziale Infrastrukturen, die nicht disziplinierend wirken, sondern die kollektive Sorge ins Zentrum stellen. Anhand der praktischen Erfahrung aus verschiedenen Bereichen diskutieren wir, unter welchen Bedingungen und zu welchem Zweck sozialstaatliche Politiken strafend wirken können? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für feministische Vergesellschaftung? Und welche Mechanismen haben sich bewährt, um Ohnmachtserfahrung, Abhängigkeitsgefühle und Beschämung im Hilfesystem zu umgehen?

Sieben Jahre nach feminist futures I: Was hat sich für die Care-Bewegung verändert?
Seit 2019, als wir beim ersten feminist futures Festival in Essen in mehreren Workshops über Themen der Care-Bewegung diskutierten, hat sich viel verändert. Zunehmend autoritäre Politik und drohende Faschisierung, die Erfahrungen der Corona-Epidemie, Militarisierung und Sozialabbau verändern den Rahmen für emanzipatorische Care-Politik. Zeit, auf unsere Erfahrungen in Kämpfen und Experimenten zurückzublicken. Dies wollen wir im Workshop im Gespräch mit Care-Aktivist*innen tun.

2. Vergesellschaftung meets ...

2. Vergesellschaftung meets...

Sorgearbeit ist nicht nur ein Themenfeld neben anderen. Sie ist die geschlechtsspezifische Seite des Eigentumsverhältnisses und wirft die grundlegende Frage auf: Wer verfügt über wessen Arbeit? Wer also hat die Macht und wer wird in diesem Prozess wie abgewertet? Auch in Auseinandersetzungen um Gewalt, Prekarisierung oder soziale Rechte wirkt die Hierarchisierung von Produktion und Reproduktion im Kapitalismus deshalb strukturierend. Damit eng verbunden ist die globale Teilung der Arbeit zwischen „Nord“ und „Süd“: Migrantisierte und rassifizierte Personen müssen dafür einstehen, dass die Kosten der Arbeit niedrig bleiben. Auch sie geht im Kapitalismus mit Abwertung und Gewalt einher. Wir wollen diese Zusammenhänge auf der Konferenz sichtbar machen und fragen, ob und wie feministisch Vergesellschaften ein Horizont für gemeinsame Kämpfe sein kann: 

... Internationalistischer Feminismus / Antirassismus / Kämpfe um Bewegungsfreiheit / Abolutionismus

Warum Vergesellschaftung antirassistisch sein muss: Was haben Kämpfe für Bewegungsfreiheit mit der Sorgekrise zu tun?
Die Care-Krise wird über migrantisierte Arbeit stabilisiert: Sorgearbeit wird global verschoben, entlang rassistischer Hierarchien organisiert und durch Migrationsregime reguliert. Der "Racial Capitalism" strukturiert, wem gesellschaftliche Reproduktion zugestanden wird und unter welchen Bedingungen. So entsteht eine imperiale Arbeitsteilung, in der bestimmte Körper systematisch für die Reproduktion anderer eingesetzt werden. Wie kann feministisches Vergesellschaften Widerstand gegen solche Scheinlösungen für die Care-Krise leisten? Welche gemeinsamen Kämpfe und Strategien ergeben sich daraus für antirassistische und feministische Bewegungen?

Krieg im Innen und Außen und die Versicherheitlichung unserer Städte
Der Krieg im Äußeren geht mit einem Krieg im Inneren einher: Aufrüstung, globale Konflikte und geopolitische Spannungen verschränken sich mit mehr Polizei, Kontrolle und Repression in unseren Städten. Die Versicherheitlichung prägt öffentliche Räume und wirkt in Protestbewegungen hinein, besonders in internationalistischen und Palästina-solidarischen Kontexten. Gleichzeitig entstehen Ansätze, Sicherheit in der Kommune über Sorge und kollektive Verantwortung herzustellen statt über Ausschluss und Kontrolle. Welche kommunalen Strategien lassen sich entwickeln, die Sicherheit nicht militarisieren, sondern auf soziale Infrastruktur und Teilhabe beziehen?

Wie sieht internationalistische und feministische Solidarität unter Bedingungen der Faschisierung aus?
Internationale feministische Solidarität ist unter Bedingungen zunehmender Faschisierung wichtiger denn je. Abschiebepolitiken wie ICE in den USA, Grenzregime wie GEAS in Europa, Gewalt entlang globaler Lieferketten, Kriege und Genozide sind Menschheitsfragen. Solidarität bedeutet, Kämpfe über Grenzen hinweg zu verknüpfen: durch transnationale Netzwerke, migrantische Selbstorganisation, Arbeitskämpfe entlang von Lieferketten, Boykott- und Streikpraktiken sowie gegenseitige Unterstützung im Alltag. Wie entstehen Verbindungen, die diese Kämpfe nicht isolieren, sondern gemeinsame Handlungsfähigkeit ermöglichen?

Pflege zwischen Abwanderung und defizitären sozialen Infrastrukturen: Die Lage in Ost- und Mittelosteuropa
Vermeintlich billige Arbeitskräfte aus Osteuropa, die in Deutschland in der Pflege arbeiten, haben ihren Preis. Diesen zahlen jedoch die Menschen in Osteuropa, wo die ausgebildeten Pflegekräfte fehlen. Im Panel wollen wir besprechen wie Pflegekräfte und Feminist*innen in Tschechien und der Ukraine für eine sorgende Gesellschaft streiten.

... Kämpfe um bzw. gegen Zweigeschlechtlichkeit, Heteronormativität und Trans*Misogynie (nicht nur) von rechten Kräften

Warum Vergesellschaftung queer-feministisch sein muss: Bite back and fight the cis-tem - Was haben Cis- und Heteronormativität mit Arbeitsteilung zu tun?
Cis-Normativität beschreibt die gesellschaftliche Annahme, dass alle Menschen sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass sich Geschlecht eindeutig in "männlich“ und „weiblich“ unterscheiden lässt. Diese Anordnung wirkt nicht nur als Identitätsnorm, sondern strukturiert auch Arbeitsteilung, Sorgeverhältnisse und gesellschaftliche Anerkennung. Sie stabilisiert die Zuweisung von Care-Arbeit an feminisierte Körper und Lebensweisen und mit ihr deren gesellschaftliche Abwertung. Wie greifen queere und trans* Perspektiven diese Ordnung an? Was kann feministische Vergesellschaftung von neuen Vorstellungen von Sorgebeziehungen, Wahlverwandtschaften und solidarischem Zusammenleben lernen?

Geschlecht und Migration als Panikmache: Wie werden moral panics erzeugt? Und was können wir dagegen tun?
Ob Debatten um Sexualerziehung oder Merz' "Töchter" Debakel: Geschlechtervielfalt, Selbstbestimmung und Migration werden immer wieder als gesellschaftliche Bedrohungen dargestellt. Antifeminismus, Antigenderismus sowie Queer- und Transfeindlichkeit verbunden mit Rassismus bieten einen gemeinsamen Nenner für die Rechte weltweit. Im Kontext gesellschaftlicher Umbrüche und veränderter Re-/Produktionsverhältnisse, organisieren sie regelrechte Kampagnen – moral panics. Wieso gelingt ihnen das immer wieder? Und welche Strategien helfen, solche Paniken international zu durchbrechen und solidarische Gegen-Narrative aufzubauen? 

Von Frauen und FLINTA. Feminist*innen verschiedener Generationen kommen miteinander ins Gespräch
Feministische Kämpfe entstehen aus konkreten Erfahrungen mit Gewalt, Arbeit, Care und gesellschaftlicher Ungleichheit und aus dem Versuch, darauf Antworten zu finden. Frauenbewegung, Queerfeminismus und andere feministische Strömungen haben unterschiedliche Begriffe, Strategien und Praxen entwickelt, um auf ihre jeweiligen Umstände zu reagieren. Während für ältere Generationen, das "Subjekt Frau" ein wichtiger Bezugspunkt der Emanzipation war, steht heute für viele die hetero- und cis-normative Geschlechterordnung als solche im Zentrum feministischer Kämpfe. Diese Unterschiede sind Ausdruck verschiedener Lebenslagen und politischer Erfahrungen und öffnen zugleich unterschiedliche, sich teils widersprechende Antworten. Die Veranstaltung schafft einen solidarischen Raum, in dem diese Perspektiven miteinander ins Gespräch kommen, voneinander lernen und gemeinsame wie unterschiedliche Bezugspunkte sichtbar werden können.

… Antigewaltarbeit: gegen patriarchale und sexualisierte Gewalt & Femizide

Warum Vergesellschaftung auch Antigewaltarbeit ist: Wie hängen Krise, Geschlecht und Gewalt zusammen?
Geschlechtsbezogene Gewalt entsteht in gesellschaftlichen Verhältnissen von Arbeitsteilung, Eigentum und Abhängigkeit. Das zeigt sich in alltäglichen Abwertungen genauso wie in Femiziden. In internationalen Debatten versucht der Begriff der „ökonomischen Gewalt“ diesen Zusammenhang von materiellen Ungleichheiten und Gewaltverhältnissen zu fassen. Welche Wirkung entfaltet der Begriff in der Praxis der Kämpfe? Wie müssten konkrete Schritte feministischer Vergesellschaftung aussehen, um diese Zusammenhänge anzugehen? Und wie könnten Anti-Gewalt-Bewegungen daran anknüpfen und daraus gemeinsame Strategien entwickeln?

Der Gewalt Einhalt gebieten - aber wie? Zwischen Gewaltschutz und Strafrechtsfeminismus
Geschlechtsbasierte Gewalt hat in letzter Zeit breite Debatten über Verschärfungen im Strafrecht ausgelöst. Spaniens aktuelle Regierung hat umfassende Gesetze erlassen, aber auch dort bewegt sich die Debatte zwischen dem Bedürfnis, Gewalt klar zu ächten und der Frage, welche politischen Mittel dafür eingesetzt werden. Forderungen nach Verschärfung von Strafrecht und Kontrolle wirken naheliegend und können Schutz ermöglichen, aber auch autoritäre Dynamiken verstärken und bestehende Ungleichheiten reproduzieren. Die Kritik an einem "Strafrechtsfeminismus" wächst. Welche Probleme ergeben sich, wenn geschlechtsbasierter Gewalt primär mit Strafverfolgung der Täter begegnet wird? Welche sonstigen Strategien schützen uns im Hier und Jetzt?

Rechte als Gewaltschutz: Sexarbeiter*innen durch ein Gesetz schützen
Der Workshop stellt das von Sexarbeitenden entwickelte SexArbeitsGesetz (SAG) vor. Entstanden in einer Workshopreihe, formuliert der Entwurf Vorschläge für eine Regulierung von Sexarbeit, die auf den Erfahrungen und Bedürfnissen der Betroffenen basiert. Im Mittelpunkt stehen Arbeitsrechte, soziale Absicherung, Schutz vor Gewalt und gesellschaftliche Teilhabe.

Das System Epstein: Wie verschieben sich Reproduktionsregime und Gewalt im Zeitalter der Tech-Oligarchen?
Der Fall Epstein handelt nicht nur von der exzessiven Gewalt eines Mannes, sondern auch von der Veränderung von Reproduktionsverhältnissen angesichts konzentrierter Vermögens- und Machtstrukturen. Sorge, Sexualität, Arbeit und Eigentum verschränken sich darin mit ökonomischer Abhängigkeit und politischer Einflussnahme. Im Zeitalter von Tech-Oligarchien wandelt sich außerdem das Verhältnis von Privat und Staat: Die staatliche Gestaltungsfähigkeit wird durch die Monopolmacht einzelner Akteure geschwächt, deren technologische Infrastrukturen zentrale Lebensbereiche prägen. Welche Handlungsbedingungen entstehen daraus – und was bedeutet feministische Vergesellschaftung unter diesen Voraussetzungen?

… Kämpfe um Ökologie, Klima, Landwirtschaft, Lebensmittelversorgung, Subsistenz

Warum Vergesellschaftung ökofeministisch sein muss: Was haben Arbeitsteilung und Eigentum mit der Krise der Naturverhältnisse zu tun?
 Die Klimakrise und die diversen ökologischen Krisen unserer Zeit sind eng damit verbunden, wie Arbeit, Sorge und Natur im Kapitalismus ausgebeutet werden. Die Trennung von Produktion und Reproduktion, von Stadt und Land sowie die imperiale Arbeitsteilung zwischen "Globalem Norden" und "Globalem Süden" strukturieren, wer von Umweltzerstörung profitiert und wer ihre Folgen trägt. Wir diskutieren die Zusammenhänge zwischen Geschlechterverhältnissen, kolonialen Kontinuitäten und ökologischer Krise: Welche Rolle spielt die Abspaltung von Sorgearbeit und Natur in der kapitalistischen Ökonomie? Wie sind Fossilismus und Patriarchat miteinander verschränkt? Wie werden ökologische und reproduktive Kosten entlang globaler Ungleichheiten verschoben? Und welche Perspektiven auf Vergesellschaftung entstehen, wenn wir die Klimakrise als Frage gesellschaftlicher Arbeitsteilung und Reproduktion des Lebens begreifen?

Das Private wird politisch - öko-Feministisch Vergesellschaften zwischen revolutionärer Realpolitik und sozial-ökologischer Transformation in Stadt und Land
Weltweit entstehen Bewegungen und Projekte, die nach anderen Formen des Wirtschaftens, Versorgens und Zusammenlebens suchen. Sie verbinden sich Kämpfe gegen fossile Abhängigkeiten mit Fragen von Geschlecht, Ernährung, Landzugang und kollektiver Selbstorganisation. Das Panel widmet sich konkreten Transformationsperspektiven und Gegenpraktiken. Wir diskutieren die Verbindungen zwischen Fossilismus und Geschlechterverhältnissen und Ansätze für eine feministische und ökologische Daseinsvorsorge. Welche Kämpfe können an Rissen in den bestehenden Machtverhältnissen ansetzen und sie schrittweise verändern? Und welche Rolle spielen Landwirtschaft, Ernährungssouveränität und kollektive Formen des Zusammenlebens für eine sozial-ökologische Vergesellschaftung?

Wer versorgt uns? Kämpfe um Ernährung und Geschlecht in globaler Perspektive Landwirtschaft und Ernährung sind die grundlegendste Voraussetzung gesellschaftlicher Reproduktion – gleichzeitig sind sie geprägt von globalen Ungleichheiten, migrantisierten Arbeitsverhältnissen und geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung. Wir diskutieren Kämpfe um Ernährungssouveränität, bäuerliche Arbeit und den Zugang zu Land aus feministischer und internationalistischer Perspektive. Welche Alternativen setzen Bewegungen wie La Via Campesina der industriellen Landwirtschaft entgegen? Wie hängen Fragen von Geschlecht, Arbeit, Eigentum und Ernährung zusammen? Und welche Rolle kann die Vergesellschaftung von Land, Ernährungssystemen und Versorgungsinfrastrukturen für eine sozial-ökologische Transformation spielen?

Ernährungssouveränität: Alternativen von unten
Transnationale Konzerne nehmen massiven Einfluss auf den Agrarsektor - über den Einsatz von Pestiziden und Hybridsaatgut, oder die Kontrolle von Düngemittel. Dagegen entwickeln Aktivist*innen vor Ort solidarische und ökologische Alternativen, wie Saatgutbibliotheken, den Kampf gegen Pestizide sowie die Auswirkungen auf Gesundheit, Boden, Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmerrechte. Wie sehen Kollektivlösungen gegen Monopole aus? Und wie können sich Erfahrungen transnational bereichern? 

3. Zeitdiagnose, Faschisierung, Militarisierung und Krieg

3. Zeitdiagnose, Faschisierung, Militarisierung und Krieg

Workshops

Warum Vergesellschaftung antifaschistisch sein muss: Nachbarschaftliche Sorgepolitik als antifaschistische Praxis
Faschisierung zeigt sich auch im Alltag: Rechte politische Haltungen werden wieder mit Selbstbewusstsein in der Öffentlichkeit vertreten. Autoritäre Antworten auf Krisen und soziale Verunsicherung sind populär. Was lässt sich dem im unmittelbaren sozialen Umfeld entgegensetzen? Wie können wir antifaschistische Praxis nicht nur als Abwehrkampf denken, sondern so, dass sie Handlungsspielräume erweitern? Wir diskutieren Formen nachbarschaftlicher Solidarität, die Antworten auf die Krisen im Alltag bieten, und als antifaschistische Strategie. Dabei blicken wir auch auf Beispiele aus den USA und Argentinien, wo lokale Organisierung im Widerstand gegen die MAGA-Bewegung und Milei bereits erprobt werden. 

In welchem Faschismus leben wir?
Menschen geraten durch unsichere Jobs, steigende Kosten, fehlende Pflege, überlastete Familien und brüchige soziale Sicherungssysteme immer stärker unter Druck. Autoritäre Kräfte nutzen das aus und antworten auf diese Krisen mit Ausgrenzung, mehr Kontrolle sowie Schuldzuweisungen nach unten und befeuern so einen Faschisierungsprozess. Wie unterscheidet sich die aktuelle Faschisierung von historischen Formen des Faschismus? Welche gesellschaftlichen und kapitalistischen Veränderungen sind besonders wichtig, um heutige autoritäre Entwicklungen zu verstehen? In diesem Workshop schauen wir insbesondere auch auf das Verhältnis von Staat, Krise und sozialer Reproduktion: Was verändert sich, wenn Sorgearbeit immer prekärer, privatisierter und ungleicher organisiert wird? Und welche Rolle spielt Geschlecht in der Faschisierung?  

Antifaschistische Wirtschaftspolitik plus Kulturkampf von links - warum und was tun?
Die Frage danach, wer Gewalt erfährt, lässt sich nicht von der Frage, wer wichtige Ressourcen besitzt und dadurch Macht über andere hat, trennen. Im Prozess der Faschisierung wird diese Ungleichverteilung in einer Zunahme von alltäglicher und institutioneller Gewalt gegen „innere und äußere Feinde“ verstärkt. Darauf können wir nicht nur mit besseren Sozialprogrammen antworten, es braucht zusätzlich einen linken Kulturkampf - also eine politische Auseinandersetzung darum, wie wir zusammenleben wollen, wessen Sorgen ernst genommen werden und wie Solidarität organisiert werden kann. Wir bringen Ansätze der affektiven Demokratie und des feministischen Vergesellschaftens zusammen, um "antifaschistische Wirtschaftspolitik" feministisch zu erweitern. 

Feministisch, antifaschistisch, internationalistisch: Wie müssen internationale Allianzen gegen Autoritarismus aussehen?
Der Autoritarismus macht an Ländergrenzen nicht Halt: Netzwerke wie die Conservative Political Action Conference (CPAC) bündeln rechte Strategien international und normalisieren Militarisierung und soziale Ausgrenzung. In ihrem Kampf um gesellschaftliche Mehrheiten verbindet die Rechte Kulturkampf, Sicherheitsdiskurse und soziale Hierarchisierung. Gegen diese Dynamiken braucht es internationalistische und intersektionale antifaschistische Allianzen, die über nationale Perspektiven hinausgehen und kulturelle wie ökonomische Kämpfe zusammendenken. Wie können solche Allianzen aussehen und wie lassen sie sich stärken?

Wir werden euch nicht helfen können - Militarisierung im Gesundheitswesen
Während Krankenhäuser unter Personalmangel, Ökonomisierung und Investitionsstau leiden, werden Gesundheitswesen und Pflege zunehmend unter dem Gesichtspunkt der „Kriegstüchtigkeit“ diskutiert. Bundeswehr, Ministerien und Gesundheitseinrichtungen entwickeln Konzepte für den Ernstfall, die eine stärkere zivile-militärische Zusammenarbeit und die Ausrichtung medizinischer Strukturen auf mögliche Kriegsszenarien vorsehen. Was passiert, wenn ein ohnehin überlastetes Gesundheitssystem zusätzlich für militärische Anforderungen umgebaut werden soll? Wie erzeugt die politische „Zeitenwende“ nicht nur eine militärische, sondern auch eine gesellschaftliche Weichenstellung, bei der Ressourcen zunehmend von sozialen Bereichen in Rüstung und militärische Infrastruktur umgeleitet werden? Welche Gegenstrategien gibt es, die Sorgearbeit auch als eine friedenssichernde Praxis begreifbar machen?

Wer Diät macht, macht keinen Aufstand! Schönheitsnormen als Herrschaftsmechanismus in der Faschisierung
Schönheitsideale ordnen die Sichtbarkeit, Anerkennung und Teilhabe von Menschen anhand ihres Aussehens. Durch die Verschränkung mit den Logiken sozialer Plattformen, werden bestimmte Körperbilder algorithmisch verstärkt und andere unsichtbar gemacht. Dabei ist es kein Zufall, dass Trends wie skinny tok, clean girls und Selbstoptimierung durch Botox oder "Looksmaxxing" gerade in Zeiten der Faschisierung an Popularität gewinnen. Angesichts dieser Entwicklungen fragen wir: Was sind ,,Körperpolitiken''? Wieso dient eine Verstärkung bestimmter Körpernormen als Element der Faschisierung? Und welche solidarischen Praktiken lassen sich entwickeln, die Körper nicht entlang von Hierarchien spalten, sondern kollektive Zugehörigkeit stärken?

Geschlecht und Krieg: Repatriachalisierung in Russland und der angegriffenen Ukraine
Seit mehr als vier Jahren prägt der russische Überfall auf die Ukraine beide Länder. In der Ukraine sind aufgrund der Ausreisebestimmungen vor allem Frauen mit ihren Kindern bzw. älteren Angehörigen aus dem Land geflohen und Männer werden durch die Zwangsmobilisierung aus dem zivilen Leben gerissen, was zu einer Neukonfiguration der Pflegearrangements in der ukrainischen Gesellschaft führte. Zeitgleich werden im Zuge der Kriegspropaganda in Russland sogenannte „traditionelle Werte“ betont, was unter anderem in der Praxis zu einer Einschränkung des Zugangs zu Abtreibungen und der weiteren Ausgrenzung von LGBTIQ+ führt. Das vom Heldendiskurs geprägte Männlichkeitsbild sowie die millionenfache Traumatisierung der vor allem Soldaten in den Schützengräben, wird langfristig die Gesellschaften belasten. Nicht allein konfliktbezogene sexuelle Gewalt, sondern auch ein Anstieg der häuslichen Gewalt durch das Hereintragen der im Krieg erlernten Gewalt in die Gesellschaften werden die Folge sein. Wie bereiten sich Frauen* und linke Aktivist*innen in den beiden Gesellschaften darauf vor? Welche Erfahrungen aus anderen (Post)Konfliktsituationen können hilfreich sein und wie kann internationale Solidarität die Frauen* in der Ukraine und Russland unterstützen?

Krieg, Militarisierung und Solidarität: neue Wege zu Frieden und Gerechtigkeit? 
Krieg verändert Alltag, soziale Beziehungen und politische Teilhabe, da Institutionen, öffentliche Dienste und rechtliche Schutzmechanismen unter Druck geraten oder zusammenbrechen. Frauen und Akteure an der Basis organisieren Unterstützung und gehen mit Vertreibung und Verlust um. Wie stellen Fürsorge, Solidarität und kollektives Handeln militarisierte Sicherheitskonzepte in Frage? Wie können auf einer solchen Grundlage Frieden und Gerechtigkeit erstritten werden? Was braucht es, um auch das soziale und politische Leben wieder aufzubauen?

4. Streik und Arbeitskämpfe

4. Streik und Arbeitskämpfe

Workshops

Fürs Gemeinwohl streiken! Wie gelingt eine Allianz aus Beschäftigten und Zivilgesellschaft im Rahmen von Tarifverhandlungen?
„Bargaining for the Common Good“ bezeichnet eine Streik- und Verhandlungsstrategie aus den USA, bei der Arbeitskämpfe als Hebel genutzt werden, um nicht nur Verbesserungen für Beschäftigte, sondern auch für die breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Durch starke Bündnisse zwischen Gewerkschaften, Zivilgesellschaft oder Bewegungen können so politische Veränderungen erstritten und Arbeitskämpfe gestärkt werden. Wir sprechen über Streikerfahrungen von Lehrer*innen aus Chicago sowie von Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr in Deutschland, die ihre Arbeitskämpfe jeweils mit Forderungen nach kleineren Klassen, mehr Personal und einem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs verbunden haben. Was können Gewerkschaften, soziale Bewegungen und stadtpolitische Initiativen voneinander lernen? Wie gelingt es gemeinsam Macht aufzubauen? Wie lassen sich Arbeitskämpfe im Care-, Bildungs- und Sozialbereich stärker mit gesellschaftlichen Fragen von Versorgung, Teilhabe und Gemeinwohl verbinden? Und wo können entlang dieser Fragen auch aktuell international starke Anti-Krisen-Allianzen entstehen?

Den feministischen Streik weiterdenken: Können wir mit feministischen Bewegungen gewerkschaftliche Kämpfe stärken?
Feministische Streiks haben weltweit neue Verbindungen zwischen Care-Arbeit, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen sichtbar gemacht. Angesichts bestehender Angriffe auf den Sozialstaat, die Sorgearbeitende und vulnerable Gruppen am stärksten treffen wird, sind sie nötiger denn je. Gleichzeitig blieb ihre Breite und politische Durchschlagskraft bisher begrenzt, die jeweiligen Handlungslogiken von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen teils schwer ineinander zu übersetzen. Mit Blick auf anstehende Tarifrunden - sowohl im öffentlichen Dienst 2027 als auch im Sozial- und Erziehungsdienst 2028 - geht es um strategische Vernetzung, gemeinsame Bezugspunkte und die Verbindung unterschiedlicher Arbeits- und Sorgebereiche. Welche Ideen gibt es, eine neue feministische Streikbewegung aufzubauen? Wie lassen sich feministische Streikperspektiven in langfristige Bündnisse und Kampagnen übersetzen?

Es reicht! Gemeinsam gegen den sozialen Kahlschlag!
Kürzungen im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich treffen Einrichtungen, Beschäftigte und Nutzer*innen zugleich und verschärfen die Krise sozialer Reproduktion drastisch. Zivilgesellschaftliche Bündnisse reagieren darauf bereits mit Protesten, Kampagnen und lokalen Allianzen. Diese Ansätze lassen sich weiter zusammenführen und strategisch stärken. Welche Erfahrungen gibt es mit großen Krisen-Bündnissen gegen Kürzungen? Wie lassen sich Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften, Initiativen, Träger und Betroffene an einen Tisch bringen? Und welche gemeinsamen politischen Bezugspunkte helfen, um Sozialabbau nicht nur abzuwehren, sondern Perspektiven für eine solidarische Care-Infrastruktur zu entwickeln? 

"48 Tage" - Über den Erzwingungsstreik von nicht-medizinisch Beschäftigten an der Charité. Filmvorführung und Diskussion
 Die CFM, eine Tochtergesellschaft der Berliner Charité, steht exemplarisch für die Ausgliederung der am wenigsten profitablen Teile eines Krankenhauses, für schlechtere Arbeitsbedingungen und die Abwertung unverzichtbarer Sorge- und Dienstleistungsarbeit. Der Film ,,48 Tage'' dokumentiert den erfolgreichen Streik der CFM-Beschäftigten an der Charité aus Sicht migrantischer Frauen. Im Anschluss an die Filmvorführung sprechen wir mit Kolleginnen, die am Streik beteiligt waren, über migrantische und feministische Perspektiven auf Arbeitskämpfe und ihre Situation vor und nach der Tarifauseinandersetzung.

5. Praxisworkshops / Vernetzung

5. Praxisworkshops / Vernetzung

Workshops

Gegen ICE organisieren: Aus feministischen Strategien gegen Abschiebung lernen
Betroffene, Aktivist*innen und Nachbar*innen in den USA organisieren sich gegen die durch ICE entfesselte Gewalt. Sie bilden Netzwerke zur gegenseitigen Unterstützung und entwickeln Strategien zur kollektiven Intervention. Fürsorgliche nachbarschaftliche Netzwerke werden so zu überlebenswichtigen Akteuren gegen staatliche Gewalt. Was lässt sich aus ihren Organisierungen für andere Kämpfe gegen Abschiebungen, Grenzregime und antifeministische Stimmungsmache lernen? Welche Taktiken lassen sich übertragen, um Betroffenen Schutz zu bieten? Welche Strukturen können wir heute schon aufbauen, welche Verbindungen pflegen, um uns bestmöglich gegen die wachsende Brutalität aufzustellen?

Transformative Gerechtigkeit: Was macht uns wirklich sicher? Und was hat das mit der Vergesellschaftung von Sorge zu tun?
 "Sicherheit" wird meist mit Polizei, Kontrolle und Strafe verbunden. Transformative Gerechtigkeit hingegen fragt nach den Bedingungen, die Schutz vor Gewalt im Zuhause, auf der Straße und in Behörden ermöglichen. Zwischen staatlichen Institutionen, Selbstorganisierung und zivilgesellschaftlichen Strukturen entstehen Unterstützungsformen, die Schutz praktisch organisieren. Welche Zwischeninfrastrukturen tragen, wo entstehen Lücken, und wie lassen sie sich füllen? Wie kann Sicherheit als gesellschaftliche Aufgabe gedacht werden, ohne in neue Formen von Kontrolle umzuschlagen? 

Wie sprechen wir über Sexarbeit/Prostitution? Einführung in eine kontroverse Debatte
Sexarbeit und Prostitution gehören zu den umstrittensten Themen feministischer Politik. Feministische Positionen, queere Perspektiven, Migrationserfahrungen sowie Fragen von Patriarchat, Arbeitsverhältnissen, Ausbeutung und Selbstbestimmung treffen hier aufeinander und führen häufig zu verhärteten Kontroversen. Der Workshop führt in die unterschiedlichen Perspektiven und Konfliktlinien ein, greift verbreitete Unsicherheiten auf und arbeitet Widersprüche heraus, ohne sie vorschnell aufzulösen. Im Mittelpunkt steht, die jeweiligen Argumente, ihre theoretischen und politischen Grundannahmen sowie ihre unterschiedlichen Ausgangspunkte nachvollziehbar zu machen. So wird verständlich, wo es gemeinsame Positionen gibt und warum es dennoch zu unterschiedlichen politischen Strategien kommt. Der Workshop ist ein „braver space“, in dem auch unangenehme Fragen gestellt werden dürfen.

Feminismen praktisch werden lassen: Wie genau geht das eigentlich?
Feministische Organisierung lebt von kontroversen Debatten und einem solidarischen Miteinander. Wie können wir Plena und Diskussionen so anleiten, dass sie streitbar bleiben und zugleich solidarisch geführt werden? Wie werden aus Diskussionen handlungsfähige Organisationen? Aktivist*innen aus verschiedenen Bewegungen haben hierauf Antworten entwickelt. Im Fokus des Workshops steht die Vermittlung praktischer Skills für Moderation, Braver Spaces, also einer fehlertoleranten Debattenkultur und dem Umgang mit Konflikten. Für den Workshop ist Lust am feministischen Politik-Machen Voraussetzung - sonst keine Vorkenntnisse erforderlich. 

Somatik und Radical Care - Fürsorge aus der Perspektive von Körpern - ein Praxisworkshop
Wie können wir über eine Sorge-orientierte Gesellschaft nicht nur sprechen, sondern sie auch körperlich erfahren? In diesem Workshop arbeiten wir mit Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Atemübungen. Gemeinsam erkunden wir, wie Begegnung und Fürsorge im Körper spürbar werden und was sie für unser Miteinander bedeuten. Mit einfachen Übungen und gemeinsamen Reflexionen schaffen wir einen Raum zum Ankommen, Ausprobieren und Sich-Hinein-Fühlen. Was wissen unsere Körper bereits über Verbundenheit und ein fürsorgliches Miteinander?

Utopie wagen: Wie stellen wir uns unsere sorgende Stadt vor? Workshop zur konkretisierenden Imagination von Zukünften vergesellschafteter Reproduktionsverhältnisse
Basierend auf der Futures Literacy Methode wollen wir uns einen gedanklich Möglichkeitsraum für eine andere Zukunft unter vergesellschafteten Eigentumsverhältnissen schaffen, von dem ausgehend wir konkrete Bereiche von Reproduktionsarbeit unter veränderten Vorzeichen konkretisierend imaginieren wollen. In Anlehnung an die Methode der Zukunftswerkstatt wollen wir dabei ausgehend von Problemanalysen der heutigen Verhältnisse Ideen für eine andere Organisation der Reproduktion untervergesellschafteten Bedingungen entwickeln. Der Workshop setzt ein gewisses theoretisches Wissen zu Vergesellschaftung voraus und möchte Teilnehmer*innen die Möglichkeit bieten, sich von dort aus gedankenspielerisch weiter voran zu wagen in der Ausbuchstabierung der Vergesellschaftung von Sorgearbeit. Die Ergebnisse sollen visuell aufbereitet werden und können im weiteren Verlauf der Konferenz ausgestellt werden.

Die Politik feministischer machen
Wer redet wie viel, wer besorgt die Snacks und wer spricht mit der Presse? Auch in unseren Organisationen - ob in Verbänden, Parteien, Bewegungen oder NGOs - ist das Handeln von patriarchalen Strukturen geprägt. Unter Linken ist dies zumindest vielen bewusst und trotzdem stoßen wir in der politischen Praxis an Grenzen. Wie lassen sich solche, das ganze Leben lang eingeübte Verhaltensweisen und Routinen überhaupt verändern? Dieser Workshop bietet konzeptionelle Vorschläge, praktische Hinweise und Methoden, wie wir endlich feministischer Politik machen können. Dabei wird nicht zuletzt auf Erfahrungen von Feminist*innen aus den munizipalistisfchen Bewegungen in Europa zurückgegriffen. Der Workshop richtet sich an alle, die diese Erfahrungen in ihrer eigenen politischen Praxis machen. Es ist kein Vorwissen erforderlich. 

Wir brauchen eine lokale Sorge-Ini: Wie Kämpfe um Care in der Nachbarschaft organisieren?
Was tun, wenn die letzte Apotheke im Kiez schließen soll? Wo Lücken entstehen und Unzufriedenheit im Alltag wächst, entstehen Ansatzpunkte für feministische Interventionen! Wie lassen sich Kämpfe um Care in der Nachbarschaft organisieren? Wie trete ich mit bereits aktiven Akteuren in Kontakt, und wie können neue Sorge-Initiativen entstehen? Welche Formen der gegenseitigen Unterstützung tragen im Kiez, und wie lassen sich Erfahrungen bündeln, um kollektive Antworten auf lokale Probleme zu entwickeln? Der Workshop richtet sich an alle, die Lust haben eine Gruppe bei sich aufzubauen oder schon damit angefangen haben. Gemeinsam wollen wir erste Schritte besprechen, Erfahrungen und best practices austauschen.

6. Einführungsworkshops

6. Einführungsworkshops

Workshops

Was ist das Problem mit der geschlechtlichen Arbeitsteilung? 
Warum wird Sorgearbeit gesellschaftlich abgewertet und überwiegend Frauen zugewiesen? Wie wird Zweigeschlechtlichkeit über die Zuweisung bestimmter Tätigkeiten gesellschaftlich überhaupt erst hervorgebracht und was hat das mit queeren Lebensweisen zu tun? Der Workshop führt in marxistisch-feministische Debatten und Bewegungen ein - von der sozialistischen Frauenbewegung über die Hausarbeitsdebatte bis zu heutigen trans*feministischen Auseinandersetzungen um Care. Gemeinsam diskutieren wir unterschiedliche Begriffe und Ansätze und fragen, wie reproduktive Arbeit zur Reproduktion von Arbeitskraft und gesellschaftlichen Verhältnissen beiträgt.

Was heißt eigentlich feministisch Vergesellschaften?
Vergesellschaftung ist in linken Bewegungen angesichts des offensichtlichen Scheiterns des Marktes und der großen Mobilisierungskraft von Deutsche Wohnen & Co Enteignen wieder im Trend. Warum braucht diese Debatte eine feministische Erweiterung? Gemeinsam wollen wir erarbeiten, wie Eigentumsverhältnisse und geschlechtliche Arbeitsteilung zusammenhängen, warum Sorgearbeit dabei zentral ist und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, Geschlecht, Rassifizierung und Klasse zusammenzudenken.

Was genau ist Sexismus?Und was hat er mit den Vielfachkrisen des Kapitalismus zu tun?
Tradwives, Manosphere und andere antifeministische Angriffe erscheinen oft wie reine Kulturkämpfe - doch wie hängen sie mit eskalierenden Krisen und der gesellschaftlichen Arbeitsteilung zusammen? Wir wollen uns in diesem Workshope anschauen, wie patriarchale Geschlechterbilder im Alltag, in Medien und Institutionen verankert werden und warum sie zur Stabilisierung kapitalistischer Verhältnisse beitragen. Gemeinsam fragen wir, wie Sexismus Zustimmung zu Herrschaftsverhältnissen organisiert und geschlechtlich verteilte Zuständigkeiten immer wieder neu hergestellt werden.

Wie geht revolutionäre Realpolitik: Rosa Luxemburg als Feministin 
Zugegeben: Die sozialistisch-feministische Revolution ist nicht gerade zum Greifen nah. Was bedeutet es unter solchen Bedingungen Politik zu machen, die die herrschenden Verhältnisse verändert, obwohl sie sie (noch) nicht aufheben kann? Ausgehend von Rosa Luxemburg wollen wir diskutieren, wie sich sozialistische Transformationsperspektiven mit feministischen Fragen verbinden lassen und wie eine "revolutionäre Realpolitik" im Sinne Luxemburgs heute aussehen könnte. Dabei geht es um Krisen, Klassenpolitik, Demokratie – und darum, was Luxemburgs Denken für feministische und linke Strategien unter noch-nicht-revolutionären Bedingungen bedeuten kann.

Unser Feminismus ist intersektional! Aber was heißt das eigentlich?
Das Konzept der Intersektionalität kommt aus dem Schwarzen Feminismus in den USA und beschreibt, dass Ausbeutung und Unterdrückung entlang von Geschlecht, Klasse, Rassifizierung und weiteren Herrschaftsverhältnissen nicht einfach additiv sind, sondern komplex miteinander verwoben. Obwohl der Begriff als strategisches Konzept zur Verbindung von Emanzipationskämpfen entstanden ist, erfreute er lange vor allem in akademischen Debatten großer Beliebtheit. Wie können gemeinsame Kämpfe und Allianzen entstehen, wenn Menschen unterschiedlich von Ausbeutung und Unterdrückung betroffen sind? Wie lassen sich Unterschiede ernst nehmen, ohne dass sie uns voneinander trennen?  

7. Kultur

7. Kultur

Events

atelier automatique: «Stadtrundgang durch ein feministisches Hauptquartier» mit Eva Busch und Julia Nitschke
Wir befinden uns in einem feministischen Hauptquartier. Der Stadtrundgang führt durch das in der Nachbarschaft des atelier automatique liegende Rottstraßen-Viertel, da sich dort viele wichtige Orte der feministischen Bewegung der 1980er und 1990er Jahre in Bochum befinden. Unter anderen war dort der ehemalige Frauenbuchladen Amazonas über viele Jahre hinweg ein wichtiges Zentrum der autonomen FrauenLesbenbewegung. Das regelmäßig vom Frauenbuchladen herausgegebene Programmheft namens Fraueninfo wurde neben zahlreichen Flyern und Postern auch in der Druckerei Versalis gedruckt, deren ehemalige Räumlichkeiten heute die Werkstatt des atelier automatique beherbergen. Es gab im Viertel eine Hausbesetzung von und für Frauen, und nicht weit entfernt die internationale Frauenkontakt- und Beratungsstelle «Mona». Durch das wiederholte Aufsuchen und Erinnern an diese Orte und ihre Geschichte wollen die Initiator*innen den feministischen Kämpfen in Bochum ein Denkmal setzen, ein Oral Memorial. Eine Reflexion immaterieller widerständiger Erinnerungskultur, die auch deutlich macht, dass viele der Orte und Kämpfe auch mit heutigen Herausforderungen mithalten. Der Stadtrundgang wurde entwickelt im Rahmen der künstlerischen Forschung zur Ausstellung «Emanzenexpress_gemeinsam sind wir gemeiner» im atelier automatique, die feministischen Widerstand der 1980er und 90er Jahre in Bochum thematisierte. Der Stadtrundgang wurde entwickelt im Rahmen der künstlerischen Forschung zur Ausstellung «Emanzenexpress_gemeinsam sind wir gemeiner» im atelier automatique, die feministischen Widerstand der 1980er und 90er Jahre in Bochum thematisierte. Treffpunkt: atelier automatique, Rottstraße 14, 44793 Bochum | Dauer: ca. 90 Minuten Im Anschluss: Casual Hang Out im atelier automatique.

Porträtausstellung Women@Work – Feministische Perspektiven auf Arbeit
Wie sieht Arbeit aus feministischer Perspektive aus – entlang globaler Lieferketten und in unserem unmittelbaren Alltag? Die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung geförderte und gemeinsam mit Femnet e.V. realisierte multimediale Ausstellung Women@Work macht die Lebens- und Arbeitsrealitäten von Frauen* sichtbar: von der Aktivistin in Dhaka bis zur Kindergärtnerin in Holzwickede, von transnationalen Produktionsketten bis zu oft unsichtbarer Sorgearbeit. Porträtfotos, persönliche O-Töne und Hintergrundmaterialien eröffnen Einblicke in vielfältige Arbeitswelten und zeigen die Herausforderungen, Kämpfe und Perspektiven von Frauen* in häufig prekären Beschäftigungsverhältnissen. 

Freitagabend: Kulturprogramm in ganz Bochum

Susy Shock „Von Liebe und Widerstand“ -  in der Rotunde Susy Shock gehört zu den bekanntesten trans*feministischen Stimmen Argentiniens. Als Poetin, Musikerin, Performancekünstlerin und Aktivistin verbindet sie künstlerischen Ausdruck mit gesellschaftlicher Intervention. Ihre Texte erzählen von Würde, Freiheit und kollektiver Fürsorge und laden dazu ein, bestehende Grenzen zu überschreiten. Sie stellt die Frage, wie wir leben, lieben und Gesellschaft gestalten wollen. Eine poetische Performance zwischen Kunst, Widerstand und der Sehnsucht nach einem guten Leben für alle.

Oval Office Bar
"Feministisch vergesellschaften" ist auch das Motto unseres Abendprogramms in der Oval Office Bar: Wir laden euch ein zu leckeren Drinks und einem Abend, an dem wir euch interaktiv und humorvoll durch die kleinen und großen Fragen von Feminismus, Vergesellschaftung und dem guten Leben für alle navigieren! Keine Sorge, euch erwartet nicht der nächste Vortrag, sondern ein humorvolles, spielerisches Programm, in entspannter Atmosphäre, bei dem wir vor allem den Tag gemeinsam ausklingen lassen möchten. P.S.: Es gibt Gewinne, Gewinne, Gewinne und manchmal wird zu späterer Stund in der Oval Office Bar auch noch fleißig das Tanzbein geschwungen!

Soziales Zentrum Bochum
Ihr wollt nach einem aufregenden ersten Tag mit vollem Programm einfach ein bisschen entspannen, Bekanntschaften vertiefen oder spannende Gespräche in entspannter Runde fortsetzen? Dann kommt ins Soziale Zentrum Bochum!
Um euch einen schönen Raum zu bieten, wird es bei uns einen entspannten Thekenabend mit Brett- und Kartenspielen bei Cocktails (mit und ohne Alkohol) und weiteren Getränken geben. Das SZ bietet der Bochumer linke Szene einen basisdemokratischen Raum, sich zu entfalten und das seit über 20 Jahren. Von Plena bis Aktionstrainings, von Antifa bis Klimabewegung, bei uns sind alle progressiven Kräfte willkommen mitzumachen.

Die ZANKE:
Das ist ein ehrenamtlich selbstverwalteter Ort in Bochum wo von Tresenabenden über Vorträge und Diskussionen bis hin zu Töpfern, Kochen und Filme zeigen alles stattfinden kann - einzige Voraussetzung: offen für alle, also keine Eintrittskosten und günstige Getränkepreise. Schön ist es in der ZANKE.

Samstagabend: Konferenzparty mit DJ’s und Live-Auftritt von Tigrrez Punch 

Tigrrez Punch in der Rotunde 
“Put some respect on my name! Ich hab kein Cash, ich hab kein Fame”, ballert es lautstark aus den Boxen – was Tigrrez Punch dafür aber zu genüge hat, ist jede Menge queerfeministische Power, Fuck-Off-Attitüde und außergewöhnliches Talent. Zwischen Rrrriot Trap, Pop und Punk sprengt Tigrrez Punch aus Bochum nicht nur liebend gerne Genregrenzen, auch die Fesseln des Patriarchats müssen regelmäßig dran glauben. Der ausnahmslos mitreißende Vibe bewegt sich zwischen wütenden Punchlines, lässigen Flows und tanzbaren Clubhits – mal aggressiv, dann wieder soft. Der musikalische Genre-Clash mit politischem Anspruch sorgt für einen wild blinkenden Lichtblick in der düsteren, cis-männlich geprägten Rap-Landschaft und so fühlen sich die Songs an, wie achter März am Autoscooter. Tigrrez Punchs Tracks ballern, aber auf lieb –und entwickeln sich bei Liveshows zu einer regelrechten Explosion aus energetischer Bühnenpräsenz, kollektivem Abriss und unterhaltsamer Crowdcontrol – Zuckerwatten-Moshpit inklusive.


Zur Anmeldung

In Kooperation mit dem Marie Jahoda Center for International Gender Studies.

Bei Fragen wendet euch gerne an feministfutures@rosalux.org.

Updates zur Konferenz sowie Materialien zum Thema „Feministisch Vergesellschaften“ verschicken wir über einen Telegram-Kanal, dem ihr hier beitreten könnt:
Telegram-Kanal Feministisch Vergesellschaften 9/2026

Standort

Kontakt

Dr. Barbara Fried

Referentin für klassenpolitischen Feminismus und sozialistische Transformation; Redakteurin der FLINTA*-Redaktion der Zeitschrift LuXemburg, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Telefon: +49 30 44310404

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