Beschreibung
In Namibia beging das deutsche Militär den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Bis heute entzieht sich die Bundesregierung der Verantwortung für diesen Genozid, und ein «Versöhnungsabkommen» scheiterte bisher daran, dass die Nachfahren der Betroffenen nicht mit am Verhandlungstisch sitzen durften.
Die grüne Wasserstoffstrategie der Bundesregierung und der EU rückt Namibia anders in den Fokus. Dort gewonnene regenerative Energien sollen für die Produktion von Wasserstoff genutzt werden, der dann nach Europa exportiert werden soll. Seitdem entfalten die deutsche Bundesregierung und Unternehmen dort Aktivitäten, die neokoloniale Züge tragen. So hat das «namibische» Unternehmen Hyphen, an dem das deutsche Unternehmen Enertrag gemeinsam mit einem britischen Partner die Mehrheitsbeteiligung hält, den Zuschlag für ein Mammutprojekt erhalten, gegen das sich aus historischen, demokratiepolitischen, ökologischen und sozialen Gründen Widerstand regt. Es soll auf Land entstehen, das vor dem Genozid den Nama gehörte und auf dem sich heute ein einzigartiges Naturschutzgebiet befindet. Der Hafen der nahegelegenen Kleinstadt Lüderitz soll dafür massiv ausgebaut werden, was Shark Island bedroht, den Gedenkort an das erste Konzentrationslager unter deutscher Kolonialherrschaft. Die Verhandlungen über das Projekt liefen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Beteiligung der Betroffenen. Bedenken hinsichtlich weitreichender Umweltauswirkungen werden ignoriert, eine Risikoanalyse existiert bis heute nicht.
Die beiden namibischen Aktivisten Paul Thomas und Tjipura Unaune Tjipura werden mit Neelke Wagner und Christina Tenkhoff ihre Kritik an dem Projekt diskutieren.
Gäste:
- Paul Thomas ist Sprecher der Nama Traditional Leaders Association (NTLA). Die NTLA ist die Dachorganisation der traditionellen Führungen des Nama-Volkes in Namibia. Sie vertritt deren Interessen weltweit und setzt sich vor allem für wiedergutmachende Gerechtigkeit im Zusammenhang mit dem Völkermord an den Nama durch das Deutsche Kaiserreich ein.
- Tjipura Unaune Tjipura arbeitet für die namibische Organisation Economic Social Justice Trust (ESJT) und beschäftigt sich eingehend mit dem Hyphen Projekt. Der ESJT wurde von einer Gruppe von Aktivist*innen gegründet, die sich für umfassende wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit in Namibia einsetzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Rechte wirtschaftlich und sozial ausgegrenzter Namibier*innen und einer gerechten Verteilung der Ressourcen im Land.
- Neelke Wagner befasst sich als Referentin für Klima- und Ressourcengerechtigkeit bei PowerShift mit den blinden Flecken der deutschen Wasserstoffpolitik und deren Auswirkungen auf Länder des Globalen Südens.
- Christina Tenkhoff arbeitet für die Bundesgesellschaft Zukunft-Umwelt-Gesellschaft (ZUG gGmbH) in der Leitstelle Wasserstoff. ZUG fungiert als Dienstleistungsunternehmen für verschiedene Bundesministerien und untersteht dem Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Gesellschaft berät in Fragen der Umsetzung von Förderprogrammen für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz.
- Moderation: Caroline Hüglin, Referentin für Wasserstoff und Gasausstieg der Klima-Allianz Deutschland
- Grußwort: Charlotte Neuhäuser, Mitglied des Deutschen Bundestages für die Partei DIE LINKE
Die kostenfreie Veranstaltung findet in englischer und deutscher Sprache statt und wird simultan übersetzt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Austausch bei einem Imbiss.
Es handelt sich um eine Kooperationsveranstaltung von attac, medico international, PowerShift, der Gesellschaft für Bedrohte Völker und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie ist Teil einer Speakerstour durch verschiedene Städte in Deutschland. Nähere Informationen zur gesamten Tour finden sich auf der Homepage von attac.
Standort
Kontakt
Jan-David Echterhoff
Projektmanager «Globaler Wissenschaftsdialog», Rosa-Luxemburg-Stiftung
E-Mail: jan-david.echterhoff@rosalux.org
Telefon: +49 30 44310 488