30. Juni 2022 Diskussion/Vortrag Krise und sozial-ökologische Transformation

Auftaktpodium zur Eröffnung des gleichnamigen Graduiertenkollegs

Information

Veranstaltungsort

Rosa-Luxemburg-Stiftung
Straße der Pariser Kommune 8A
10243 Berlin

Zeit

30.06.2022, 18:00 - 19:30 Uhr

Themenbereiche

Sozialökologischer Umbau, Klimagerechtigkeit

Zugeordnete Dateien

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die bislang eingeschlagenen Wege ökologischer Modernisierung werden nicht zum Ziel führen, sie werden drastische Auswirkungen des Klimawandels nicht verhindern können und erschweren eine sozial gerechte Anpassung an dessen nicht mehr vermeidbare Folgen. Die Begrünung von Investitionen und Wirtschaftswachstum zögert die notwendige Reduktion von Produktion und Verbrauch weiter hinaus; die Debatte um den Boykott Russlands als Energielieferant führt in aller Deutlichkeit vor Augen, dass das wirtschaftliche Geschehen dieser Welt noch immer auf fossilem Fundament stattfindet. Politische Akteure, die eine gesellschaftliche Transformation als Verbindung von ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit anvisieren, sollten in dieser Lage auf offene Ohren stoßen, und bleiben doch randständig.

Im Graduiertenkolleg «Krise und sozial-ökologische Transformation» der Rosa-Luxemburg-Stiftung erforschen seit Oktober 2021 vier und ab Oktober 2022 acht Promotionstipendiat*innen die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen der ökologischen Krise sowie die Voraussetzungen und Perspektiven einer sozial-ökologischen Transformation. Zum offiziellen Auftakt des Kollegs wollen wir dessen zentrale Fragestellungen mit Vertreter*innen aus Politik, Gewerkschaften, Wissenschaft und sozialen Bewegungen diskutieren und danach fragen, wie die kritische sozial-ökologische Forschung zu einer Erneuerung progressiver politischer und gesellschaftlicher Kräfte beitragen kann.
Im Einzelnen geht es um folgende Fragenkomplexe:

  1. Wie weit ist die konzeptionelle Verbindung sozialer und ökologischer Interessen bereits gediehen? Welche Widersprüche treten dabei zutage, wie lassen sie sich bearbeiten? Wie ließen sich mit einem progressiven Verständnis von sozial-ökologischer Transformation gesellschaftliche Mehrheiten gewinnen? Wie kann eine mehrheitsfähige Strategie der sozial-ökologischen Transformation nicht zuletzt auch zur Erneuerung und Profilierung der gesellschaftlichen und politischen Linken beitragen?
  2. Wo liegen die Potenziale und Grenzen einer linken sozial-ökologischen Politik in den staatlichen Institutionen? Wie ließen sich Grenzen verschieben? Wo sind parlamentarische und außerparlamentarische Linke aufeinander verwiesen, und wie wäre diese Verbindung weiterzuentwickeln? Wie gelingt eine solche Weiterentwicklung sozial-ökologischer Transformationspolitik im Angesicht autoritärer Muster, die weltweit auf die politische Bühne drängen?
  3. Was sind die internationalen Implikationen einer sozial-ökologischen Transformation? Wie können progressive Ansätze auf nationaler Ebene gerade auch durch einen sozial-ökologischen Internationalismus gestärkt werden?
  4. Worin liegt der bisherige und zukünftige Beitrag kritischer Wissenschaft in diesen Auseinandersetzungen? Welche Erwartungen gibt es seitens linker gesellschaftlicher und politischer Akteure konkret an das Graduiertenkolleg? Wie, durch welche Formen des Austauschs und der Kooperation, ließe sich das im Kolleg erarbeitete Wissen für eine progressive Politik der sozial-ökologischen Transformation fruchtbar machen?

Es diskutieren:

  • Sabrina Fernandes, Soziologin und ökosozialistische Aktivistin aus Brasilien, International Research Group on Authoritarianism and Counter-Strategies (IRGAC)
  • Norbert Reuter, Bereichsleiter der tariflichen Grundsatzabteilung, Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di
  • Markus Wissen, Sprecher des Kollegs und Professor Sozialwissenschaften an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
  • Janine Wissler, Vorsitzende Partei DIE LINKE

Moderation: Stefan Schoppengerd, Koordinator des Kollegs

Standort

Kontakt

Dr. Marcus Hawel

Stv. Direktor des Studienwerks, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Telefon: +49 30 44310457