3. Juli 2017 Seminar Der Zauber der Theorie

Promotionskolleg: Die Geschichte der Ideen in der Neuen Linken 1945 bis heute

Information

Veranstaltungsort

Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF)
Am Neuen Markt 9b
14467 Potsdam

Zeit

03.07.2017, 09:30 - 04.07.2017, 15:00 Uhr

Themenbereiche

Geschichte, Gesellschaftliche Alternativen

Zugeordnete Dateien

Promotionskolleg Geschichte linker Politik in Deutschland jenseits von Sozialdemokratie und Parteikommunismus der Rosa-Luxemburg-Stiftung / Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam / Institut für soziale Bewegungen Ruhr-Universität Bochum

Die Geschichte der «Neuen Linken» in Westeuropa und der Bundesrepublik lässt sich nicht nur als Geschichte politischer und sozialer Bewegungen, sondern auch als eine Geschichte der ihr zugrundeliegenden Theorien verstehen. Gerade in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rangen die zwei Generationen der «56er» und «68er» mit der «alten Linken» der Arbeiterbewegung in ihrer gesellschaftstheoretischen Analyse. Sie entdeckten marxistische Theorien aus der Ära vor Faschismus und Weltkrieg neu und entwickelten sie für ihre Zeit weiter. Nachdem in den letzten Jahren einige viel beachtete Publikationen erschienen sind, die die Historisierung von Theorie für die Zeit nach 1945 als Forschungsfeld eröffnet haben, setzt die Tagung «Der Zauber der Theorie» die begonnenen Debatten fort.

Die Tagung hat das Ziel, in einem interdisziplinären Austausch neue Perspektiven insbesondere auf die bundesdeutsche Linke zu eröffnen. Jenseits der BRD als Schwerpunkt werden punktuell Transfers aus Westeuropa, aber auch anderen Regionen wie etwa Algerien und dem «Trikont» in den Blick genommen. Auf der Suche nach dem «Zauber der Theorie» als Faszinosum stellen sich u.a. Fragen nach  Theorie als Weltanschauung und Handlungsanleitung für die Neue Linke, nach ihrer Rolle im akademischen Diskurs und in der politischen Praxis, nach ihrer Auswirkung auf die Selbst-Verortung von Akteuren, nach  Krisen und Abgrenzungsversuchen, nach dem Ort der Ästhetik in der Theorie. Eine wichtige Rolle spielen auch geschlechtergeschichtliche Reflexionen sowie die Frage nach dem Einfluss Intellektueller und Netzwerker auf die Verbreitung von Theorie Ausgewählte Tagungsbeiträge sollen im Rahmen eines Schwerpunktheftes der historischen Fachzeitschrift «Arbeit - Bewegung - Geschichte» veröffentlicht werden.

Programm

Montag, 3. Juli 2017
9.30-10.00 Uhr
Eröffnung und Begrüßung

10.00-11.30 Uhr
Panel I: Die Neue Linke im akademischen und politischen Diskurs
* Monika Boll (Düsseldorf): Zwischen skeptischer Affirmation und linker Gesellschaftskritik - Ortsbestimmungen der Soziologie Ende der 1950er Jahre
* Anna Pollmann (Leipzig/Jerusalem): Günther Anders' "Die Antiquiertheit des Menschen" - Zur Überführung einer post-marxistischen Zeitdiagnose in die politische Praxis des frühen Kalten Krieges

12.00-13.30 Uhr
Panel II: Ursprünge eines linken Biotops? Die Politikwissenschaft in West-Berlin
* David Bebnowski (ZZF Potsdam/IPB Berlin): Die Frankfurter Schule in West-Berlin: Franz L. Neumann und amerikanisch-deutsche Netzwerke
* Michael Hewener (FU Berlin): Die Transformation der Demokratie - Johannes Agnoli und seine Parlamentarismuskritik

13.30-14.30 Uhr Mittagspause

14.30-16.00 Uhr
Panel III: Reflexion und Realität - Praxeologische Perspektiven auf die Theorie
* Benedikt Sepp (Konstanz):  Theorie in der West-Berliner Studierendenbewegung 1960-1972
* Katharina Kreuzpaintner (HU Berlin): Theorieproduktion zwischen Virtuosität und Fleißarbeit. Zu Klaus Theweleits «Männerphantasien»

16.30-18.00 Uhr
Panel IV: Die Linke in der Krise - Theorien in der Debatte
* Anina Falasca (FU Berlin): «Spaßige Spontis» und «fröhliche Freaks». Zur theoretischen Neuorientierung der Neuen Linken um 1978
* Jana König (Berlin): Die Bedeutung von Theorie in Zeiten linker Krisen. Die (west-)deutsche Linke im Kontext von "Deutschem Herbst" und "Wiedervereinigung"
* Philipp Kufferath (DSHS Köln/Berlin): Selbstverortung und Distinktion. Theoriedebatten innerhalb der SPD 1965-1980

18.00-19.00 Uhr Abendessen

Dienstag, 4. Juli 2017
10.00-11.30 Uhr
Panel V: Kommunikationsmedien: Zeitschriften der Neuen Linken als Plattformen und Katalysatoren theoretischer Reflexion
* Moritz Neuffer (HU Berlin/IfL Berlin): Theorie-Journalismus. Die Zeitschrift «alternative» im Kontext intellektueller Publizistik (1958-1982)
* Kristof Niese (Bonn): Vademekum oder «Ideen-Bombe» für die Protestbewegung? Transnationale Theorie-Impulse für die Neue Linke durch das «Kursbuch» 1965-1975
*Felix Kollritsch (ISB Bochum): Das Konzept der Neuen Linken im SDS -Traditionslinien, Kontinuitäten und Brüche im Spiegel der Zeitschriften «Unser Standpunkt», «links» und «neue kritik».

12.00-13.30 Uhr
Panel VI: Herkunft und Aufbruch: Theorie und praktische Entfesselung
* Onur Erdur (HU Berlin): Theorie in der Postkolonie - Algerien, die Neue Linke und die kolonialen Wurzeln des Poststrukturalismus
* Robert Wolff (Frankfurt a.M.): Das Konzept Stadtguerilla: «Entzauberung» kommunistischer Ideen, Theorien und Konzepte

13.30-14.00 Uhr Abschlussstatements
14.00 Uhr Gemeinsames Mittagessen und Schluss

Standort

Kontakt

Bernd Hüttner

Referent für Zeitgeschichte und Geschichtspolitik

Telefon: (0421) 79477261