15. Juni 2019 Diskussion/Vortrag Eine kleine türkische Geschichte mit Barbaros Şansal

Information

Veranstaltungsort

Altonaer Museum
Museumstraße 23
22765 Hamburg

Zeit

15.06.2019, 19:30 - 21:30 Uhr

Themenbereiche

Geschlechterverhältnisse, Partizipation / Bürgerrechte, Wirtschafts- / Sozialpolitik, Kommunikation / Öffentlichkeit, Türkei

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Eine kleine türkische Geschichte mit Barbaros Şansal

In den großen Städten der Türkei gibt es Selbstorganisationen von Betroffenen, die das Tabu-Thema aufbrechen möchten. Barbaros Şansal ist ein international bekannter Modedesigner und LGBT-Aktivist. Gegen ihn wurde im Januar 2017 wegen seiner Äußerungen in einer Videobotschaft in den sozialen Medien Haftbefehl erlassen unter der Beschuldigung, "die Öffentlichkeit zu Hass oder Feindseligkeit angestiftet" zu haben. Er wurde im Nordteil der Insel Zypern festgenommen und an die Türkei ausgeliefert. Nach seiner Ankunft auf dem Flughafen Istanbul wurde er von einem bewaffneten Mob auf dem Rollfeld mit großer Gewalt angegriffen und verletzt, bevor ihn die Polizei festnahm. Im März 2017 wurde er nach vielen Protesten aus dem Gefängnis entlassen. Im November 2017 wurde er rechtskräftig zu einer Haftstrafe von 6 Monaten und 20 Tagen verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Barbaros Şansal wird über die Lage der LGBTI-Community in der Türkei, aber auch über die Lage der Meinungsfreiheit und andere Menschenrechtsthemen berichten und offen diskutieren. Außerdem wird er eine interaktiv /theatralische Einlage vortragen.

Wir möchten mit dieser Veranstaltung zur Kommunikation und Verständigung beitragen und versuchen damit auch die Stimme derer zu sein, die durch staatlich unterstützteGewalt der Männergesellschaft der ultra-konservativen Mehrheit unterdrückt, verfolgt und somit zum Schweigen gebracht werden.

Wie in jeder anderen von der Religion und konservativen politischen Einstellungen geprägten Gesellschaft, ist es nicht einfach, derart offene Veranstaltungen durchzuführen, offen und mutig über die Schwierigkeiten der betroffenen LGBT-Personen zu berichten. Auch in den staatlichen sowie privaten Medien ist es kaum vorstellbar, offen über die Tabuthemen wie sexuelle Orientierungen zu diskutieren. Zumeist werden solche Veranstaltungen, öffentlichen Berichte, Filme, TV-Sendungen etc. staatlich zensiert, verboten und mit Strafen belegt. Die Verantwortlichen müssen gar mit schlimmeren gesellschaftlichen Konsequenzen rechnen, da eine offene Hetze durch konservative Medien stattfindet, die von den Staatsanwälten rechtlich nicht verfolgt werden. Trotzt einem starken Druck, den unverhältnismäßigen Eingriffen der staatlichen Sicherheitskräfte, Behörden und den konservativen gesellschaftlichen Faktoren, existiert dennoch eine selbstbewusste, offene und mutige Szene in der LGBT-Gesellschaft auch in der Türkei.

Eine gegenseitige Toleranz und damit ein friedvolles Miteinander, ist nur durch Kommunikation möglich. Es besteht die Aufgabe, diesen Menschen eine Bühne, eine Stimme zu geben und die Gesellschaft dazu anregen, diesen Stimmen zuzuhören und auch ihnen die Möglichkeit zu geben, Fragen zu stellen und ihre Meinung offen zu äußern.

In Kooperation mit der Interkulturellen Denkfabrik e.V. und Amnesty International

Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Standort

Kontakt

Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg

Telefon: 040 28003705