25. August 2019 Film Blut muss fließen – Undercover unter Nazis

Film und Gespräch

Information

Veranstaltungsort

Haus Mainusch
Staudingerweg 23
55128 Mainz

Zeit

25.08.2019, 18:00 - 21:00 Uhr

Themenbereiche

Neonazismus / Rassismus

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Ein Film von Peter Ohlendorf

HOCHBRISANT


Der Sänger grölt Gewaltparolen, die Neonazis toben, die Arme gehen hoch zum Hitlergruß: Als der Journalist Thomas Kuban zum ersten Mal ein Neonazi-Konzert mit versteckter Kamera dreht, ermöglicht er Einblicke in eine Jugendszene, in die sich kaum ein Außenstehender wagt. Neun Jahre später hat er fünfzig Undercover-Drehs hinter sich, auch jenseits deutscher Grenzen. Ein Lied begegnet ihm immer wieder: „Blut muss fließen knüppelhageldick…“. Hochbrisant und einzigartig ist das Material, das er unter extremen persönlichem Risiko zusammengetragen hat. Es dokumentiert hautnah, wie junge Leute mit Rechtsrock geködert und radikalisiert werden.
Gemeinsam mit dem Filmemacher Peter Ohlendorf reist er noch einmal zurück an Orte, an denen er undercover gedreht hat. Im Fokus steht dabei die Frage, die er auch auf der politischen Ebene zu klären versucht: Wie ist es möglich, dass auf der rechtsextremen Partymeile über alle Grenzen hinweg gefeiert werden kann?


HOCHAKTUELL


Rund 15 Jahre hat Thomas Kuban in der Neonaziszene recherchiert. Knapp neun Jahre davon hat er mit versteckter Kamera gearbeitet und dabei erschreckende Eindrücke gesammelt, die viel zu lange kaum beachtet worden sind. Veraltet sind seine Aufnahmen bis heute nicht. Ganz im Gegenteil, der Film ist hochaktuell.
Allein das große, klandestin organisierte Konzert mit mindestens 5.000 Nazis in der Nordschweiz Ende 2016 hat gezeigt, wie gut und effektiv Nazistrukturen nach wie vor funktionieren und wie ineffektiv Sicherheitsbehörden auch heute häufig reagieren - europaweit. Das Konzert war wahrscheinlich organisiert von Thüringer Nazis und wurde aus Deutschland (Baden-Württemberg) in die
Nordschweiz geschleust. In dieser Größenordnung gab es das noch nie, über solch große Distanzen.
In Themar, Thüringen, fand im Sommer 2017 ein Open-Air Konzert mit 6.000 Nazis statt. Sie lassen die Muskeln spielen und verstecken sich bei diesen großen Events nicht einmal, melden sie als politische Veranstaltungen an und kommen damit vor Gericht durch. Dass es sich um ein kommerzielles Konzert mit Eintrittspreisen um die 30 Euro handelte, hat bei der Genehmigung durch die Justiz offensichtlich keine entscheidende Rolle gespielt. Als es während des Konzertes zu Straftaten (z.B. viele Hitlergrüße) kam, ist die Polizei nicht eingeschritten. Es war nicht das einzige Fehlverhalten an diesem Abend.
Auch im Jahr 2018 finden große Open Air-Events statt, die großen Zulauf aus der Naziszene haben. Die traut sich immer mehr nach außen, gleichzeitig können geheim organisierte Konzerte der extrem gewaltbereiten Naziszene mit strafrechtlich relevanten Liedtexten nach wie vor durchgeführt werden. Letztes Jahr wurden so viele neonazistische Konzertveranstaltungen registriert wie nie zuvor: 296 rechtsextreme Musikveranstaltungen zählten die Behörden 2017 bundesweit. Für Thomas Kuban war das Anlass, sich noch einmal in ein klandestines Nazikonzert in Thüringen einzuschleusen und damit auch zu beweisen, dass die Polizei in Thüringen bei diesen mit Mordaufrufen aufgeladenen Veranstaltungen immer noch untätig bleibt. Auf FilmFaktum läuft dazu seit Wochen eine publizistische Aktion.


Dannach:
FILMGESPRÄCH NACH DER VORFÜHRUNG


18:00 veganes Essen
19:00 Film

Standort

Kontakt

Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland-Pfalz

Telefon: (0)6131 62747-03