10. März 2021 Diskussion/Vortrag Algerien: Revolutionärer Vorreiter Nordafrikas?

Von Sofian Philip Naceur

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Veranstaltungsort

Online

Zeit

10.03.2021, 19:30 - 21:30 Uhr

Themenbereiche

Soziale Bewegungen / Organisierung, Nordafrika, Westasien, Online/Livestream, Westasien im Fokus

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Die Hirak-Proteste 2019 könnten als Blaupause für die gesamte Region dienen, haben sie doch eindrucksvoll gezeigt, wie ein autoritäres Regime  auch langfristig unter Druck gesetzt werden kann. Im Februar 2019 war es wieder soweit. 30 Jahre nach Algeriens erstem Massenaufstand gegen die herrschende Klasse 1988 ging die Bevölkerung wieder auf die Straße. Hartnäckig und konsequent friedlich protestierten wochenlang Hunderttausende Menschen gegen Präsident Bouteflika, der sich im  April 2019 dem Druck der Straße beugte und nach 20 Jahren an der Macht  endlich zurücktrat.

Vortrag von Sofian Philip Naceur

Naceur lebt und arbeitet als freier Journalist in Tunis und schreibt unter anderem für die junge Welt, die taz, den Standard und die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Ägypten, Algerien und Tunesien sowie Migration und EU-Grenzauslagerungspolitik in Nordafrika. Zwischen 2012 und 2018 lebte er in Kairo.

Doch Algeriens Protestbewegung wollte mehr, gab sich mit den kosmetischen Personalwechsel an der Staatsspitze nicht zufrieden und fordert weiter beharrlich einen echten politischen Neuanfang. Die Protestbewegung «Hirak» war zwar angesichts der Corona-Pandemie gezwungen, ihre Proteste nach 57 Wochen ununterbrochener Massenmobilisierung auf Eis zu legen. Doch die Bewegung hat gezeigt, mit welchen Mitteln ein  autoritäres Regime ernsthaft unter Druck gesetzt werden kann. 2011 war es in Algerien vergleichsweise ruhig geblieben. Die Erinnerungen an  den blutigen Bürgerkrieg der 90er Jahre waren noch zu präsent, die Angst vor einem neuen Krieg zu groß. 2019 jedoch hat Algeriens Bevölkerung  bewiesen, dass sie aus der eigenen Vergangenheit und den Entwicklungen in der Region seit 2011 gelernt hat. Die vom Hirak etablierte   Protestkultur unterscheidet sich in wesentlichen Aspekten vom Aufstand 1988 und den Revolten des sogenannten «Arabischen Frühlings» und könnte als Blaupause für die ganze Region dienen.

Mehr Informationen und Anmeldung


Teil der mehrsprachigen Vortragsreihe «10 Jahre sogenannter Arabischer Frühling – eine kritische Betrachtung» von der (Hochschul)Gruppe Kritische Islamwissenschaftler*innen und Arabist*innen (KIARA), unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Kontakt

Dr. Katja Hermann

Referatsleiterin Westasien / Referentin für Palästina und Israel, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Telefon: +49 30 44310485