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25. März 2026: Lesung/Gespräch : Christian Geissler: ANFRAGE

Ein antifaschistischer Roman der Furore machte

Wichtige Fakten

Veranstaltungsort

Buchhandlung Mondo
Elsa-Brandström-Straße 23
33602 Bielefeld

Zeit
25.03.2026, 19:30 - 21:00 Uhr
Themenbereiche
Deutsche / Europäische Geschichte, Erinnerungspolitik / Antifaschismus
Zugeordnete Dateien

Beschreibung

Christian Geissler: ANFRAGE

Einführung und Moderation:

Detlef Grumbach, Vorsitzender der Christian-Geissler-Gesellschaft e.V., Hamburg

Lesung:

Leonore Franckenstein, Bielefeld

 

Die literarische Bearbeitung der Frage: „Wie konnte das geschehen?“ fand nach 1945 im Westen nur zögerlich statt. Christian Geissler untersucht in seinem Romandebüt „Anfrage“ (1960) die Schuld der Väter am Holocaust und greift die „Wir haben von allem nichts gewusst“-Haltung der Adenauer-Ära an. „Anfrage“ wurde 1960 zum Bestsellererfolg. In seiner Radikalität war der Roman von Geissler seinerzeit beispiellos und sorgte für emotionale Betroffenheit, in allen Teilen der Gesellschaft. Interessant waren dabei Stilmittel und inhaltliche Pointierung. 

Geisslers Vater war in der NSDAP, seine Mutter beschreibt er als „antinationalsozialistisch aus Kenntnis und Instinkt“. Rigoroser Antifaschismus wurde Christian Geisslers lebenslanges Credo. In einer Gesellschaft, in der die überlebenden Opfer der Nazis unerwünscht und alte Nazis in der Regierung sitzen, fragt Geissler (1928–2008, Schriftsteller, Filmemacher, Aktivist) nach der „Schuld des Verschweigens“ und der „Schuld der bequemen Ratlosigkeit“, nach der „Schuld der Nachlässigkeit im Denken“ und „der Unaufmerksamkeit aus Angst“. Geissler fordert Verantwortung und Konsequenzen.

Christian Geisslers Roman „Anfrage“ ist „leidenschaftlich, und rücksichtslos, radikal und aggressiv, zornig und hemmungslos“ (Marcel Reich-Ranicki, 1960), es „faucht und sticht“ (Ralph Giordano, 1960), und „zeichnet sich in der Tat durch einen heiligen Zorn aus“ (Ulrich Gutmair zur Neuausgabe, taz 2023).

Das Buch bringt uns noch heute in Rage und fordert uns auf zum Handeln. 2023 erschien eine Neuausgabe im Verbrecher Verlag mit einem Nachwort von Detlef Grumbach.

Zum Inhalt:
Der Roman erzählt vom Physiker Klaus Köhler, der herausfinden will, was mit der jüdischen Familie Valentin geschehen ist. Ihr hatte das Haus gehört, in dem das Institut untergebracht ist, in dem er arbeitet. Seine „Anfragen“ fördern das Bild einer Gesellschaft zu Tage, in der alte Nazis unbehelligt weiterleben und die Opfer sich weiterhin verstecken müssen. Zudem sucht der Protagonist den einzigen überlebenden Sohn des Eigentümers, der – noch immer in Angst und Schrecken – unter falschem Namen in der Stadt wohnen soll. Köhlers mit der DDR sympathisierender Kollege Steinhoff interessiert dies nicht. Für ihn, der ein Bein im Krieg verloren hat und der traumatisiert wie zynisch stets davon erzählt, wie Menschen als Soldaten von Hitler zum Kriegsende verheizt wurden, zählt ein Einzelschicksal nicht. Schließlich begegnet Köhler einem entfernten Verwandten der jüdischen Familie, der in den USA lebt und während einer Europareise das Haus der Familie aufsucht.


Eine Veranstaltung des Rosa-Luxemburg-Clubs Bielefeld in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW e.V.

Standort

Kontakt

Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Telefon: 0203 3177392

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