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8. Dezember 2025: Diskussion/Vortrag : «Mein Großvater, der SA-Führer»

Eine antifaschistische Spurensuche

Wichtige Fakten

Veranstaltungsort

Rosa-Luxemburg-Stiftung
Eva Mamlok-Bibliothek
Straße der Pariser Kommune 8A
10243 Berlin

Zeit
08.12.2025, 18:00 - 20:00 Uhr
Themenbereiche
Erinnerungspolitik / Antifaschismus, Neonazismus / Rassismus
Zugeordnete Dateien

Beschreibung

«Mein Großvater, der SA-Führer»
«Eschweger Blutsonntag» am 3.7.1932 Foto: Stadtarchiv Eschwege/Sammlung Tellgmann

1943 kam Dr. Heinrich Kuhlmann, SA-Sturmführer aus Bad Sooden-Allendorf, in Stalingrad um. Zurück blieben seine Frau, vier Kinder – und ein gewaltiges Konvolut von über 1500 Feldpostbriefen.

Deren Enkel ist der Antifaschist und Historiker Friedrich Burschel. Für ihn wurden diese Briefe zum Schlüssel für eine verstörende und schmerzhafte Reise in die eigene Familiengeschichte. Sie zeugen nicht nur von der Kleinkariertheit des Alltags, sondern vor allem vom fanatischen Glauben an den Nationalsozialismus, vom Größenwahn und der tiefen Verstrickung seiner Familie in das faschistische Regime.

Doch was bedeutet es für einen Antifaschisten heute, die Täter in der eigenen Familie zu benennen? Wie bricht man das Schweigen, das über Generationen hinweg die eigene Verantwortung verschleiert? Und warum ist diese persönliche Aufarbeitung ein essenzieller, aber oft unbequemer Teil einer gesellschaftlichen Erinnerungspolitik?

In seinem Vortrag berichtet Friedrich Burschel von dieser intensiven Spurensuche. Er stellt sie in den Kontext der deutschen Nachkriegsgeschichte, in der die «Aufarbeitung» oft oberflächlich blieb, und zeigt auf, wie sich das Verdrängen der eigenen Täterschaft bis heute fatal auf unsere Gesellschaft auswirkt – eine Gesellschaft, die sich fast 100 Jahre später erneut Größenfantasien und autoritären Versuchungen hingibt.

Über den Referenten:

Friedrich Burschel ist Historiker und Publizist. Er arbeitete anderthalb Jahrzehnte als Referent für Neonazismus und Strukturen/Ideologien der Ungleichwertigkeit bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Über fünf Jahre beobachtete er den NSU-Prozess in München. Er ist Herausgeber zahlreicher Publikationen, u.a. «Das faschistische Jahrhundert. Neurechte Diskurse zu Abendland, Identität, Europa und Neoliberalismus» und «Rechte Ränder. Faschismus, Gesellschaft und Staat».

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit der Hellen Panke. Wir freuen uns auf einen spannenden und notwendigen Abend.


Einlassvorbehalt:
Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Standort

Kontakt

Dr. Julia Killet

Referentin für historisch biografisches Lernen, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Telefon: +49 30 44310 121

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