26. Oktober 2018 Tagung/Konferenz Shared history?

Tansanisch-deutsche Kolonialgeschichte und Erinnerungskultur

Information

Veranstaltungsort

Centre Français de Berlin
Müllerstraße 74
13349 Berlin

Zeit

26.10.2018, 15:30 - 28.10.2018, 14:00 Uhr

Themenbereiche

Deutsche / Europäische Geschichte, Neonazismus / Rassismus, Ostafrika

Zugeordnete Dateien

Shared history?
Aktivist Mnyaka Sururu Mboro mit dem Vorschlag zur Umbennung der Peters-Allee im Berliner «Afrikanischen Viertel». Der Umbenennung hat das Bezirksparlament inzwischen zugestimmt. Foto: Tahir Della

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte findet in Deutschlands Öffentlichkeit und Politik bisher nur unzureichend statt. Viele wissen nichts oder nur sehr wenig über diese Zeit gewalttätiger Expansion Deutschlands, des kolonialen Unrechts und des Widerstands dagegen. Sie haben noch nie von Ostafrika als Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges gehört und nichts von den Leiden derer, die im Gebiet des heutigen Tansanias unter dem deutschen Kolonialregime leben mussten.

Wir möchten den 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs und des Zusammenbruchs des deutschen Kolonialreichs zum Anlass nehmen, uns mit dieser in Deutschland über Jahrzehnte hinweg verdrängten Geschichte und mit ihren Kontinuitäten auseinanderzusetzen.

In dem Seminar beleuchten wir, welche weitreichenden Auswirkungen der deutsche Kolonialismus nicht nur auf die kolonisierte Gesellschaft des heutigen Tansanias, sondern auch auf Denk- und Gesellschaftsstrukturen in Deutschland hatte und hat. In Hinblick auf die Frage nach globaler Gerechtigkeit soll erarbeitet werden, wie der Kolonialrassismus nach wie vor das Zusammenleben der Menschen weltweit und auch die Beziehungen zwischen Tansania und Deutschland beeinflusst.

Die gemeinsame Aufarbeitung der deutschen Kolonialherrschaft und ihrer Verbrechen sehen wir als einen unabdingbaren Schritt hin zu einer «gerechteren Geschichtsschreibung», die viel zu lange nur aus weißer deutscher Perspektive erzählt wurde. Damit verbunden ist die Übernahme von kolonialhistorischer Verantwortung durch die Bundesrepublik Deutschland – der sie sich bis jetzt weitgehend entzogen hat.
 

Programm

Freitag, 26. Oktober 2018:

  • 15:30 Uhr: Kolonialgeschichtlicher Rundgang durch das «Afrikanische Viertel» in Berlin-Wedding mit Berlin Postkolonial (Anmeldung erforderlich)
  • 20 Uhr: Schädel X – Performance von Flinn Works anschließend: Preview der Ausstellung zu Manga Meli
    Veranstaltungsort: Tieranatomisches Theater der Humboldt-Universität
    Kartenerwerb

Samstag, 27. Oktober 2018:

  • 9:30 Uhr: Ankunft und Registrierung
  • 10 Uhr: Begrüßung
  • 10:10 Uhr: Keynote: Der Deutsche Kolonialismus in Ostafrika | Flower Manase Msuya, Nationalmuseum Tansania
  • 10:55 Uhr: Kaffeepause
  • 11:25 Uhr: Vor 100 Jahren: Der Zusammenbruch des deutschen Kolonialreichs | Dr. Michael Pesek, Universität Hamburg
  • 12 Uhr: Isaria Meli im moderierten Gespräch mit Gabby Mzei und Konradin Kunze, FlinnWorks
  • 13 Uhr: Mittagessen
  • 14 Uhr:
    Workshop 1: Kontinuitäten kolonialer Denkstrukturen und Rassismus | Lawrence Oduro-Sarpong, AfricAvenir
    Workshop 2: Die Kolonialität des öffentlichen Raums in Deutschland | Mnyaka Sururu Mboro & Christian Kopp, Berlin Postkolonial
    Workshop 3: Kolonialismus und Kirche | Wolfgang Apelt, Volker Schauer & Michael Seitz, Archiv u. Museumsstiftung d. VEM und Tanzania-Network.de
  • 15:45 Uhr: Pause
  • 16:15 Uhr: Fortsetzung
    Workshop 1
    Workshop 4: How to (re)present? – spirituelle Masken in deutschen Museen | Gita Hermann & Isack Abeneko
    Workshop 5: Deutsch-Ostafrika – der blinde Fleck der Bundesregierung? Warum die Gewaltverbrechen in Ostafrika von Regierungsseite kaum Beachtung finden | Frederik Haug
  • 18 Uhr: Abendessen

Sonntag, 28. Oktober 2018

  • 9:30 Uhr: Gedankensplitter – Reaktionen – Eindrücke
  • 10 Uhr: Erinnerungskultur und Schuldfrage: Koloniale Amnesie und Melancholie | Dr. Henning Melber, Nordiska Afrikainstitutet, Uppsala
  • 10:30 Uhr: Ergebnisse der Provenienzforschung zu Kulturobjekten aus Ostafrika im Ethnologischen Museum Berlin | Kristin Weber-Sinn, Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin
  • 11 Uhr: Kaffeepause
  • 11:30 Uhr: Jenseits des Eurozentrismus?
    Postkoloniale Erinnerungskultur in Tansania und Deutschland
    Abschlussdiskussion mit Mnyaka Sururu Mboro, Prof. Dr. Hermann Parzinger, Dr. Henning Melber, S. E. Botschafter Dr. Abdallah S. Possi, Vertreter*in des Auswärtiges Amts (tbc)
    Moderation: Karen Taylor
  • 13 Uhr: Mittagessen

Zur Anmeldung

Eine gemeinsame Veranstaltung mit Tanzania-Network und Berlin-Postkolonial.

Standort

Kontakt

Andreas Bohne

Referent für Südliches Afrika, Referent und Projektmanager für Politische Vernetzung und überregionale Themenarbeit, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Telefon: 0049 (0)30-44310-461