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28. März 2026: Tagung/Konferenz : Hilfloser Antifaschismus? Strategien der Hoffnung in Zeiten rechter Formierung

Theodor Bergmann Lectures 2026

Wichtige Fakten

Veranstaltungsort

Linkes Zentrum Lilo Herrmann
Böblinger Straße 105
70199 Stuttgart

Zeit
28.03.2026, 10:00 - 17:00 Uhr
Themenbereiche
Erinnerungspolitik / Antifaschismus, Rassismus / Neonazismus
Zugeordnete Dateien

Beschreibung

Hilfloser Antifaschismus? Strategien der Hoffnung in Zeiten rechter Formierung
Mit den jährlichen Theodor Bergmann Lectures erinnert die RLS BW an den im Juni 2017 in Stuttgart verstorbenen Genossen und Wissenschaftler und Ehrenvorsitzenden Theodor Bergmann. Die Lectures richten sich an einen Personenkreis, der an vertiefter Diskussion linker Zukunftsperspektiven interessiert ist, insbesondere an all jene Menschen, die frisch in linken Zusammenhängen aktiv geworden sind, in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, aber auch in Parteistrukturen und Vorständen.

Die Theodor Bergmann Lectures 2026 wollen den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg gesellschaftlicher Strömungen erkunden, die mit Etiketten wie „Rechtspopulismus", „demokratischer Faschismus" oder „nationaler Autoritarismus" bezeichnet werden. Der neue Konservatismus nähert sich der neuen Rechten an und erweist sich dabei als resistent gegen den moralisierenden Vorwurf des „Faschismus". Schon 1967 hat Wolfgang Fritz Haug in seiner Analyse des „hilflosen Antifaschismus" darauf hingewiesen, dass Autoritarismus und Rassismus nicht eine Art Unfall oder ein Einbruch der Unmenschlichkeit von außen sind, sondern Tendenzen zu- und überspitzen, die in der bürgerlichen Gesellschaft bereits wirken.

Parallel zur rechten Formierung vollzieht sich derzeit ein Rückbau sozialer, demokratischer, ökologischer und gesellschaftspolitischer Errungenschaften, der kaum auf Gegenwehr stößt. Jenseits der begrifflichen Diskussion stellt sich die Frage, woran die autoritäre Rechte anknüpfen kann: Warum tragen heute so viele Menschen diese Dynamiken mit? Und wie kann ein praktischer Antifaschismus aussehen, der jenseits von moralischen Werturteilen agiert?

Am 23. März 2026 wird Wolfgang Fritz Haug 90 Jahre alt. Wir wollen mit ihm und anderen Expert*innen aus Wissenschaft und Publizistik über den Vormarsch von rechts und vorhandene Gegenstrategien diskutieren. Nach einer Analyse von Formierung und Erfolg der radikalen Rechten entlang der Konzepte „Faschisierung" und „autoritärer Kapitalismus" diskutieren die Referent*innen wirkungsvolle antifaschistische Strategien.

09:30 Uhr | Einlass - Kaffee & Brezeln

10:00 Uhr | Begrüßung und Einführung – Erhard Korn (Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg) und Bernd Riexinger (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

10:15 Uhr | Erhard Korn: Wolf Haug. Eine Würdigung

10:30 Uhr | Wolfgang Fritz Haug: Faschisierung des Subjekts

Der Vortrag fragt, wie Individuen zu Trägern der autoritären Mobilisierung werden können. Dabei untersucht er die in der kapitalistischen Ökonomie angelegte Unterscheidung von Höher- und Minderwertigkeit, von Aufstieg/Auslese und nicht verwertbarer Asozialität. Wie trägt diese „Wertigkeit" zur Rechtfertigung von Herrschaft, wie zur „Konstituierung und Mobilisierung von Menschen" bei, die nicht nur Instrumente einer von Eliten betriebenen autoritären Wende sind, sondern ihre Subjekte?

11:30 Uhr | Jan Rehmann: Faschisierungstendenzen in den USA

Ob es angemessen ist, die zweite Trump-Amtszeit als „Faschismus" oder „Faschisierung" zu verstehen, ist in der Literatur umstritten. Mit Bezug auf klassische Faschismustheorien soll versucht werden, Ähnlichkeiten und Unterschiede zu identifizieren. Wie funktioniert die Verbindung zwischen Big-Tech-Libertarismus und Rechts-Populismus und wo liegen die Widersprüche? Welche Rolle spielen die Philosophien des Akzelerationismus und des Posthumanismus? Warum wird die Macht zur Lüge und zum Hass als eine Befreiung erlebt?

12:30 Uhr | Mittagessen

13:30 Uhr | Frank Deppe: Autoritärer Kapitalismus

Demokratische Politikgestaltung scheint in den USA wie in Europa zunehmend im Rückzug und droht durch neue Formen autoritärer Herrschaft ersetzt zu werden, die sich noch im Rahmen der Verfassung bewegen, diese aber zur Sicherung nationaler Wettbewerbsfähigkeit zunehmend repressiv ausdeuten. Welche Rolle spielt hierfür der Aufschwung der politischen Rechten in den Kapitalmetropolen des Westens?

14:30 Uhr | Sebastian Friedrich: Radikalisiert, melonisiert, integriert? Die AfD im autoritären Kapitalismus – Konsequenzen für einen substanziellen Antifaschismus

Die AfD bildet derzeit das organisatorische Zentrum einer rechtsradikalen Formierung. Nach aktuellem Stand verfolgt sie jedoch kein eigenständiges Hegemonieprojekt, sondern besitzt vielmehr das Potenzial, den rechten Flügel eines autoritären Kapitalismus zu bilden. Teile des politischen Establishments ebenso wie einzelne Akteure der Kapital-Seite spekulieren auf eine partielle Anpassung der AfD. Entsprechende Tendenzen einer „Melonisierung" lassen sich jenseits der großen Schlagzeilen bereits innerhalb der Partei beobachten. Der Vortrag geht der Frage nach, woher die gegenwärtige autoritäre Formierung rührt, welche Rolle die AfD darin einnimmt und vor welchen Herausforderungen die Gegenkräfte eines autoritären Kapitalismus stehen.

15:30 Uhr| Kaffeepause

15:45 – 17:00 Uhr | Podiumsdiskussion: Strategien der Hoffnung jenseits eines „hilflosen Antifaschismus"

Mit einem Beitrag von Anna Mehlis: Sozialismus von unten als antifaschistische Praxis

Wie kann einem hilflosen ein effektiver Antifaschismus entgegengesetzt werden, der über moralische Empörung hinausgeht und Ursachen des Rechtsrucks sowie kapitalistische Herrschaftsverhältnisse in den Blick nimmt? Ausgangspunkt des Vortrags sind empirische Untersuchungen zu unterschiedlichen Ansätzen einer Erneuerung emanzipatorischer, sozialistischer Politik von unten. Die untersuchten Fälle werden als Bausteine begriffen, die an den konkreten Lebensrealitäten im Hier und Jetzt ansetzten, über die herrschenden kapitalistischen Institutionen hinausweisen und Triebkräfte, Möglichkeitsräume und Ansatzpunkte für eine nachhaltig-sozialistische Gesellschaft liefern können. Der Vortrag diskutiert, wo sich darin Ansätze antifaschistischer Praxis finden und welche Schlüsse sich aus diesen Erfahrungen ziehen lassen.

 

Referent*innen:

  • Frank Deppe ist Professor em. für Politikwissenschaft. Zuletzt erschien von ihm „Zeitenwenden? Der ,neue‘ und der ,alte‘ Kalte Krieg" (VSA, 2023). Als Schüler von Wolfgang Abendroth ist er einer der prominentesten Vertreter der Marburger Schule in der Politikwissenschaft.
  • Wolfgang F. Haug, geboren am 23. März 1936 in Esslingen, marxistischer Philosoph und Verleger, 1959 – 2025 Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Argument. Von 1979 bis 2001 Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin, wo er die berühmt gewordenen „Kapitalkurse" abhielt. Herausgeber der Gefängnishefte von Antonio Gramsci und des „Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus".
  • Sebastian Friedrich ist freier Journalist und Autor aus Hamburg (u.a. Panorama, DLF, Der Freitag, überrechts.de).
  • Anna Mehlis arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Jena mit den Schwerpunkten Arbeits- und Wirtschaftssoziologie. Sie ist Mitherausgeberin und -autorin von „Sozialismus von unten? Emanzipatorische Ansätze für das 21. Jahrhundert" (VSA 2025).
  • Jan Rehmann, Visiting Professor for Critical Theory and Social Analysis am Union Theological Seminary (New York) und Privatdozent an der FU-Berlin. Er ist Redakteur des Historisch-Kritischen Wőrterbuchs des Marxismus (HKWM) und Autor u.a. von Postmoderner Linksnietzscheanismus. Deleuze und Foucault – eine Dekonstruktion (Mangroven 2021).

Organisatorisches
Die Zahl der Teilnehmenden ist aus Platzgründen beschränkt. Daher bitten wir um verbindliche Anmeldung unter gf@rosalux-bw.org. Für Getränke, Snacks und Mittagessen bitten wir um eine Kostenbeteiligung in Höhe von 10 Euro.
Anfahrt mit ÖPNV: U1, U14 oder Bus 42 bis Haltestelle Erwin Schöttle Platz, direkt an der Bahnlinie Richtung Bihlplatz oder S-Bahn bis Schwabstraße, dann Bus 42 bis Erwin Schöttle Platz.

Standort

Kontakt

Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg

Telefon: +49 711 99797090

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