14. Mai 2018 Diskussion/Vortrag Mao, der Verfassungsschutz und die 68er-Revolte. Wie der VS am Vorabend von 1968 den Maoismus verbreitete

Wie der VS am Vorabend der 68er-Bewegung den Maoismus verbreitete. Reihe: Vielfalt sozialistischen Denkens

Information

Veranstaltungsort

Café Morgenrot
Kastanienallee 85
10435 Berlin

Zeit

14.05.2018, 20:00 - 22:00 Uhr

Mit

Mascha Jacoby Morten Paul

Themenbereiche

Staat / Demokratie

Kosten

2,00 €

Zugeordnete Dateien

1967 erschien die "Mao-Bibel" in Westdeutschland. Die deutschsprachige Ausgabe der Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung machte die Ideen des chinesischen Revoltionsführers für die 68er-Bewegung greifbar. Aktivisten feierten das kulturrevolutionäre China als Vorbild. Jung und solidarisch schien der chinesische Sozialismus zu sein - im Gegensatz zum sowjetischen. Die Schriften Maos wurden zum Trend und zur Anleitung für den Aufbau von Parteien, die auch in der Bundesrepublik die Revolution machen wollten. Kaum bekannt ist jedoch, dass der Maoismus schon in die Bundesrepublik schwappte, bevor die Studentenbewegung mit der Kulturrevolution flirtete. Anfang der sechziger Jahre, unmittelbar nach Chinas offenem Bruch mit der Sowjetunion, trafen immer mehr chinesische Propagandamaterialien ein - mit Flugzeugen, auf Schiffen und in Botschaftsautos. Westdeutsche Postboten trugen sie aus. Und ausgerechnet der Verfassungsschutz half der chinesischen Regierung ungebeten, das "Spalter-Material" an die richtigen Adressen zu bringen: in die Briefkästen von Mitgliedern der verbotenen sowjetnahen KPD.
Die Wissenschaftlerin und freie Journalistin Mascha Jacoby schildert, mit welchen Methoden der Verfassungsschutz während der ersten Hälfte der sechziger Jahre Pionierarbeit bei der Verbreitung des Maoismus leistete. Dabei zeigt sie, dass die Bundesrepublik kein Einzelfall war: Mehrere westliche Sicherheitsbehörden nutzten den sino-sowjetischen Streit, um den Feind im Kalten Krieg zu bekämpfen. Ein Aufsatz Jacobys zum Thema ist kürzlich in dem Band Ein kleines rotes Buch. Die Mao-Bibel und die Bücher-Revolution der Sechzigerjahre (Matthes&Seitz 2018) erschienen. Gemeinsam mit Morten Paul, Mitherausgeber des Bandes, diskutiert sie im Anschluss die Rolle der Texte Maos in der Geschichte der Studentenbewegung.

ReferentInnen: Mascha Jacoby (Wissenschaftlerin und freie Journalistin aus Hamburg) und Morten Paul (Lektor, Berlin)

Standort