3. September 2020 Diskussion/Vortrag „The truth that´s all we want...“

Der Antikommunismus der McCarthy-Ära und Hollywoods Schwarze Liste. Reihe: Junge Panke

Information

Veranstaltungsort

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Markgrafendamm 24c
10245 Berlin

Zeit

03.09.2020, 20:00 - 22:00 Uhr

Mit

Hannes Brühwiler (Filmwissenschaftler und -kurator, er kuratierte viele Retrospektiven, u.a. zu Hou Hsiao-hsien, Whit Stillman, Elaine May, Stanley Kubrick und zu Hollywoods Backlist und dem Kino des Red Hollywood, seit 2009 ist er Mitglied der Redaktion von »Revolver, Zeitschrift für Film«), Moderation: Birgit Ziener



Themenbereiche

Amerika

Kosten

2,00 €

Zugeordnete Dateien



In den öffentlichen Zeugenstand zur Anhörung vor das House Un-American Activities Committee (HUAC) werden 1947 schließlich auch die zehn Personen gerufen, die öffentlich wirksam der kommunistischen Propaganda in Hollywood und der Mitgliedschaft der kommunistischen Partei überführt werden sollen. Die Gruppe der Hollywood Ten umfasste eigentlich elf Personen, denn auch der berühmte Exilant Bertolt Brecht ist unter ihnen. Im Gegensatz zu den anderen konnte er jedoch am einfachsten verurteilt werden, da er kein amerikanischer Staatsbürger war und sich somit nicht auf die 1. und 5. Zusatzartikel der US-Verfassung berufen konnte, die Meinungsfreiheit und Privatsphäre garantieren. Somit sah sich Brecht gezwungen, als Einziger die Antworten des HUACs zu beantworteten und dann so schnell wie möglich das Land zu verlassen.
Es ist das Ende eines öffentlichen Schauprozesses, der zwar nur einen nicht unerheblichen Industriezweig des amerikanischen Kinos traf, aber einen herben Schlag auf die amerikanische Linke darstellte. Die seit des Kriegseintritts gegen Hitler und Nazi-Deutschland in der amerikanischen Kulturindustrie diffundierten Anklänge antifaschistischer Heroik sowjetischer Propaganda mussten noch in der Zeit des Zweiten Weltkriegs wieder getilgt und offensiv bekämpft werden zur Wiederherstellung eines manichäischen Weltbildes: Gutes, freiheitliches Amerika gegen die böse Unterdrückerdiktatur der kommunistischen Sowjetunion. Hollywoods Schwarze Liste markiert so auch den Beginn des von Amerika ideologisch nach innen geführten Kalten Krieges. 

Der politischen Säuberungen gingen aber aber auch arbeitspolitische Auseinandersetzungen um die Bezahlung, die berufliche Freiheit, Vertragsrechte und Vertreterorganisierung der Arbeiter und Angestellten in den Fabrikstätten des Studiosystems Hollywood voraus. Kleine, progressive Vereinigungen wie der Conference of Studio Unions (CSU) forderten konservative Gewerkschaftsverbände wie den International Alliance of Theatrical and Stage Employees (IATSE) im Kino-Business heraus, die sich im Zuge der öffentlichen Skandalisierung angeblicher kommunistischer Unterwanderungen in Hollywood ihre Machtbasis sicherten.
Die aus den öffentlichen Anschuldigungen und Denunzierungen hervorgehende Hollywood-Blacklist umfasste 1952  letztlich über 324 Personen, die mit der KP assoziiert wurden, davon waren zu dem Zeitpunkt noch 212 in Hollywood aktiv. Allesamt erhielten Berufsverbot, gingen ins Ausland oder mussten unter Pseudonym oder verdeckten Kooperationen im Untergrund arbeiten.
Durch das Berufsverbot vieler von der Schwarzen und Grauen Liste betroffenen Drehbuchautoren, Regisseurinnen, Produzentinnen und Schauspieler ging dem Hollywood-Kino eine Linie und eine Ästhetik des kritischen Films verloren, der nicht nur den antifaschistischen Kampf gegen Nazi-Deutschland, sondern auch den Rassismus, die Geschlechterdiskriminierung, den Klassenwiderspruch, und die Ideologie des American Dream ins Auge fasste und massentauglich im Kino verhandelte ein linkes, politisches Kino, das das Hollywood-Kino der Nachkriegs-Ära langfristig erfolgreich austilgte.  



Mit: Hannes Brühwiler (Filmwissenschaftler und -kurator, er kuratierte viele Retrospektiven, u.a. zu Hou Hsiao-hsien, Whit Stillman, Elaine May, Stanley Kubrick und zu Hollywoods Backlist und dem Kino des Red Hollywood, seit 2009 ist er Mitglied der Redaktion von »Revolver, Zeitschrift für Film«)


Moderation: Birgit Ziener



Im Anschluss zeigen wir den Film Force of Evil (Regie: Abraham Polonsky, 1948).
 


 

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