Beschreibung
"Aus diesem [Geschlechts-]Verhältnis kann man die ganze Bildungsstufe des Menschen beurteilen. […] In ihm zeigt sich also, in[wie]weit das natürliche Verhalten des Menschen menschlich oder […] inwieweit seine menschliche Natur ihm zur Natur geworden ist.“
Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte
Berlin gilt als ein Zentrum der sexpositiven Szene. Mit ihren ehemals zahlreichen freien und radikalen Räumen spielt die Stadt eine zentrale Rolle als Schauplatz von Emanzipation im Spannungsfeld von Hedonismus und politischer Arbeit. Queere und sexuell permissive Räume gehören seit Langem zur subkulturellen DNA Berlins.
Bereits in der Zwischenkriegszeit hatten sich Magnus Hirschfeld und das von ihm gegründete Institut für Sexualwissenschaft für eine Sexualforschung eingesetzt, die wissenschaftliche, politische und aktivistische Anliegen miteinander verband insbesondere im Kampf für die gesellschaftliche Anerkennung queerer Menschen. In der Nachwendezeit verbanden sich queere und alternative Formen des Begehrens auf prägende Weise mit dem Hedonismus der Ravekultur. Orte wie das Berghain und das KitKat wurden zu prominenten Schauplätzen dieser Verbindung.
Doch die kulturellen Errungenschaften und die erreichten Grade sexueller Emanzipation bergen Ambivalenzen. Kann noch von Befreiung gesprochen werden, wenn kommerzialisierter Hedonismus zum Mainstream wird? Wird das Experimentieren mit freieren Formen der Sexualität, sobald es das Nischendasein verlässt, selbst zu einem ökonomischen Faktor? Eine Kritische Theorie sexueller Emanzipation muss darauf insistieren, dass Emanzipation sich gegen die Warenform richten kann, anstatt durch diese selbst überformt zu werden. Zugleich darf dieses emanzipatorische Potenzial nicht vorschnell vorausgesetzt werden, sondern muss selbst zum Gegenstand der Kritik werden - denn auch aus Kinks lässt sich Kapital schlagen!
Die Konferenz geht über 2 Tage, das genaue Programm wird noch bekannt gegeben.
Helle Panke e.V. Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin
Kosten: 10.- Euro pro Tag
Standort
Kontakt
Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin
E-Mail: info@helle-panke.de
Telefon: 030 47538724