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Donnerstag, 18. Februar 2016
Autor/Innen: Bernd Hüttner

Expressionismus – eine neue Zeitschrift

"...ist eine Bereicherung für die Landschaft der historischen Fachzeitschriften."

Im Frühsommer 2015 ist die erste Ausgabe von „Expressionismus“ erschienen. Die preiswerte Zeitschrift möchte interdisziplinär zur Erforschung dieser damals avantgardistischen, aber mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommenen Kunstströmung beitragen, und die Ergebnisse der Forschung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.

Nicht zuletzt sollen die Nachwirkungen dieser im Grunde historisch abgeschlossenen Bewegung bis heute nachvollziehbar gemacht werden. Expressionismus wird dabei nicht nur als Phänomen der Malerei, sondern, wie es historisch richtig ist, breiter, nämlich, Film, Bildhauerei, Literatur, Architektur, Theater wie allgemein performative Ansätze umfassend verstanden. Jedes Heft hat einen Schwerpunkt, der nahezu den gesamten Inhalt der Ausgabe umfasst (hinzukommen nur noch wenige Rezensionen): Bisher liegen Ausgaben zu „Künstlerkreise“ sowie „Der performative Expressionismus“ vor. Sie zeigen zum einen expressionistisches Wirken an eher abgelegenen Orten, etwa in Polen oder in Innsbruck, stellen aber auch größtenteils geläufiges, wie etwa die unter dem Namen „Gläserne Kette“ bekannten Korrespondenznetzwerke des Architekten Bruno Taut um 1920, vor. Gerade der lesenswerte Eröffnungsbeitrag der ersten Ausgabe, erfasst vom ausgewiesenen Avantgarde-Forscher Hubert van den Berg, macht allzu deutlich, wie historische Deutungen entstehen und sich verändern, bzw. verändert werden. Er durchmisst die unterschiedlichen Bilder, die von Herwarth Walden und der STURM-Galerie im Umlauf waren, und referiert die Gründe. So wurde in der Nachkriegszeit der (angebliche) unpolitische Charakter des STURM über die Masse betont – als es darum ging, die „Avantgarde“ während des „Kalten Krieges“ in die Erfolgsgeschichte des Westens ikonisch einzuschreiben. Van den Berg weist darauf hin, dass die Publikationen des STURM-Schriftleiters, späteren Bauhäuslers und Sympathisanten des Nationalsozialismus Lothar Schreyer die Forschung über den STURM bis Ende der 1960er Jahre prägten.

Die Zeitschrift ist eine Bereicherung für die Landschaft der historischen Fachzeitschriften. Sie ist vorrangig an Leser_innen gerichtet, die sich schon länger mit den dort diskutierten Themen beschäftigen. Heft 3 erscheint im Mai 2016, ihr Thema ist „Religion“, für die vierte Ausgabe ist „Expressionistinnen“ angekündigt. Leider werden im Heft keine Informationen über die Autor_innen zur Verfügung gestellt; die Zeitschrift selbst wiederum wird von Kristina Eichhorn (Universität Siegen) und Johannes S. Lorenzen verantwortet. Ihr sind viele Leser und Leserinnen zu wünschen.

Jede Ausgabe hat ca. 136 Seiten und kostet 14 EUR. Der Preis für ein Jahresabonnement beträgt 24 EUR (für zwei Hefte). Expressionismus erscheint im Neofelis-Verlag Berlin. Die Zeitschrift wird derzeit laut ZDB – außer in Paris (!) - in Deutschland in zehn Bibliotheken an neun Orten vorgehalten.