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Publikation

Reihe Studien
Autor/Innen: Malte Daniljuk
Erschienen: März 2016

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Globale Umordnung

Geopolitische und geoökonomische Veränderungen im Umfeld der EU - Aktuelle Konjunkturen der Energiepolitik

In den vergangenen Jahren eskalierten im Umfeld der Europäischen Union verschiedene Konflikte zu Krisen, die gewalttätig ausgetragen werden. Neben der Ukraine-Krise waren dies seit dem Jahr 2011 vor allem die Konflikte im Irak, in Syrien und in Libyen. Im Rahmen der «Weltumordnung» verfestigen sich «Zonen der Unsicherheit» (Candeias 2014). Im Sommer 2014 verdichteten sich die Hinweise, dass energiepolitische Aspekte in den aktuellen Konfliktverläufen eine Rolle spielen. Gleichwohl konterkarierten die Geschehnisse klassische Annahmen über den Rohstoffimperialismus, wie sie etwa im Kontext der dritten Golfkriegs im März 2003 eine gewisse Konjunktur erlebt hatten. Mit einem Ansatz des «Neuen Imperialismus» (David Harvey) ließe sich nicht erklären, warum in disponierten Förderregionen wie Libyen oder dem Südsudan nach anfänglich erfolgreichen westlichen Interventionen ein Regulierungsdefizit auftrat, dass dafür sorgte, dass die Ölförderung in beiden Regionen massiv einbrach. Zum Zweiten zeichnete sich bereits im Sommer 2014 ab, dass trotz der eskalierenden Konflikte in energiepolitisch wichtigen Regionen und bei gleichzeitig weiter steigender Nachfrage der Weltmarktpreis für Rohöl sank. Dies widersprach offensichtlich den dominanten Annahmen über einen durch die Nachfrage bestimmten Preis für Rohöl. Diese Erzählung hatte ausgehend von der Peak-Oil-Debatte vor allem die energiepolitischen Debatten in den vergangenen zehn Jahren dominiert. Demnach wäre es auszuschließen, dass angebotsseitige Faktoren den Preis senken, da die wesentlichen Ölfelder ihr Fördermaximum erreicht haben beziehungsweise der technische Aufwand zur Erschließung unverhältnismäßig steigt. Aus dieser Perspektive konnte unmöglich der Fall eintreten, dass in einer Situation der krisenbedingten Verknappung, beziehungsweise der bloßen Risiken einer solchen, der Weltmarktpreis für das Fass Rohöl sinkt.

Im Rahmen des Forschungsprojektes soll die Außen und Energiepolitik zentraler Akteure hinsichtlich der Frage untersucht werden, welche Auswirkungen die energiepolitischen Veränderungen auf globale Machtkonstellationen und regionale Konfliktverläufe haben. Im Fokus standen dabei energiepolitische Aspekte in den Krisenstaaten im weiteren Umfeld der Europäischen Union und die großen Akteure an den globalen Energiemärkten. Für diesen Zusammenhang zwischen sicherheitspolitischen Fragestellungen und Energiepolitik spricht vor allem der Umstand, dass in Phasen der großen historischen Umbrüche immer auch energiepolitische Fragestellungen eine Rolle spielten. Exemplarisch seien hier nur der Jom-Kippur-Krieg und das Ölembargo der arabischen Opec-Mitglieder im Jahr 1973, der erste Golfkrieg nach dem Jahr der internationalen Umbrüche 1979 und der zweite Golfkrieg gegen der Irak im Jahr 1991 genannt. Aber auch jenseits dieser historischen Zäsuren besteht auf kleinerer Ebene ein direkter Zusammenhang zwischen Rohstoffvorkommen und der Wahrscheinlichkeit, dass gewalttätige Konflikte auftreten (u.a. Ross 2004). [...]

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Inhalt

Einleitung
Historische Genese der Erdölökonomie
Der Beginn des Ressourcen-Nationalismus
Die Siebzigerjahre-Krise
Die Rentenstaaten und der Epochenbruch von 1979
Globalisierung und «Neuer Imperialismus»
Die globale Energielandschaft im Umfeld des Preissturzes
Der Preissturz vom Juni 2014
Der Fracking-Schock
Strategische Planungen für den Fracking-Schock
Von der Energiesicherheit zur politischen Gestaltungsmacht
Freihandelsstrategie in Richtung des europäischen Energiemarktes
Russland und die Ukraine-Krise: Technologieexport als Geopolitik
Greater Middle East: Die neue Hegemonie Saudi-Arabiens
Greater Middle East: Sichere Förderinseln im Irak
China: Expansion ohne Konfrontation
Energie im Kontext von Friedens- und Sicherheitspolitik
America’s T-Strategy
Literatur