Dokumentation https://www.rosalux.de/ Hier finden Sie unsere Dokumentationen. de Copyright Mon, 19 Feb 2018 17:08:41 +0100 Mon, 19 Feb 2018 17:08:41 +0100 TYPO3 Dokumentation https://www.rosalux.de/fileadmin/sys/resources/images/dist/logos/logo_rss.jpg https://www.rosalux.de/ 144 109 Hier finden Sie unsere Dokumentationen. news-38313 Thu, 25 Jan 2018 11:24:16 +0100 Drogen, Arbeit und Rassismus im öffentlichen Raum https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38313/ Massimo Perinelli über die Relevanz politischer Bildungsarbeit in Zeiten populistischer Meinungsmache und aufgeheizter Diskursstränge. Am 11. Januar fand die dritte und vorletzte Veranstaltung im Rahmen der von der RLS geförderten Ausstellung «Andere Heimaten» im Friedrichshain-Kreuzberg Museum in Berlin statt, die am 14. Januar mit einer letzten Podiumsdiskussion im Museum selber endete.

Die Diskussionsrunde bestand aus der Wiener Wissenschaftlerin und Aktivistin Monika Mokre, dem Social Media Aktivisten Moro Yapha, dem Künstler der Ausstellung Scott Holmquist und dem Streetworker von Fixpunkt e.V. Ralf Köhnlein. Moderiert wurde die Veranstaltung, die in Deutsch und Englisch abgehalten wurde, von der Kriminalsoziologin Andrea Kretschmann vom Centre Marc Bloch an der HU-Berlin.

Das künstlerische Projekt von Scott Holmquist und seinem Team, das in der Ausstellung zu sehen ist, war und ist Ziel massiver rechter und rassistischer politischer und medialer Angriffe geworden. Reflexartiger Hass, Angst und Wut begleiten das Thema so stark, dass dahinter nicht nur der künstlerische Aspekt der Ausstellung unsichtbar wurde, sondern ein Sprechen zur Thematik fast unmöglich scheint.

Dabei ging es gar nicht um Drogen. Im Gegenteil kokettiert der Event-Standort Berlin geradezu obsessiv mit dem Thema, wie schrill und verstrahlt die langen Berliner Nächte sind. Automarken wie Opel warben mit riesigen Werbetafeln für ihr Elektroauto mit dem Slogan «Typisch Berlin, Elektro und Speed», und auch die Berliner Eishockeymannschaft, die Eisbären, versprachen auf Plakaten ihren Fans bei ihren Spielen «Mehr Speed als auf dem Kotti». Aufreger sucht man hierbei vergebens.

Warum also wollte nicht nur die AfD, sondern auch die CDU und andere diese Ausstellung um jeden Preis verhindern und warum schäumten die Berliner Zeitungen und die BILD mit Schlagzeilen wie «Ausstellung verherrlicht kriminelle Drogendealer»? Denn die Ausstellung selber spricht interessanterweise gar nicht über Drogen, über Dealen oder über die Situation der Dealer in Deutschland. Im Gegenteil beschreibt sie mit Bildtafeln und Soundinstallationen lediglich die Herkunftsorte der Drogendealer, die Stadtteile aus denen sie kommen, das dort herrschende Klima, die Bauweisen der Häuser oder die Beschaffenheit der Flüsse. Die interviewten, die Dealer, erhalten einfach nur eine spezifische individuelle Geschichte. Kein Wort zu Fluchtursachen, keines zur Motivation der Migranten, nichts zur Situation hier.

Der Kontrast zwischen der alltäglichen Banalität dieser konkreten Menschen und dem medialen Schäumen der über 500 im Museum ebenfalls ausgestellten Zeitungsartikel über «den Afrikanischen Dealer» könnte nicht größer sein. Es sind zwei Narrative, die sich nicht berühren, nicht aufeinander verweisen, nicht miteinander kommunizieren. Stattdessen schafft diese Ausstellung eine gigantische Leerstelle zwischen den anderen Heimaten der Interviewpartner und der Situation in den Parks von Berlin.

Jedoch schafft diese Leerstelle überhaupt erst den Raum, miteinander ins Gespräch kommen zu können über all das, was sich zwischen diesen beiden Polen befindet: Über Fluchtursachen, über die Träume der Migranten auf ihrem Weg nach Europa, über die Situation der Entrechtung von Geflüchteten, über Arbeit unter den Bedingungen von allgemeinem Berufsverbot für Geflüchtete und ihrer extremen Ausbeutung, über die Freizeitkonkurrenz um die städtischen Grünflächen, über Community-Treffpunkte und Polizeirepression, über Männergruppen und sexistische Gewalt, über das gesellschaftliche Bedürfnis nach Rausch, über die seit Jahrzehnten erschöpfend analysierte sinnlose Kriminalisierung bestimmter Substanzen, über Angebot und Nachfrage, über das Big Business im Drogengeschäft und über Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten.

Dass dieses Thema gerade keine Randerscheinung oder lokales Szenethema ist, bezeugen die ganz ähnlich aufgeladenen irrationalen diskursiven Dammbrüche nach der Kölner Silvesternacht, die es binnen weniger Monate vermochten, das migrationspolitische Klima in diesem Land zu drehen und aus der gefeierten Willkommenskultur eine Abschiedskultur zu machen. Sätze wie «Flüchtlinge begrabschen unsere Frauen» und «Flüchtlinge vergiften unsere Kinder» sind ideologisch identische Hetze.

Hier ist politische Bildungsarbeit gefragt, die es leisten können muss, die verknäulten und aufgeheizten Diskursstränge zu entwirren und zu rationalisieren. Denn es geht um so Vieles: Um Arbeit im Kapitalismus, um Rassismus, um Migration und Einwanderung, Kriminalität und Kriminalisierung, Drogenkonsum und Drogenpolitik, um öffentliche und private Räume oder um das Bedürfnis nach Sicherheit, und zwar auf allen Seiten.

Die politische Bildungsarbeit ist auch deshalb so wichtig, weil sie nicht nur Affekten mit Argumenten begegnen kann, sondern auch, weil sie die Rolle hat zu zeigen, welche Interessen hinter einer Politik der Angst stecken. Denn das Aufheizen von Ängsten und das Bekämpfen von ruhigen Bestandsaufnahmen sind keine Dummheiten, sondern eine gezielte rechtspopulistische Strategie gegen Vernunft und Aufklärung. Eine Strategie, die im Übrigen seit knapp zwei Jahren in diesem Land aufgeht, in denen rechte Scharfmacher und Wutbürger demokratische Meinungsbildung attackieren und die veröffentlichte Meinung und liberale Institutionen vor sich hertreiben. Bloß nicht über Flüchtlinge sprechen, bloß nicht über Drogen, bloß nicht über schwarze Dealer – das könnte alles nach hinten losgehen und die Wähler in die Arme der Rechten treiben. Und so wird im vorauseilenden Gehorsam die rechte Agenda bedient und politisch vor ihr kapituliert.

Umso wichtiger, dass auf Veranstaltungen wie dieser im Salon miteinander gesprochen wurde als Bedingung dafür, reale Lösungen zu finden für eine Situation, die tatsächlich in vielerlei Hinsicht problematisch ist. Dabei ist es besonders relevant, dass es dabei vor allem um die Situation subsaharischer Geflüchteter geht, also jener Gruppe, die nichts von der Willkommenskultur der letzten zweieinhalb Jahre hatte. Diese Gruppe Migranten lebt hier teilweise seit Jahrzehnten mit einer Duldung, oftmals in tristen Lagern stillgelegt, mit nur wenig Aussicht, ihre Ambitionen zu verwirklichen. Sie sind das schwächste Glied in der langen Kette des Drogengeschäfts, dessen Arbeit es ist, in Berliner Parks Drogen von Weißen zu kaufen und sie für eine geringe Gewinnspanne an andere Weiße weiter zu verkaufen. Ein Handel im Übrigen, der, wie Leandra Balke in ihrer aktuellen soziologischen Studie herausstellt, «eine opferlose Kriminalität [darstellt], da Dealer und Kunden in einem beidseitigen Einverständnis handeln.»

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news-38305 Sat, 20 Jan 2018 11:04:00 +0100 10 years of crisis - 1 year of Trump https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38305/ An exchange of voices from the American and German Left

As if our generation’s lost decade of economic crisis couldn’t get any worse, one year ago Donald J. Trump – the epitome of all that is broken, twisted and alienated about the world today – became president of the United States, and with it arguably the most powerful person on the planet. One year on, the Interventionistische Linke in cooperation with the Rosa Luxemburg Stiftung has invited leading voices from the American and German left to come together, reflect on what has happened since, and exchange ideas and perspectives in our common struggle.

What kind of organisational structures and forms have emerged in the resistance, and which have been most useful? How have “identity politics” and class struggle converged and/or prove fraught with tension? And can “event politics” be a useful part of a long-term strategy, or must the left return to traditional forms of base-building?

FEATURING:

  • Amanda Armstrong (Viewpoint Magazine, Women’s March)
  • Katy Fox-Hoddess (Viewpoint Magazine, UC Berkeley graduate student organiser)
  • Magally “Maga” Miranda Alcazar (Democratic Socialists of America Los Angeles, Viewpoint, Women’s March)
  • R.L. Stephens (Democratic Socialists of America National Political Commitee)
  • Emily Laquer, Interventionistische Linke
Introduction by Daniel Gutierrez, Solidarity City Berlin]]>
news-38190 Fri, 15 Dec 2017 18:02:03 +0100 The Border, The Work and The Fight for Justice https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38190/ Das Recht zu migrieren, das Recht zu bleiben. Fotoausstellung und Diskussion von und mit David Bacon  

Eröffnung der Fotoausstellung «The Border, The Work and The Fight for Justice» von David Bacon mit anschließender Debatte zum Thema «Migration ohne Mauern. Kampf für globale, soziale Gerechtigkeit»

Mehrere große weiße Wände teilen im Dezember 2017 das Hausfoyer am Franz-Mehring-Platz 1 in Berlin, dem Sitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Auf den wie Mauern wirkenden Tafeln sind beiderseits je sechs großformatige Fotografien des amerikanischen Künstlers David Bacon zu sehen: In schmucklosem Schwarzweiß stehen Menschen vor Gitterstäben und Stacheldraht, reichen sich durch Löcher in einer Grenzmauer den Finger…

Die Ausstellung ist bis zum 22. Januar 2018 täglich und rund um die Uhr im Foyer des Franz-Mehring-Platz 1 in Berlin zu sehen.

Ist hierzulande von Flüchtlingen die Rede, denke jeder ans Mittelmeer, an die Türkei, den Nahen Osten oder an Afghanistan. Allzu oft aber werde vergessen, dass weltweit über 60 Millionen Menschen auf der Flucht sind, zu einem Großteil in ihren Heimatländern selbst. Und nur ein Bruchteil der Flüchtenden gelange überhaupt nach Europa, betonte die Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dagmar Enkelmann, bei der Eröffnung der Ausstellung am 04.12.2017.

Mit den Fotos von David Bacon wolle man, so Enkelmann weiter, ein Licht auf den amerikanischen Kontinent werfen, vor allem auf die Grenze zwischen Mexiko und den USA. Die Vorsitzende kritisierte in dem Zusammenhang nicht nur die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Mauern bauen zu wollen, sondern auch die jüngste Erklärung der US-Vertreterin bei der UNO, die USA werde sich nicht mehr am globalen Flüchtlings- und Migrationspakt beteiligen.

Die Folgen dieser Politik könne man an den Bildern von Bacon ablesen, sagte Dagmar Enkelmann und riet dazu, sich für diese Zeit zu nehmen. Bacon schaue mit seiner Kamera in die Gesichter, bringe sie dem Betrachter nahe, gab sie ihren Eindruck wieder. Jedes Foto verkörpere eine Geschichte - und das nicht allein, weil jedem Bild eine erklärende Notiz beigefügt ist. Bacons Bilder selbst legten die Gründe für das Verlassen der Heimat und die damit verbundenen Hoffnungen offen, zeigten aber auch diejenigen, deren Hoffnungen enttäuscht wurden, bilanzierte Enkelmann.

Bilder dieser Art zu machen, erfordere viel Kraft, aber die Informationen und die Aufklärung, die die Bilder geben, seien sehr wichtig, sagte Enkelmann. Sie wünsche sich, dass viele Menschen zur Ausstellung kommen und angeregt werden, über den «nationalen Tellerrand» hinauszuschauen.

Wir sind Arbeiter, keine Sklaven

Als besonders bedrückend empfand Dagmar Enkelmann ein Foto, auf dem ein Protestschild mit der Aufschrift - im Original in Englisch - «Wir sind Arbeiter, keine Sklaven» zu sehen ist. Das erinnere sie an aktuelle Debatten um die Sklavenarbeit und den Sklavenhandel in lybischen Flüchtlingscamps.

Sie lenkte den Blick dabei auch darauf, dass die Fluchtgründe - gleich, ob die Menschen nun aus Asien, Afrika und Lateinamerika kämen - oft dieselben sind: Krieg, Terror, Gewalt, Hunger, aber auch Perspektivlosigkeit und Zerstörung von Lebensgrundlagen, letzteres zunehmend durch den Klimawandel.

David Bacons Arbeit stehe dabei für ein Recht auf Migration, eine Migration ohne Zäune und ohne Stacheldraht, betonte die Stiftungsvorsitzende. In diesem Kampf stehe die Rosa-Luxemburg-Stiftung an seiner Seite.

David Bacon erinnerte seinerseits bei der Eröffnung daran, dass diese Ausstellung seine zweite in Deutschland zum Thema Migration ist. Zwölf Jahre zuvor war seine erste von der IG Metall organisiert worden. Für Bacon ist das ein Ausweis von Internationalismus, den in Deutschland zu spüren ist. Es sei einfacher, denke er manchmal, so eine Fotoausstellung in Deutschland zu zeigen als in den USA.

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news-38186 Fri, 15 Dec 2017 15:16:50 +0100 Globaler Gas Lock-In: Widerstand in Nord und Süd vernetzen http://de.rosalux.eu/themen/sozial-oekologischer-umbau/globaler-gas-lock-in-widerstand-in-nord-und-sued-vernetzen/ Bericht der internationalen Konferenz | 21.-23. September 2017, Brüssel news-38157 Thu, 07 Dec 2017 15:53:29 +0100 The future of our cities https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38157/ Smart Cities between data extractivism and remunicipalisation ***Deutscher Text weiter unten***

Luxemburg Lecture by Evgeny Morozov with a commentary by Andrej Holm.

The term "smart" has long become a key word of our time. This label seems to be able to turn any object into consistently progressive light. "Smart Cities" - relentlessly praised by consulting firms, at technology fairs and conferences - evoke images of intelligent traffic lights, networked garbage cans and smoothly functioning public transport.

This picture of a smart city presents sustainability as its supreme principle, with highly optimized movement of the inhabitants   and  a guarantee of all encompassing security - all implemented with the help of an extensive sensor technology and data processing, which flexibly connects everything in real time.

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news-38096 Sat, 18 Nov 2017 00:00:00 +0100 «Democracy Now!» https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38096/ Über Bewegungen, die die Welt verändern. Vortrag von Amy Goodman. Der Widerstand gegen Donald Trump entstand nicht über Nacht: Graswurzelbewegungen fordern das Establishment in den USA seit Jahren heraus. Um sie geht es jeden Tag in der globalen Nachrichtensendung von «Democracy Now!»

Seit mehr als zwei Jahrzehnten berichtet «Democracy Now!» an vorderster Front über jene Bewegungen, die Amerika und die Welt verändern: von der Konfrontation bei Standing Rock über die Dakota Access Pipeline bis zu den Stimmen der GraswurzelaktivistInnen; von Black Lives Matter bis zu den Erzählungen jener, die für Frieden und Klimagerechtigkeit, für Migranten- und LGBTQ-Rechte kämpfen; von der Aufdeckung staatlicher Überwachung bis zum Kampf gegen Angriffe auf die Pressefreiheit.

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news-38131 Fri, 10 Nov 2017 17:38:00 +0100 Der hausgemachte Terror https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38131/ Von vernetzten «Rassenkrieger/innen» und «Einsamen Wölfen»: Analysen zum internationalen Rechtsterrorismus Vor sechs Jahren, im November 2011, erfuhr die Öffentlichkeit erstmals, dass der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) über mehr als zehn Jahre hinweg eine in der bundesdeutschen Geschichte beispiellose rassistische Mord- und Anschlagserie verübt hatte. Nicht erst seitdem sind neonazistischer Terror und rassistische Gewalt international zu einer spürbaren Bedrohung für offene Gesellschaften und gesellschaftliche Minderheiten geworden: Im Fokus rechten Terrors stehen Jüdinnen und Juden, Schwarze, Migrant*innen und Geflüchtete, Wohnungslose und Menschen mit Behinderung ebenso wie Antifaschist*innen, Linke, Gewerkschafter*innen und andere politische Gegner*innen. Utøya, Charlottesville, Las Vegas, München: Der politische Rechtsruck in den USA sowie in Ost- und Westeuropa geht mit einer zunehmend organisierten Welle rechter und rassistischer Gewalt einher. Extrem rechte Netzwerke und «Einzelkämpfer» («Loner») fühlen sich durch völkisch-rassistische Diskurse in ihren Gesellschaften legitimiert, den «Kampf um die weiße Vorherrschaft» zunehmend militanter und gewaltförmiger zu führen. 

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news-38130 Thu, 09 Nov 2017 15:28:00 +0100 «Vier Euro dafür, dass ich den ganzen Samstag arbeite» https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38130/ Europas Sweatshops – moderne Sklaverei bei unseren Nachbarn [English version below]

Löhne, die die Existenz nicht sichern, unerträgliche Hitze im Sommer. Überstunden, die nicht bezahlt werden, Arbeitsdruck, dass man ohnmächtig wird. Unter erniedrigenden Bedingungen nähen Frauen in Serbien und in der Ukraine für vorrangig deutsche und italienische Firmen hochpreisige Mode. Gewerkschaftliche Organisierung findet nicht statt, da alle um ihren Job bangen. Gesetze werden regelmäßig verletzt. Viele Näherinnen erhalten in der Ukraine und in Serbien wie auch in anderen Ländern Osteuropas nicht einmal den ohnehin niedrigen gesetzlichen Mindestlohn. Egal ob EU-Mitgliedsländer oder nicht, die Clean Clothes Campaign resümiert, dass flächendeckend Löhne weit unter einem Existenzlohn gezahlt werden.

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news-38042 Mon, 06 Nov 2017 16:01:25 +0100 Gemeinsam stark! https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38042/ Gewerkschaftspolitische Herausforderungen nach der Bundestagswahl | Bericht zur Aktionskonferenz Etwa 180 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter diskutierten auf der gewerkschaftspolitischen Aktionskonferenz «Gemeinsam stark!» von Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Bundestagsfraktion DIE LINKE am 20. Oktober in Kassel über die Kräfteverhältnisse nach der Bundestagswahl.

Die gewerkschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE, Jutta Krellmann, begrüßte die Versammelten: «Lasst uns gemeinsam über die Durchsetzungsperspektiven für die Themen der Beschäftigten unter einer Jamaika-Koalition diskutieren». Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter könnten sich auf die Unterstützung der Fraktion in ihren Arbeitskämpfen verlassen.

«Gewerkschaften müssen auch das große Ziel einer grundlegenden Veränderung verfolgen», stellte Sybille Stamm aus dem Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung in ihrem kurzen Eingangsstatement klar, in dem sie die schleichende Entpolitisierung der Gewerkschaften kritisierte. Sie warb dafür, das politische Mandat offensiv zu nutzen und weitere Schritte der gewerkschaftlichen Erneuerung zu gehen.

Nicole Mayer-Ahuja, Direktorin am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen, referierte über die jahrelange Deregulierung des Arbeitsmarktes unter anderem durch die Maßnahmen der Agenda 2010 unter der Regierung Schröder/Fischer. Sie betonte die Notwendigkeit einer Leitidee für eine neue Regulierung im Sinne der Beschäftigten. Ein so verstandenes Konzept eines «neuen Normalarbeitsverhältnisses» könne eine wichtige strategische Perspektive für die Gewerkschaften bieten und als Klammer verschiedener Kämpfe fungieren.

In der Debatte nahmen viele TeilnehmerInnen positiv Bezug auf diese Leitidee und unterfütterten und ergänzten sie mit eigenen Erfahrungen. Als Leerstelle wurde dagegen vor allem das Thema Ökologie genannt, das verstärkt von der LINKEN und den Gewerkschaften aufgegriffen werden müsse.

In Arbeitsgruppen zu den Themen Rente, Arbeitszeitverkürzung, prekäre Beschäftigung, Ausbau öffentlicher Daseinsfürsorge und Umgang mit Rassismus in Betrieb und Gewerkschaft wurden konkrete Handlungsperspektiven diskutiert. Verschiedene Anregungen für die Arbeit der Fraktion DIE LINKE in der kommenden Legislaturperiode gingen aus den Arbeitsgruppen hervor. Insbesondere wichtig war den Kolleginnen und Kollegen der politische Einsatz der Fraktion für eine Änderung des gesellschaftlichen Klimas,  um langfristig die Privatisierungen der Altersvorsorge und öffentlicher Dienstleistungen rückgängig zu machen, eine verkürzte Vollzeit als Rechtsanspruch durchzusetzen, Tarifflucht zu erschweren und eine Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen zu erreichen. Besonders groß war der Bedarf nach Austausch zum Kampf gegen Rassismus und die AfD. Hier wurde von der Linksfraktion ein entschiedenes Auftreten gegenüber der AfD eingefordert, der im Parlament ebenso wie in den Betrieben entschlossen begegnet werden müsse.

Abschließend moderierte Ulrike Eifler vom DGB Südosthessen eine Podiumsrunde zu der Frage, wie gewerkschaftliche und politische Kämpfe verbunden werden können.

Bernd Riexinger, Vorsitzender der Partei DIE LINKE und frischgewählter Abgeordneter des Bundestages, plädierte angesichts der Oppositionsrolle der SPD dafür, verstärkt auf die WählerInnen und  Mitglieder der SPD zuzugehen, ihnen gemeinsame Aktivitäten vorzuschlagen und sie - und wenn möglich auch die SPD - in gemeinsamen sozialen Auseinandersetzungen wieder nach links zu ziehen. Er machte an Beispielen aus prekären Bereichen klar, dass eine grundsätzliche politische Wende nicht allein auf dem Feld der Tarif- und Betriebspolitik erstritten werden könne. Er plädierte dafür, das politische Mandat der Gewerkschaften offensiv für eine gesellschaftliche Auseinandersetzung für ein neues Normalarbeitsverhältnis mit abgesicherten Arbeitsplätzen und einer kürzeren Vollzeit zu nutzen.  Gerade für Branchen, in denen nur noch eine Minderheit der Beschäftigten von Tarifverträgen erfasst wird, müsse ein gemeinsamer Kampf von Gewerkschaften und der politischen Linken um eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen geführt werden. Der stellvertretende Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Andreas Keller, betonte die Notwendigkeit eines Ausbaus und der ausreichenden Finanzierung der öffentlichen Daseinsvorsorge und des Bildungsbereichs. Dafür brauche es einen starken DGB, um gesellschaftliche Forderungen, die alle angehen, zusammen zu bringen und zu vertreten.

«Wir können als Gewerkschaften nur glaubwürdig auf der Straße demonstrieren wenn wir Kraft in den Betrieben haben», betonte Hans-Jürgen Urban aus dem Vorstand der IG Metall. Sonst habe man nicht die Wucht, die gebraucht werde. Im Umgang mit der AfD plädierte er für eine «Doppelstrategie von klarer Kante und offener Tür»: Gegenüber organisierten Nazis müssten die Gewerkschaften eine klare Kante zeigen. Aber all denen, die in erster Linie mit den Verhältnissen unzufrieden sind, müsse das Angebote gemacht werden, berechtigte Kritik an dieser Gesellschaft nach links und nicht nach rechts aufzulösen. Dabei gehe es nicht um inhaltliche Zugeständnisse, sondern um glaubwürdige, auch machtpolitische Alternativen von links. Als einzigen progressiven Anknüpfungspunkt in der Flüchtlingsfrage bezeichnete er die zivilgesellschaftliche Refugees-Welcome-Bewegung. Sie müsse durch Perspektiven einer echten Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt unterstützt werden.

Nach intensiver Analyse der voraussichtlich anstehenden Regierungskoalition und einer kontroversen Debatte über die fehlende Machtoption der LINKEN beendete Andreas Keller die Podiumsrunde mit einem optimistischeren Ausblick. Er halte die Macht im Sinne einer Regierungsbeteiligung für teilweise überbewertet denn «der Widerstand sozialer Bewegungen ist unter konservativen Regierungen oftmals viel größer».

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news-38037 Mon, 06 Nov 2017 00:00:00 +0100 Der Begriff der Arbeit in Karl Marx' «Kapital» https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38037/ Livestream-Mitschnitte der drei Abendpodien im Rahmen der 10. Marx-Herbstschule 2017 Karl Marx' «Das Kapital» feiert 2017 seinen 150. Geburtstag. 2018 folgt der 200. Geburtstag von Marx selbst. Der Fokus der Marx-Herbstschule lag diesmal auf dem Begriff, der wie kein anderer sowohl Marx' Kapital als auch die Geschichte des Marxismus beherrscht: Arbeit.

Der Arbeitsbegriff zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Entwicklung des ersten Bandes, ausgehend vom «Doppelcharakter» der Arbeit, dem «Springpunkt, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht», über die kapitalistische Anwendung, Verwertung und Ausbeutung der Arbeitskraft und ihre Kämpfe bis hin zum historischen Ursprung der kapitalistischen Lohnarbeit durch die sog. «Ursprüngliche Akkumulation».

Die Arbeitsgruppen diskutierten tagsüber Passagen zum Arbeitsbegriff aus dem Kapital gemeinsam in textnaher Lektüre. Mit drei großen Abendveranstaltungen wurde mit vielen internationalen Gästen die neuen Kapital-Lektüren der 1960er Jahre, aber auch die Kritiken, die ab den 70er Jahren am Kapital, an Marx und am Marxismus geübt wurden, betrachtet.

Der Bezug auf die Arbeit hat zunächst die Geschichte des klassischen Marxismus beherrscht: in Gestalt der großen sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen Massenparteien und -organisationen, in Form der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegungen, aber auch in der Gestalt der sozialistischen Arbeiterstaaten. Sie alle formulierten in Theorie wie Praxis eine Politik buchstäblich im Namen der Arbeit.

Allerdings gab es auch eine eher untergründige Strömung, die sich vor allem auf Marx‘ Kritik der Arbeit und die Abschaffung und Überwindung der kapitalistischen Lohnarbeit und der Klasse berief. Diese kritische Bestimmung der Arbeit wurde vor allem im Zuge der neuen Kapital-Aneignungen um 1968 wirksam. Allerdings richtete sich die Kritik auch auf das Kapital selbst: Marx habe sich zu stark auf das Industrieproletariat und die Produktion fixiert und die Bedeutung der Bereiche der gesellschaftlichen Reproduktion – Alltagskultur, Ideologie, Geschlechterverhältnisse etc. – zu wenig berücksichtigt.

Die drei Abendveranstaltungen waren daher zunächst den neuen Kapital-Lektüren gewidmet, dann den Kritiken und schließlich der Bedeutung der Reproduktion und dem Zusammenhang von biologischer Reproduktion und ökonomischer Krise.

Die Diskussionen wurden live gestreamt, hier können die Aufzeichnungen nachgeschaut werden.

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