Dokumentation https://www.rosalux.de/ Hier finden Sie unsere Dokumentationen. de Copyright Thu, 16 Aug 2018 16:22:14 +0200 Thu, 16 Aug 2018 16:22:14 +0200 TYPO3 Dokumentation https://www.rosalux.de/fileadmin/sys/resources/images/dist/logos/logo_rss.jpg https://www.rosalux.de/ 144 109 Hier finden Sie unsere Dokumentationen. news-39051 Tue, 03 Jul 2018 12:00:52 +0200 Bildung und Ungleichheit in Deutschland https://www.rosalux.de/dokumentation/id/39051/ Neueste Ergebnisse der erziehungswissenschaftlichen Ungleichheitsforschung. Buchpräsentation mit Meike Sophia Baader.

Über 30 Teilnehmende haben beim zweiten «Salon Bildung» der Rosa-Luxemburg-Stiftung in 2018 mit Prof. Dr. Meike Sophie Baader (Universität Hildesheim) angeregt über Bildung und Ungleichheit in Deutschland debattiert. Ein Fokus der Diskussion lag auf den multifaktoriellen Ursachen von sozialer Ungleichheit im flexibilisierten Kapitalismus, wie sich diese im Bildungswesen reproduziert und auf der Frage, wie das Bildungssystem wiederum selbst Ungleichheit erzeugt und verfestigt.

Bildungsungleichheit ist multifaktoriell. Soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Abkoppelungsprozesse sind unübersehbar. Die herausragende Bedeutung von Bildung für die Lebensperspektiven junger Menschen in Deutschland ist unbestritten. Der Erwerb schulischer und beruflicher Bildungsqualifikationen spielt eine Schlüsselrolle im sozialen Integrationsprozess. Bildungsabschlüsse sind entscheidend für die Chancen auf gesellschaftlich anerkannte Positionen, auch wenn Bildung allein längst kein Garant mehr dafür darstellt. Da sich die Auswirkungen von sozialer Benachteiligung jeweils kumulativ-kontextuell darstellen, werden die Bereiche Familie und Kindheit, Schule und Hochschule sowie außerschulische Bildung und Weiterbildung in den Blick genommen und es wird nach Durchquerungen, Genderaspekten, Intersektionalität und Inklusion gefragt.

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news-39140 Tue, 19 Jun 2018 13:53:00 +0200 Weltkrieg Spaltung Revolution https://www.rosalux.de/dokumentation/id/39140/ Sozialdemokratie 1916–1922 Die Geschichte der Arbeiterbewegung während des Ersten Weltkriegs und der ersten Jahre der Weimarer Republik wird oft in einfacher Gegenüberstellung von Mehrheitssozialdemokratie, Unabhängiger Sozialdemokratie und sich gründender Kommunistischer Partei erzählt.

Mit dem kürzlich von ihnen herausgegebenen Band durchbrachen Uli Schoeler und Thilo Scholle diese allzu schlichte Darstellung. In «Weltkrieg.Spaltung.Revolution. Sozialdemokratie 1916-1922» (Dietz 2018) zeigen sie, welche Debatten es zwischen, vor allem aber auch innerhalb der Parteien gegeben hatte.

Die angesprochenen Jahre erscheinen in den einzelnen Beiträgen als eine Zeit intensiver und dynamischer Auseinandersetzungen. Quer durch alle Parteien wurden die Fragen politischer Verfasstheit des Landes, zur Gestaltung der Wirtschaftsordnung und zu den Aufgaben linker Parteien breit und plural diskutiert.

Für den 19. Juni 2018 lud die Rosa-Luxemburg-Stiftung zusammen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Redaktion der Zeitschrift «Arbeit-Bewegung-Geschichte» dazu ein, diese Fragen wieder aufzugreifen.

Auf dem Podium im Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung saßen ANTJE VOLLMER, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages a. D.; PROF. DR. ULI SCHÖLER, Vorstandsvorsitzender der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung sowie THILO SCHOLLE, Redaktionsmitglied der «Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft».

Dabei habe es bei der gut besuchten Veranstaltung – dem Bericht von Velten Schäfer für die Tageszeitung «neues Deutschland» zufolge – ziemlich viele «Konjunktive um Hugo Hasse» gegeben. Schäfer fragte sich, ob eine Verständigung zwischen der SPD und DIE LINKE über ihre verschiedenen Geschichtsbilder möglich ist, kam dessen ungeachtet aber zu dem Schluss, dass «die alte Phrase, es sei gut gewesen geredet zu haben», am Ende dieses Abend «weniger abgeschmackt als sonst» geklungen habe. 

Die Zeitschrift «Arbeit-Bewegung-Geschichte» plant in ihrer kommenden Ausgabe eine Dokumentation des Abends.

Das Buch zur Veranstaltung:

Uli Schöler / Thilo Scholle (Hg.)
Weltkrieg. Spaltung. Revolution
Sozialdemokratie 1916–1922

472 Seiten, Broschur
30,00 Euro, ISBN 978-3-8012-4260-2
Erscheinungstermin: März 2018

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news-39006 Fri, 15 Jun 2018 11:53:00 +0200 Aufstand am Tellerrand https://www.rosalux.de/dokumentation/id/39006/ Zweites politisches Sommerpicknick Das politische Sommerpicknick «Aufstand am Tellerrand» widmete sich der Frage nach den Produktionsbedingungen und Lieferketten unserer Lebensmittel, informierte über Handlungsnotwendigkeiten und diskutierte Lösungsansätze aus dem In- und Ausland.

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news-39040 Thu, 14 Jun 2018 17:14:00 +0200 «Ökonomie jenseits der schwäbischen Hausfrau» https://www.rosalux.de/dokumentation/id/39040/ Prof. Heiner Flassbeck zur Situation der Eurokrise Noch immer gibt es über den Ursprung der Eurokrise erhebliches Unverständnis. Seit Beginn dieser Krise versuchen interessierte Kreise, den Staaten in Südeuropa und Frankreich die Schuld für das Versagen der Währungsunion in die Schuhe zu schieben. Doch das führt in die Irre. Prof. Heiner Flassbeck zeigt, welches die Funktionsbedingungen einer Währungsunion waren und sind und wie dagegen schon in den Gründerjahren auch von Deutschland verstoßen wurde. Er verbindet die weltweite Kritik an den deutschen Leistungsbilanzüberschüssen mit seiner Kritik an der Rolle Deutschlands in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWU) und an dem mikroökonomischen Denken, das in Deutschland vorherrscht.

Er zeigt, dass insbesondere die Funktionsweise des Arbeitsmarktes und die Rolle des Sparens von der «schwäbischen Hausfrau» nicht verstanden werden. Er macht konstruktive Vorschläge zur Rettung der Union, die angesichts der Ergebnisse der Wahlen in Italien von höchster Aktualität sind.

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news-38971 Wed, 13 Jun 2018 14:25:46 +0200 Nachhaltig politisieren https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38971/ Globale soziale Rechte als Alternative zur Agenda 2030

Die Nachhaltigkeitsziele der UN werden von keiner Regierung ernst genommen. Niemand hält sich an sie. Die Aufkündigung des Klima-Abkommens von Seiten der USA ist der beste Beweis hierfür.

Boniface Mabanza, Koordinator der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA), hält diese Ziele für bloße Absichtserklärungen ohne Durchschlagkraft, die einer reduktionistischen Wahrnehmung von Nachhaltigkeit folgen.

 
Im Mittelpunkt der gut besuchten Podiumsdiskussion im Berlin Global Village standen die Fragen, ob das Konzept der Globalen Sozialen Rechte die Nachhaltigkeitsziele der UN politisieren kann und inwiefern es sich als kritische Intervention in den Diskurs und die Politiken der Nachhaltigkeitsziele eignet.

Neben Boniface Mabanza waren auf dem Podium Stefanie Kron, Referentin für Internationale Politik und Soziale Bewegungen der Rosa-Luxemburg-Stiftung, und Thomas Seibert, Süd- und Südostasien Referent bei Medico International, zu Gast. Sylvia Werther vom Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag (BER) moderierte den Abend. Die Podiumsdiskussion bildete den Auftakt einer ganzen Reihe von Diskussionsveranstaltungen  mit dem Titel «Recht haben. Internationale Bewegungen für soziale Gerechtigkeit» – ein Kooperationsprojekt zwischen der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag.

Die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen, die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene dienen sollen. Sie lösen die so genannten Millennium Development Goals ab und bilden inzwischen den Referenzrahmen jedes entwicklungspolitischen Handelns. Erstmals werden in den UN-Nachhaltigkeitszielen auch die Länder des globalen Nordens als Entwicklungsländer definiert. Sie nehmen damit eine globale Perspektive auf Ungleichheit und Entwicklung ein.

Allerdings, betonte Mabanza, seien die Nachhaltigkeitsziele keine rechtlich bindenden Instrumente und blieben daher weitgehend unrealisiert. Mabanza hob auch die Widersprüchlichkeit der Nachhaltigkeitsziele hervor: Einerseits würde darauf abgezielt, soziale Ungleichheiten weltweit zu bekämpfen, andererseits aber unterliege dem gesamten Konzept ein wachstumsorientiertes, kapitalistisches Entwicklungsmodell, das die neoliberale Marktwirtschaft weiter fördere. Die Nachhaltigkeitsziele stellen also dieses globale Wirtschaftssystem nicht in Frage, welches deren Formulierung erst notwendig gemacht hat.

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news-38784 Mon, 07 May 2018 16:10:09 +0200 Marx200 — Eine Dokumentation https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38784/ Politik - Theorie - Sozialismus. Der Kongress zum 200. Geburtstag von Karl Marx Zum 200. Geburtstag von Karl Marx veranstaltete die Rosa-Luxemburg-Stiftung Anfang Mai 2018 einen Kongress: eine kurze Woche mit Theorie, Politik und Kunst. Es handelte sich um die zentrale Konferenz innerhalb des ganzjährigen Veranstaltungsprogramms im Marx-Jubiläumsjahr.

Im Folgenden dokumentieren wir einige Konferenzbeiträge und geben Eindrücke von der vielfältigen Tagung wieder.

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news-38761 Sat, 28 Apr 2018 14:08:00 +0200 Klimagerechtigkeit – Zeit zu handeln https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38761/ Warum es sich lohnt, um jedes Zehntelgrad zu kämpfen Hunger, Vertreibung, Armut und die Zerstörung der Lebensgrundlagen von Millionen Menschen gehören zu den immer drastischer zu Tage tretenden Folgen des Klimawandels. Dass er ganz maßgeblich durch den Menschen verursacht wird, ist seit Langem bekannt, von einer gemeinsamen Lösung ist die Welt jedoch noch weit entfernt. Eine gemeinsame Veranstaltung mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zum Thema Klimagerechtigkeit.

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news-38797 Fri, 27 Apr 2018 13:32:00 +0200 Initiative für ein Neues Normalarbeitsverhältnis https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38797/ Gemeinsam Druck machen für höhere Löhne, Tarifbindung und Arbeitszeitverkürzung. Gewerkschaftspolitische Herausforderungen unter der 3. Großen Koalition. Mehr als 130 Teilnehmer*innen kamen am 24. April in den Räumen der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu einer Fachtagung „Initiative für ein Neues Normalarbeitsverhältnis. Gemeinsam Druck machen für höhere Löhne, Tarifbindung und Arbeitszeitverkürzung. Gewerkschaftspolitische Herausforderungen unter der 3. Großen Koalition“ zusammen, um über Konzepte und Durchsetzungsperspektiven einer Umgestaltung der Arbeitswelt im Interesse der Beschäftigten zu diskutieren.

Auf eine Begrüßung von Sybille Stamm (Vorstand Rosa-Luxemburg-Stiftung) folgten die Eröffnungsreden von Annelie Buntenbach (DGB Bundesvorstand), Nicole Mayer-Ahuja (Soziologisches Forschungsinstitut, Göttingen) und Bernd Riexinger (Vorsitzender DIE LINKE.) Wir dokumentieren die Videos der Reden hier, die Präsentationen von Buntenbach und Mayer-Ahuja finden sich unten.

Außerdem gab es eine Grußbotschaft der streikenden Beschäftigten der Vivantes Servicegesellschaft. Sie hatten schon am frühen Morgen ein Streikzelt vor der Rosa-Luxemburg-Stiftung errichtet, um für Unterstützung für ihren Arbeitskampf für eine Rückführung ausgegliederter Beschäftigter in den TvöD zu werben. Ihr Auftritt auf der Fachtagung wurde von begeistertem Applaus der Teilnehmer*innen begleitet.

Lesenswert:
Bernd Riexinger / Lia Becker
For the many, not the few: Gute Arbeit für Alle!
Vorschläge für ein Neues Normalarbeitsverhältnis
Sozialismus.de | Supplement zu Heft 9 / 2017

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news-38864 Sat, 21 Apr 2018 15:17:00 +0200 Marx in Hessen https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38864/ Tagung anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx Am 5. Mai 2018 jährte sich der Geburtstag von Karl Marx. Marx gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Wissenschaftlern, mit seinen kritischen politischen und ökonomischen Analysen hat er wesentlich zum Verständnis kapitalistischer Verhältnisse beigetragen.

Die Tagung «Marx in Hessen» wurde gemeinsam von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx in Kooperation mit Prof. Dr. Bernd Belina und Apl. Prof. Dr. Alex Demirović von der Goethe-Universität, der GEW, der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung, dem Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, der Redaktion des «express. Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit» und der Redaktion der «Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung» veranstaltet. Mit mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Tagung gut besucht. Das Publikum war bunt gemischt, etwa ein Drittel der Teilnehmenden war jünger als 35 Jahre. Der Titel «Marx in Hessen» erklärt sich dadurch, dass die Veranstalter sich das Ziel setzten, nicht nur über die Marxsche Theorie zu diskutieren, sondern auch über ihre Rezeption und Weiterentwicklung in Hessen, für die unter anderem die Kritische Theorie der «Frankfurter Schule» und die «Marburger Schule» um Wolfgang Abendroth stehen. Die Praxis der marxistischen Theorie wurde weiter auch durch die Präsenz von Institutionen wie dem Sozialistischen Büro oder dem Institut für Marxistische Studien und Forschungen geprägt.

Frank Deppe stellte in seinem Einleitungsreferat das Verhältnis von Theorie und Praxis ins Zentrum und spannte einen weiten Bogen von den Frühsozialisten über den Einfluss von Kommunisten und Sozialdemokraten auf die hessische Verfassung bis zur Gegenwart. Joachim Hirsch konzentrierte sich in seinem Beitrag ebenfalls auf das Verhältnis von Theorie und Praxis und verwies dabei auf die Differenzen zwischen den verschiedenen Marxismen, die teils mehr auf die Beeinflussung von Partei- und Gewerkschaftsapparaten, teils mehr auf soziale Bewegungen setzten. Inwieweit Differenzen, die in den 1970er Jahren zu erbitterten Grabenkämpfen innerhalb der Linken führten, heute noch eine Rolle spielten, wurde durchaus kontrovers diskutiert. In dem anschließenden Panel über «Umstrittene Interpretationen der Marxschen Theorie und ihre politischen Implikationen» wurden jedenfalls viele Gemeinsamkeiten zwischen Nadja Rakowitz und David Salomon deutlich, auch wenn die eine in «Frankfurter Tradition» vor allem die erkenntniskritische und ideologiekritische Bedeutung der Marxschen Wertformanalyse betonte, während der andere in «Marburger Tradition» für den Kampf um Verfassungspositionen warb.

In dem Panel über «Raum und Politik» ging Jens Wissel über die Marxsche Theorie der kapitalistischen Produktionsweise in ihrem «sozusagen idealen Durchschnitt» hinaus und thematisierte historische Veränderungen der kapitalistischen Entwicklung vom Fordismus bis zu den Folgen der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise. Bernd Belina stellte eine räumliche Analyse der Wahlergebnisse der AfD vor und machte dabei deutlich, dass die Ergebnisse je nach der gewählten Maßstabsebene sich sehr unterschiedlich darstellen. Klar wurde jedoch, dass die AfD in ländlichen Gebieten überdurchschnittlich hohe Gebiete erzielt, während die Partei DIE LINKE in Großstädten ihre Hochburgen hat. Wie diese Ergebnisse mit der Klassenstruktur und anderen sozialen Verhältnissen korrelieren, wird Gegenstand weiterer Untersuchungen von Bernd Belina sein. Janine Wissler, die Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Hessischen Landtag, stellte daran anknüpfend die gegenwärtigen Herausforderungen linker Politik dar.

Thomas Sablowski und Jörg Goldberg diskutierten, wie an die Marxsche Theorie für eine Analyse der Internationalisierung des Kapitals, der ungleichen Entwicklung und der nachholenden kapitalistischen Entwicklung im globalen Süden anzuknüpfen wäre. Sablowski streifte, ausgehend von Marx «Sechs-Bücher-Plan» und seinen Bemerkungen über den Weltmarkt, die klassischen Imperialismustheorien, die Dependenz- und Weltsystemtheorie, die bundesdeutsche Weltmarktdebatte der 1970er und frühen 1980er Jahre und die Globalisierungsdiskussion der 1990er Jahre und kam dabei zu dem Ergebnis, dass all diese Ansätze erneut kritisch durchgearbeitet werden müssten, um zu einer kritischen Theorie der Internationalisierung des Kapitals und der ungleichen Entwicklung zu gelangen. Jörg Goldberg plädierte dafür, die Marxsche Methode auf China und die anderen neuen Kapitalismen im «Globalen Süden» anzuwenden, um dabei zu untersuchen, wie traditionelle soziale Verhältnisse kapitalistisch umgeformt werden, ohne gänzlich zu verschwinden. Goldbergs These war, dass die Analyse dieser Kapitalismen auch unser eurozentrisch geprägtes Bild, was der Kapitalismus «im Durchschnitt» sei, verändern würde.

Auf dem Panel zu «Postkoloniale Konstellation und imperiale Lebensweise» stellten Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Universität Gießen), Ulrich Brand (Universität Wien) und Stefan Gandler (UNAM Mexiko) ihre Überlegungen vor. Einig waren sich die Vortragenden, dass die Lage der Länder des globalen Südens von den Bedingungen bestimmt sei, die durch eine lange Geschichte der Ausbeutung erzeugt wurde. Es wurden jedoch deutlich verschiedene Akzente gesetzt. Für Encarnación Gutiérrez Rodríguez stand im Zentrum ihrer Überlegung die Frage des Rassismus. Der Kapitalismus sollte entsprechend als ein rassifiziertes Verhältnis verstanden werden, da er sich ohne diese grundlegende Abwertung und Einsetzung von Menschen nicht hätte bilden und reproduzieren können. Uli Brand stellte Überlegungen zur imperialen Lebensweise dar. Dabei geht es darum, dass die Länder des globalen Südens seit Jahrhunderten weitgehend instrumentell als Lieferanten von Rohstoffen und Menschen angesehen werden. Der Extraktivismus ist nicht nur in jenen Regionen des Südens zerstörerisch, sondern mit dem enormen Ressourcenverbrauch auch in den kapitalistischen Zentren. Stephan Gandler stellte Thesen zur Verdinglichung im alltäglichen Leben Mexikos vor.

Den zweiten Tag der Tagung eröffnete Hans-Jürgen Urban vom Vorstand der IG Metall mit einer Weiterführung seiner Überlegungen zur «Mosaiklinken». Ihm ging es dabei vor allem um die Frage, inwieweit die gegenwärtige Schwäche und Fragmentierung emanzipatorischer Kräfte selbstverschuldet ist. Dabei nahm sich Urban die Gewerkschaften, die akademische Linke und die sozialen Bewegungen vor und entwickelte auch einige Vorschläge, wie deren Verhältnis zueinander konstruktiver zu gestalten wäre. Alex Demirović nahm die Neuerscheinung der Manuskripte zur «Deutschen Ideologie» im Rahmen der Marx-Engels-Gesamtausgabe zum Anlass, um einen weiten Bogen von den historischen Verbindungen zwischen dem Frankfurter Institut für Sozialforschung und den Herausgebern der ersten Marx-Engels-Gesamtausgabe, die durch den Stalinismus zerstört wurden, bis zu den heutigen marxistischen Diskussionen zu spannen. Dabei warb er darum, das Projekt einer integralen kritischen Gesellschaftstheorie, wie sie sowohl Marx und Engels als auch Max Horkheimer vorschwebte, fortzusetzen. Er plädierte für ein Verständnis von Intellektuellen als Transformationsintellektuellen, die aktiv Theorie und Praxis miteinander verbinden. Dies geschieht in historisch sehr spezifischen Konstellationen. Anders als zu Zeiten der «Marburger» und der «Frankfurter Schule» fänden sich diese Intellektuellen nicht mehr an den Hochschulen. Sie hätten auch eine Funktion, die verschiedene Teile der Linken miteinander zu verbinden.

Das Abschlusspanel war jüngeren Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen vorbehalten, die auf ganz unterschiedliche Weise die aktuellen Herausforderungen einer an Marx orientierten Theorie und Praxis thematisierten. Bettina Gutperl vom Studierendenverband DIE LINKE/SDS beschrieb die Kämpfe der Studierenden angesichts der durch die Bologna-Reformen veränderten Studienbedingungen. Anne Tittor betonte die Relevanz von der Marxschen Theorie entlehnten Konzepten wie dem der fortgesetzten «ursprünglichen» Akkumulation für eine Analyse neoliberaler Politiken, namentlich in den Ländern des «Globalen Südens». Felix Wiegand stellte die Bedeutung von Auseinandersetzungen auf der kommunalen Ebene um Wohnraum, um das «Recht auf Stadt» dar. Er kritisierte, dass viele prekarisierte Wissenschaftler*innen, die zwischen verschiedenen Städten pendelten, kaum in der Lage seien, als «organische Intellektuelle» der Subalternen im Sinne Antonio Gramscis zu fungieren, weil sie schon durch ihre Lebensweise nicht ausreichend auf die lokalen Auseinandersetzungen Bezug nehmen könnten. Jenny Simon stellte ihre Erfahrungen als Teamerin von «Kapital»-Kursen dar und machte die Diskrepanz zwischen dem großen Interesse Studierender an der Marxschen Theorie und den mangelhaften Möglichkeiten, sich mit dieser an den Hochschulen auseinanderzusetzen, deutlich. 

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news-38730 Wed, 18 Apr 2018 11:42:25 +0200 Kämpfen und Überleben am Kurd Dagh https://www.rosalux.de/dokumentation/id/38730/ Eine Veranstaltung zur aktuellen Situation im syrisch-kurdischen Kanton Afrin seit der Eroberung durch die türkische Armee

Die Weltgemeinschaft verschließt größtenteils die Augen vor den Menschenrechtsverletzungen, die derzeit in der durch die Türkei besetzten Stadt Afrin stattfinden.

Helin Evrim Sommer, entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, findet klare Worte zu den spärlichen internationalen Reaktionen auf den völkerrechtswidrigen Angriff auf den syrisch-kurdischen Kanton Afrin und die anschließende Eroberung der gleichnamigen Stadt durch die türkische Armee im März dieses Jahres.

Der Alltag der türkischen Besatzung stand im Mittelpunkt der Buchvorstellung und Podiumsdiskussion «Kämpfen und Überleben am Kurd Dagh», die am Dienstag, den 17. April, im Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung stattfand.  Neben Helin Evrim Sommer war Dr. Thomas Schmidinger aus Wien, Nahost-Experte und Autor des Buches «Kampf um den Berg der Kurden», der zweite Gast auf dem Podium. Moderiert wurde der Abend von Dr. Stefanie Kron, Referentin für Internationale Politik der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die Redaktionsgruppe der beiden Online-Dossiers der Stiftung zum Nahen Osten und zur Türkei hatte die Veranstaltung organisiert.

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